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SREP® im Fokus:
Fachwissen für den Langzeitschutz von Fassaden
Siliconharzfarben (SREP®) verbinden Chemie und Bautechnologie auf einzigartige Weise. Doch was bedeutet das konkret für Formulierer, Applikateure und Immobilienbesitzer? In diesem Interview teilen Lenine De Sousa Gomes und Dr. Christophe Cheikh ihr Fachwissen über SREP®, über die chemischen Eigenschaften dieser Technologie und über ihre Rolle als dauerhafter Vergleichsmaßstab für hochwertige Fassadenanstriche.
Lenine De Sousa: SREP® ist eine patentierte Innovation von WACKER. Die Technologie vereint die Vorteile von mineralischen und kunstharzgebundenen Anstrichen. Ideale SREP® Formulierungen enthalten Siliconharze und Siliconöle. Obwohl diese beiden Stoffe häufig fälschlicherweise als identisch angesehen werden, unterscheiden sie sich erheblich in ihrer Struktur und ihren Eigenschaften. Unser Experte kann diesen Unterschied sehr gut erläutern.
Christophe, es freut mich sehr, dass du heute hier bist. Durch deine umfassende Erfahrung in den Bereichen Chemie und Beschichtungen sowie deine derzeitige Position bei WACKER bringst du wertvolle Einblicke in diese Diskussion ein. Vielen Dank, dass du dir die Zeit für dieses Interview nimmst.
Dr. Cheikh: Hallo Lenine, vielen Dank für die Einladung. Ich freue mich sehr darauf, dieses wichtige Thema mit dir zu besprechen und mein Wissen zu teilen.
Lenine De Sousa, Marketing Manager Silicone Construction Chemicals
Lenine De Sousa ist Marketingexperte bei der Wacker Chemie AG. Er ist auf Baubeschichtungen und bauchemische Produkte spezialisiert.
Er hat einen Abschluss in Chemieingenieurwesen von der Universidad de Carabobo in Venezuela und einen Master in Simulations- und Experimentaltechnik von der Hochschule Düsseldorf.
Mit mehr als 18 Jahren Erfahrung in der Entwicklung und Vermarktung von Rohstoffen für wasserbasierte Baufarben verbindet Lenine De Sousa tiefes technisches Know-how mit umfassender Marktkenntnis.
Lenine De Sousa: Heute sprechen wir über SREP® für Fassaden – eine Technologie, die seit 1963 existiert und von WACKER patentiert ist. Kannst du zunächst erläutern, was SREP® so besonders macht? Kannst du zunächst erläutern, was SREP® so besonders macht?
Dr. Cheikh: Gerne. SREP®, also Siliconharzfarben, vereint die besten Eigenschaften mineralischer und kunstharzgebundener Anstriche. Diese Beschichtungen sind gut wasserdampfdurchlässig, gleichzeitig stark feuchtigkeitsabweisend und äußerst langlebig. Diese Kombination wird durch unsere Siliconharzbindemittel und Siliconöle ermöglicht, die wir unter dem Markennamen SILRES® BS anbieten. Die SREP® Technologie zeichnet sich dadurch aus, dass sie Langzeitschutz bietet und zugleich diffusionsoffene Beschichtungen ermöglicht. Das ist für die langfristige Performance von Fassaden entscheidend.
Lenine De Sousa: Das ist faszinierend. Bei dieser Innovation steht die Siliconchemie eindeutig im Mittelpunkt. Gleichzeitig herrscht im Markt häufig Unsicherheit über die Unterschiede zwischen Siliconharzen und Siliconadditiven. Kannst du das näher erläutern?
