Wasser fließt aus Wasserleitungen

Dünner und optimaler Schutz gegen eindringendes Wasser

01.03.2019 Lesezeit: ca. MinutenMinute

Standhaft gegen Nässe

Dichtungsschlämmen sorgen dafür, dass keine unerwünschte Feuchtigkeit durch Boden und Wände dringt. Mit ihrem hohen Polymeranteil von bis zu 30 Prozent und einer Schichtdicke von nur zwei Millimetern sind sie aber nicht ganz einfach zu verarbeiten. Mit VINNAPAS® 7150 E bringt WACKER jetzt ein polymeres Dispersionspulver auf den Markt, das die Formulierung von standfesteren, leichter zu handhabenden Dichtungsschlämmen ermöglicht.

Bis hierher und nicht weiter. Was Türsteher gegen ungebetene Gäste sind, leisten Dichtungsschlämmen gegen unerwünschte Feuchtigkeit. Überall dort, wo Nässe am und im Haus Schäden verursachen könnte, trumpfen diese Sperrschichten mit ihren Stärken auf: Kellerwände, Terrassen oder Badezimmer erhalten mit Dichtungsschlämmen einen dünnen und dennoch optimalen Schutz gegen eindringendes Wasser, das die Bausubstanz schädigen und Schimmel verursachen kann. „Aber auch Schwimmbäder oder Wassertanks benötigen solche Barrieren auf Zementmörtel-Basis“, sagt Dr. Hardy Herold, Leiter eines anwendungstechnischen Labors für Bauanwendungen bei WACKER POLYMERS. Die abdichtenden Schichten werden direkt auf die zu schützenden Oberflächen aufgetragen. Je nach Anwendungsbereich lassen sich anschließend darauf weitere Materialien aufbringen – in Feuchträumen beispielsweise Fliesenkleber und Fliesen oder Bitumenbahnen im Fall von Flachdächern.

Fels im Meer

Anwendung mit Traufel

Die Werkzeuge, mit denen Handwerker die Dichtungsschlämmen auftragen, sind dabei ganz unterschiedlich: Während südeuropäische Bauarbeiter eher Bürsten verwenden, nutzen sie im deutschsprachigen Raum üblicherweise Kammspachteln, auch Traufeln genannt. Diese besitzen eine entsprechende Zahnung von beispielsweise vier Millimetern. „Wenn die Handwerker die Dichtungsschlämme mit dem Werkzeug gleichmäßig auftragen, entstehen in dieser Höhe schmale Stege“, erklärt der WACKER-Chemiker Hardy Herold. „Im nächsten Schritt glätten sie die Oberfläche der aufgetragenen Masse mit der gegenüberliegenden, glatten Seite der Traufel.“ Dieser Arbeitsschritt führt dazu, dass die Schicht die geforderte Dicke von zwei Millimetern gemäß den „Prüfgrundsätzen zur Erteilung von allgemeinen bauaufsichtlichen Prüfzeugnissen für Bauwerksabdichtungen mit mineralischen Dichtungsschlämmen“ (PG-MDS) erhält.

Das gelingt in der Praxis allerdings nur, wenn die Dichtungsschlämmen optimale Eigenschaften aufweisen. Vor allem die Rheologie, also das Fließverhalten, spielt dabei eine wichtige Rolle. Sie beeinflusst das sogenannte Standvermögen des Zementmörtels – und damit, ob die Stege stehen bleiben oder zerfließen. Weil Dispersionspulver mit bis zu 30 Prozent einen relativ hohen Anteil an den Dichtungsschlämmen ausmachen, spielen sie als Bindemittel eine ausschlaggebende Rolle.

„Mit unserem bestehenden Produktportfolio war ein ausreichendes Standvermögen nur schwer erreichbar“, berichtet Dr. Herold. „Deswegen sind unsere Bindemittel bei Dichtungsschlämmen zum Aufpinseln erfolgreich, bei denen diese Eigenschaft nicht ganz so wichtig ist. Doch für den deutschsprachigen Raum, wo in erster Linie mit Traufeln gearbeitet wird, waren unsere Dispersionspulver nicht geeignet.“

Um diesen Markt zu erschließen, musste das Team um Hardy Herold den WACKER-Produkten mehr Standvermögen verleihen. Sie modifizierten die Rezeptur der Dispersionspulver und entwickelten ein neues Produkt: VINNAPAS® 7150 E. Damit kreierten die Bauchemie-Experten ein Bindemittel für Dichtungsschlämmen, das mit besseren rheologischen Eigenschaften aufwarten kann.

Für die Polymerbasis griff das WACKER-Team auf ein Produkt zurück, das sich bereits bewährt hat: VINNAPAS® 7055 E. Es besteht aus einer Kombination aus Vinylacetat-Ethylen-Polymeren und Vinylestern. „Wir haben zunächst versucht, die Standfestigkeit der Masse mithilfe von zusätzlichen verdickenden Substanzen zu erhöhen. Das gelang allerdings nicht“, sagt Herold. „Erfolg hatten wir letztlich mit neu entwickelten Schutzkolloiden und Siliciumdioxid-Partikeln“, verrät der WACKER-Experte. „Durch diese Modifizierungen entsteht nach dem Sprühtrocknen der Dispersion ein Pulver, das der fertigen Dichtmasse eine stabilere Rheologie und ein erhöhtes Standvermögen verleiht.“

Bauarbeiter trägt Dichtungsschlämme auf

Während südeuropäische Bauarbeiter eher Bürsten zum Auftragen von Dichtungsschlämmen verwenden, nutzt man im deutschsprachigen Raum üblicherweise Kammspachteln, auch Traufeln genannt.

