„Manchmal gehört beim Feuerwehrmann auch Glück dazu“

Burghausen, 21.01.2022

Eine Schlange als Beifahrer: Das mag nicht jeder. Nicht jener Autofahrer, dem das Tier vor ein paar Jahren im Burghauser WACKER-Werk in die Karosserie gekrochen ist, und schon gar nicht Walter Niederbauer, denn Schlangen sind generell nicht seine Sache. Seine Kollegen der Werkfeuerwehr sind dem Autofahrer damals sofort zu Hilfe geeilt und haben dem verirrten Reptil zurück in die Freiheit verholfen. Denn Einsätze mit Tieren gehören für die WACKER-Feuerwehrler zur Routine.

WF Niederbauer: Behielt das Werk immer gut im Auge: Werkfeuerwehrleiter Walter Niederbauer geht nach 34 Jahren bei WACKER in Rente.

In seinen 34 Jahren als Mitglied und 14 Jahren als Leiter der Werkfeuerwehr hat Walter Niederbauer einiges gesehen. „Wir mussten mal ausrücken, weil ein Hase einen Radfahrer attackierte“, erzählt der 61-Jährige schmunzelnd. Auch kommen Wespennester oder Bienenvölker an Anlagen und Kolonnen gar nicht so selten vor. Ebenso Rehe, die aus dem Alzkanal gerettet werden müssen.

Besonders spannend waren für Walter Niederbauer immer die TUIS-Einsätze – das bedeutet Transport-Unfall-Informations- und Hilfeleistungssystem des Verbandes der chemischen Industrie (VCI), die ihn weit haben rumkommen lassen, nach Holland etwa und sogar nach Paris. „Einmal wurden wir auch nach Hamburg gerufen. Da gab es ein Problem mit einem Container, in dem neue WACKER-Produkte mit hohem Knowhow-Schutz eingelagert waren. Da haben sie dann extra uns aus Burghausen geholt“, erzählt Niederbauer.

Zwei Einsätze zählt die Werkfeuerwehr im Schnitt pro Tag. Die Zahl habe sich im Lauf der Zeit nicht groß verändert. Sehr wohl aber der Schweregrad der Vorfälle. Wirklich gravierende Vorfälle gebe es heutzutage dank ständig verbesserter Sicherheitssysteme und moderner Vorkehrungen nur noch höchst selten. Das für Niederbauer schlimmste Ereignis seiner beruflichen Laufbahn geschah 1994, als im Werk ein komplettes Gebäude explodierte und ein Mitarbeiter ums Leben kam. Er selbst kam in seiner Rolle als Helfer immer glimpflich davon. Keine Selbstverständlichkeit, trotz aller hochmodernen Ausrüstung und Ausbildung auf Top-Niveau. „Manchmal gehört beim Feuerwehrmann auch Glück dazu“, sagt er.

Die Einsatzpalette reicht von Wasserschäden bis zu Brand- und Gasalarmen. Bei Letzteren überwiegen die Fehlalarmierungen, kein Wunder angesichts der etwa 18.000 Brandmelder im Werk. Da reicht mitunter schon Dampf in der Küche oder hohe Staubkonzentrationen beim Fußbodenfegen. Diese Einsätze seien zwar nicht so spannend. „Sie bedeuten aber, dass die Kollegen vom vorbeugenden Brandschutz ihre Arbeit gut machen und dieser immer besser ausgebaut wird“, erklärt Niederbauer.

Aber nicht nur die Früherkennung und der vorbeugende Brandschutz haben sich im Lauf der Zeit spürbar verbessert, auch die Ausrüstung der Werkfeuerwehr selbst hat einen deutlichen Sprung nach vorn gemacht. Die Ausstattung sei absolut up-to-date, zeigt sich der scheidende Leiter überzeugt. Allein in den 2007 angeschafften Turbolöscher und die später noch dazu gekauften kleineren Varianten wurde eine Millionensumme investiert. Einen Herzenswunsch indes hätte Walter Niederbauer noch: Ersatz für das teilweise in die Jahre gekommene Feuerwehrhaus. „Der Grundkörper besteht schon seit 1954. Da die Fahrzeughalle so niedrig ist, haben hier nur extra für uns gebaute Spezialfahrzeuge Platz“, erklärt er die Beweggründe. „Aus Platzmangel müssen auch viele Ausrüstungsgegenstände wie beispielsweise Abrollbehälter oder unsere Schaummittelvorräte an verschiedenen Orten im Werk untergebracht werden.“

Seit 2008 Leiter des abwehrenden Brandschutzes

Wenn Walter Niederbauer Ende Januar in Rente geht, kann der 61-jährige Freilassinger auf mehr als 33 Jahre bei der Werkfeuerwehr zurückblicken. Schon als Schüler hatte er sich erstmals beworben. Bevor er anfangen konnte, stand eine Dachdeckerlehre an. „Denn eine handwerkliche Ausbildung war und ist Voraussetzung, dass man Berufsfeuerwehrler werden kann.“ So begann Niederbauers WACKER-Zeit am 3. Oktober 1988. Nach einem kurzen Zwischenstopp bei der Flughafenfeuerwehr München wurde er 2008 „Leiter des abwehrenden Brandschutzes“. Auf seiner Visitenkarte steht „Leiter der Werkfeuerwehr“. Dabei war die Leitungsposition eigentlich nie sein gesetztes Ziel gewesen: Schließlich stehe man in dieser Funktion immer eher hinter dem Schreibtisch als am Strahlrohr, sagt er schmunzelnd.

Seit 2018 bilden Walter Niederbauer und sein Team junge Menschen im Beruf Werkfeuerwehrmann beziehungsweise -frau aus: Aktuell sind zwei Frauen mit dabei. Sie unterstützen die rund 70-köpfige Mannschaft. „Das funktioniert sehr gut und bringt frischen Wind in die Truppe“, sagt Niederbauer.

Schluss ist für ihn in wenigen Tagen nur bei der Werkfeuerwehr. „Bei der Freiwilligen Feuerwehr Freilassing darf ich noch bis 65 weitermachen. Daher fällt mir der Abschied nicht ganz so schwer, obwohl ich hier im Werk immer gern gearbeitet habe“, sagt der leidenschaftliche Feuerwehrler, der der Wehr seiner Heimatstadt seit mehr als 45 Jahren angehört. Zugführer und Fachberater für Gefahrgut ist er dort. Lange war er auch Kreisbrandmeister. Anders als bei WACKER hat er bei der Freiwilligen Feuerwehr häufiger tragische Großeinsätze mitmachen müssen. „Ich war einer der ersten am Unglücksort, als in Bad Reichenhall die Eishalle eingestürzt ist“, erinnert er sich. Und auch der Flugzeugabsturz von 1996 in Freilassing ist ihm im Kopf geblieben. Zehn Tote gab es damals zu beklagen.

Eines dürfte sicher sein: Langweilig wird Walter Niederbauer ab Februar nicht. Zum freiwilligen Feuerwehrdienst kommt schließlich noch einiges mehr: Fotografieren und Kochen etwa. Und natürlich das gemeinsame Reisen mit seiner Lebensgefährtin Josefa. Dabei haben die beiden schon einiges erlebt. So waren sie schon in Mexiko, wo sie in eine Banden-Schießerei geraten sind, und reisten nach Venezuela, wo sie wegen einer durch Unwetter zerstörten Brücke nachts einige hundert Kilometer durch den tiefsten Dschungel fahren mussten. Auch nach Thailand und Australien haben sie bereits Abstecher gemacht. Obwohl es dort bekanntermaßen viele Schlangen gibt.

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