Dr. Cheikh: Gerne. Die Siliconchemie ist sehr vielfältig. Umso wichtiger ist es, die Unterschiede zwischen Siliconharzen und Siliconölen zu verstehen. Siliconöle, die häufig auch als Additive bezeichnet werden, bestehen hauptsächlich aus difunktionellen Siloxaneinheiten. Diese bilden eine lineare Struktur, die weichmachend wirkt und für Flexibilität sorgt. Siliconöle neigen dazu, an die Oberfläche der Beschichtung zu wandern. Dort erhöhen sie die Hydrophobie und verlängern die offene Zeit der Farbe. Wird allerdings zu viel Siliconöl eingesetzt, kann die Oberfläche klebriger werden und neigt mit der Zeit stärker zur Verschmutzung.
Die Strukturformel von Siliconöl zeigt einen geringen Anteil trifunktioneller und viele difunktionelle Bausteine.
Siliconharze hingegen bestehen überwiegend aus trifunktionellen Siloxaneinheiten. In der Beschichtung bilden sie ein dreidimensionales, eng vernetztes molekulares Netzwerk. Diese Struktur sorgt für Langzeitschutz, geringe Wasseraufnahme und eine harte, schmutzresistente Oberfläche. Das Siliconharzbindemittel wird vollständig in das SREP® System integriert und bildet ein stabiles, langlebiges Netzwerk.
Dr. Christophe Cheikh (CC), Technical Manager Silicone Construction Chemicals
Dr. Christophe Cheikh arbeitet als Senior Technical Manager bei der Wacker Chemie AG und verfügt über langjährige Erfahrung in den Bereichen Beschichtungen und Siliconprodukte.
Er promovierte in physikalischer Chemie und bringt mehr als zehn Jahre Branchenerfahrung mit. Derzeit leitet er ein Labor mit Schwerpunkt auf der Entwicklung und Optimierung von Siliconadditiven und -harzen zur Verbesserung der Hydrophobie von Beschichtungen. Mit seiner Arbeit unterstützt er Kunden aus der Bauindustrie bei der Umsetzung leistungsstarker, langlebiger Beschichtungslösungen.
Lenine De Sousa: Das ist ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal. Wenn ich das richtig verstehe, sind Siliconöle vor allem an der Oberfläche aktiv, während Siliconharze ein robustes internes Netzwerk bilden. Wie wirkt sich dieser Unterschied konkret auf die Leistungsfähigkeit der Fassadenbeschichtung aus?
Dr. Cheikh: Genau. Siliconöle sorgen durch ihre geringe Oberflächenspannung für einen ausgeprägten Abperleffekt. Gleichzeitig können sie jedoch – insbesondere bei Überdosierung – die Klebrigkeit der Oberfläche erhöhen und damit Schmutz stärker anziehen. Siliconharze verteilen sich dagegen in der gesamten Matrix der Beschichtung und bilden ein langlebiges, UV-beständiges Netzwerk. Das gewährleistet langfristigen Schutz vor Wassereintritt und UV-Strahlung und unterstützt eine dauerhaft saubere Oberfläche.
Lenine De Sousa: Das ist ein wichtiger Punkt. Wie bereits erwähnt, enthalten SREP® Systeme sowohl Siliconharze als auch Siliconöle. Warum ist diese Kombination so effektiv?
Dr. Cheikh: Der Schlüssel liegt darin, die Siliconharzfarbe oberhalb der kritischen Pigmentvolumenkonzentration (KPVK) zu formulieren. So entsteht ein poröses, diffusionsoffenes Beschichtungssystem, durch das Wasserdampf ungehindert entweichen kann. Ohne zusätzliche Behandlung würde jedoch die Wasseraufnahme durch Kapillarwirkung deutlich zunehmen. Um das zu verhindern, müssen die Poren hydrophobiert werden – und hier kommt die Kombination aus Siliconöl und Siliconharz ins Spiel. Sie nutzt die jeweiligen Stärken beider Komponenten optimal aus. Das richtige Gleichgewicht der Bestandteile ist entscheidend für die einzigartigen Eigenschaften von SREP®. Zunächst sorgt das Siliconöl für eine ausgeprägt hydrophobe Oberfläche. Mit zunehmender Bewitterung und Veränderung der Oberflächenzusammensetzung übernimmt dann das Siliconharz die hydrophobe Funktion und bietet langfristigen Schutz für die gesamte Beschichtung. Wie schon erwähnt, kann eine Überdosierung von Siliconöl die Klebrigkeit erhöhen und somit zu stärkerer Schmutzaufnahme führen – ein weiterer Grund, die Formulierung sorgfältig auszubalancieren.