Anmischen von Trockenmörtel mit Wasser

Im anwendungstechnischen Labor von WACKER wird der polymermodifizierte Trockenmörtel mit Wasser redispergiert.

Auftragen von Dichtungsschlämmen auf einen Prüfkörper

Die Dichtungsschlämme wird auf einen Prüfkörper aus Beton nach EN 1062-7 aufgetragen.

Gute Rissüberbrückung

Ein weiterer positiver Effekt: Der Dichtungsschlamm ist nicht mehr so klebrig. Für die Verarbeitung ist das ein großer Vorteil, weil die pastöse Masse dadurch auch weniger an der Traufel haftet, sondern dort bleibt, wo sie hingehört – auf Böden oder Wänden. Für das Einhalten der geforderten zwei Millimeter Schichtdicke ist das besonders hilfreich, denn schließlich müssen die Dichtungsschlämmen eine Reihe von Aufgaben erfüllen. Dazu zählt beispielsweise auch die sogenannte Rissüberbrückung, zu der die Bindemittel einen großen Beitrag leisten. Dr. Herold: „Wenn sich im Laufe der Zeit im Putz oder Mauerwerk kleine Risse bilden, dürfen die Dichtmassen nicht versagen. Auch das garantiert der relativ hohe Anteil an Dispersionspulver. Er macht die Schicht nicht nur wasserdicht, sondern auch flexibel. Das verhindert, dass Risse vom Untergrund bis zur Oberfläche übertragen werden und Nässe eindringen kann.“

Um diese Eigenschaft zu testen, wird eine mit der Dichtmasse beschichtete Betonplatte gebogen, bis sich ein 0,4 Millimeter großer Riss bildet. Dieser bleibt über 24 Stunden bestehen. Wenn sich dann in der Schutzschicht kein Loch bildet, entspricht das Produkt der Leitlinie der europäischen Bauproduktenverordnung ETAG 022. Diesen anspruchsvollen Test haben mit VINNAPAS® 7150 E vergütete Dichtungsschlämmen bestanden. „Unsere Dispersionspulver leisten damit regelrecht einen Spagat“, erklärt Hardy Herold. „Sie halten einerseits alle Partikel in dem geschlossenen Polymerfilm zusammen und andererseits bringen sie die notwendige Flexibilität in die Matrix mit ein.“ Zudem überbrücken Dichtungsschlämmen, die das neue WACKER-Bindemittel enthalten, dank ihrer niedrigen Glasübergangstemperatur Risse bis zu einer Temperatur von minus fünf Grad Celsius gemäß der Norm EN 14891.

„Wenn sich im Laufe der Zeit im Putz oder Mauerwerk kleine Risse bilden, dürfen die Dichtmassen nicht versagen. Auch das garantiert der relativ hohe Anteil an Dispersionspulver. Er macht die Schicht nicht nur wasserdicht, sondern auch flexibel.“

Dr. Hardy Herold, Laborleiter WACKER POLYMERS

Riss in Beton
Rissüberbrückungsprüfung

Für die Rissüberbrückungsprüfung nach EN 1062-7 wird die Dichtungsschlämme auf eine definierte Schichtstärke abgezogen.

Probenpräparation für die Rissüberbrückungsprüfung

Probenpräparation für die Rissüberbrückungsprüfung nach EN 14891.

Ein weiterer Vorteil der neuen Dispersionspulver: Weil VINNAPAS® 7150 E keine Lösungsmittel, Weichmacher oder Filmbildemittel benötigt, emittiert es keine bedenklichen Substanzen wie zum Beispiel flüchtige organische Verbindungen, kurz VOCs für Volatile Organic Compounds. Sie sind deswegen mit dem Umweltsiegel EMICODE® EC1 ausgezeichnet und zählen zu Produkten, die sehr emissionsarm sind und höchsten Umwelt- und Gesundheitsansprüchen genügen.

„Unser Bindemittel wurde sogar vom Bundesinstitut für Risikobewertung für den Trinkwasserbereich zugelassen“, freut sich Hardy Herold. All das sind Talente, die die hauchdünnen Schutzbarrieren zusätzlich zu ihrer eigentlichen Pflicht aufweisen: eindringendes Wasser zurückzuhalten. Anschaulich wird das durch eine Zahl, die der WACKER-Experte nennt: Dichtungsschlämmen müssen einem Wasserdruck von 1,5 bar standhalten. Das entspricht einer 15 Meter hohen Wassersäule. Dieser Herausforderung nehmen sich die zwei Millimeter dicken Schichten an – und halten so Schäden vom Haus fern.

Und dank des verbesserten Standvermögens können jetzt auch Handwerker aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die mit der Traufel arbeiten, von den neuen leistungsstarken Dispersionspulvern profitieren.

Wirkungsweise der Polymerteilchen in der Dichtungsschlämme

Wirkungsweise der Polymerteilchen in der Dichtungsschlämme

Dichtungsschlämme unter dem Mikroskop

Dichtungsschlämme unter dem Mikroskop

Wirkungsweise der Polymerteilchen in der Dichtungsschlämme

Das spezielle Schutzkolloid von VINNAPAS® 7150 E erlaubt eine optimale Wechselwirkung des Polymers mit dem Bindemittel, den Füllstoffen und sonstigen Additiven der Dichtungsschlämme. Dadurch bildet VINNAPAS® 7150 E in der abgebundenen Schlämme ein geschlossenes Netzwerk aus Polymerfilmen, das alle Bestandteile des Mörtels optimal verbindet.

Kontakt

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Herr Dr. Hardy Herold
Senior Technical Service Manager
WACKER POLYMERS
+49 8677 83-7248
hardy.herold@wacker.com