„Siliconharze verteilen sich in der gesamten Matrix der Beschichtung und bilden ein langlebiges, UV-beständiges Netzwerk. Das sorgt für langfristigen Schutz vor Wassereintritt und UV-Strahlung und gewährleistet eine saubere Oberfläche.“
Lenine De Sousa: Die korrekte Formulierung von Siloxanfarben ist in der französischen Norm FD T30-808 festgelegt. Kannst du dieses Regelwerk näher erläutern?
Dr. Cheikh: Ja, die Norm FD T30-808 spielt eine wichtige Rolle. Da es bislang keine internationalen oder europäischen Standards für Siliconharzfarben gibt, definiert diese Norm Siloxanfarben als Beschichtungen mit Siliconharz und organischem Bindemittel in einem Mindestverhältnis von 1:1. Wird „echtes“ Siliconharz eingesetzt, das vollständig aus trifunktionellen Siloxaneinheiten besteht, bleiben nach der Kalzinierung einer solchen 1:1-Mischung etwa 80 % Restmasse übrig. Wird hingegen eine Mischung aus organischem Bindemittel und Siliconharz kalziniert, beträgt die Restmasse nur rund 40 %.
Um Beschichtungen für die SREP® Technologie oberhalb der kritischen Pigmentvolumenkonzentration zu formulieren, muss ein Teil des organischen Bindemittels durch Siliconharz ersetzt werden.
Zu beachten ist, dass die Norm keine Unterscheidung zwischen verschiedenen Siloxanen trifft. Dadurch kann es vorkommen, dass fälschlicherweise Siliconöle eingesetzt werden, die nicht dieselbe Netzwerkbildung und Langzeitstabilität wie Siliconharze bieten.
Lenine De Sousa: Wenn ich das richtig verstehe, unterscheidet die Norm nicht zwischen Siliconharzen und Siliconölen. Warum legt ihr dennoch so großen Wert auf die Siliconharze?
Dr. Cheikh: Der Einsatz von Siliconölen anstelle von Siliconharzen würde dazu führen, dass Fassaden schneller verschmutzen und langfristig nicht optimal geschützt sind. Dank der Norm FD T30-808 können wir sicherstellen, dass SREP® Formulierungen höchsten Qualitäts- und Leistungsstandards entsprechen.
Lenine De Sousa: Das ist ein wichtiger Punkt. Wie sieht es mit Testverfahren aus? Wie kann man die Unterschiede zwischen Siliconadditiven und Siliconharzen im Labor sichtbar machen?
Dr. Cheikh: Es gibt verschiedene Möglichkeiten, diese beiden Substanztypen voneinander zu unterscheiden. Im Analyselabor können wir anhand des Infrarotspektrums die Struktur überprüfen und eindeutig feststellen, ob es sich um ein Siliconharz oder ein Siliconöl handelt. Im Anwendungslabor simulieren wir die Alterung von Fassadenbeschichtungen mittels QUV-B-Bestrahlung, die eine beschleunigte Bewitterung nachbildet. Anschließend untersuchen wir die Oberfläche der Beschichtung mit dem Rasterelektronenmikroskop und messen die Kontaktwinkel zu Wasser. So können wir nachvollziehen, wie sich die Oberflächenzusammensetzung im Laufe der Zeit verändert. Nicht-funktionelle Siliconöle können beispielsweise infolge des natürlichen Abbaus eines organischen Bindemittels ausgewaschen werden. In der Folge liegen Füllstoffe und Pigmente offen und sind der Umgebung stärker ausgesetzt. Siliconharze hingegen behalten ihre Struktur und Hydrophobie innerhalb der Beschichtungsmatrix bei und bieten dadurch eine deutlich bessere Langzeitstabilität.
„Dank der Norm FD T30-808 können wir sicherstellen, dass unsere SREP® Formulierungen höchsten Qualitäts- und Leistungsstandards entsprechen.“
Lenine De Sousa: Das ist ein sehr systematischer Ansatz. Wie lässt sich aus diesen Laborergebnissen auf die tatsächliche Performance im Außeneinsatz schließen?
Dr. Cheikh: Wir verfügen über umfangreiche Freibewitterungsdaten, die unsere Laborergebnisse bestätigen. So haben wir beispielsweise Fassadenfarben in unserer Freibewitterungsanlage in Burghausen getestet. Nach einer zweijährigen Bewitterung in einem Winkel von 60° in südwestlicher Ausrichtung zeigten sich deutliche Unterschiede: Anstriche, die ausschließlich Siliconöle enthielten, waren stark verschmutzt. SREP® Formulierungen, die sowohl mit Siliconöl als auch mit Siliconharz optimiert wurden, blieben dagegen deutlich sauberer. Diese Beobachtungen entsprechen unseren Erwartungen und belegen die überlegene Leistungsfähigkeit von SREP® unter realen Einsatzbedingungen.
Lenine De Sousa: Das ist in der Tat sehr überzeugend. Bevor wir zum Schluss kommen: Gibt es noch weitere zentrale Erkenntnisse, die du unseren Leserinnen und Lesern mit auf den Weg geben möchtest?
Dr. Cheikh: Gerne. Die wichtigste Botschaft ist, dass nicht alle Silicone gleich sind. Siliconöle und Siliconharze erfüllen unterschiedliche Aufgaben und beeinflussen die Leistungsfähigkeit einer Beschichtung auf jeweils eigene Weise. Die SREP® Technologie vereint das Beste aus beiden Welten: Siliconöle bieten zunächst klare Vorteile für die Eigenschaften der Oberfläche, während Siliconharze die Langlebigkeit und Stabilität der gesamten Fassade sicherstellen.
Durch die Einhaltung von Normen wie FD T30-808 und den Einsatz sorgfältig abgestimmter Siliconchemikalien stellen wir sicher, dass Fassaden langfristig geschützt bleiben und ihr Erscheinungsbild über viele Jahre hinweg erhalten. Eine Beschichtung ohne Siliconharze kann zwar ausreichenden Feuchteschutz bieten, ist jedoch aus ästhetischer Sicht mittelfristig keine optimale Lösung.
Ich möchte noch einmal betonen, dass Siliconöl und Siliconharz unterschiedliche Strukturen aufweisen, die der Beschichtung differenzierte Eigenschaften verleihen. Anhand des Infrarotspektrums lässt sich sehr einfach erkennen, ob es sich um ein Harz oder ein Additiv handelt. Ein entsprechendes IR-Spektrogramm sollte jeder Lieferant ohne Weiteres zur Verfügung stellen können.
„Die SREP® Technologie vereint dank der einzigartigen Kombination aus Siliconölen und Siliconharzen das Beste aus beiden Welten. Siliconöle bieten zunächst klare Vorteile für die Beschaffenheit der Oberfläche, während Siliconharze die Langlebigkeit der Fassade erhöhen.“
Lenine De Sousa: Christophe, herzlichen Dank für das interessante Gespräch und deine aufschlussreichen Einblicke in die wissenschaftlichen Grundlagen der SREP® Technologie.
Dr. Cheikh: Vielen Dank, Lenine. Ich hoffe, dass ich die Vorteile von SREP® und die Rolle der Siliconchemie für Beschichtungen anschaulich erläutern konnte.
Wie können wir Sie bei Ihrem Projekt unterstützen?
Haben Sie Fragen zu unseren Siliconharzfarben oder suchen Sie das passende Produkt für Ihre Anwendung? Unser Experte Lenine De Sousa, Marketing Manager Silicone Construction, berät Sie gerne persönlich.
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