Hommage an einen Weltstaatsmann - Wacker Chemie AG


Hommage an einen Weltstaatsmann

„Ohne dieses State-of-The-Art-Geräte wäre ich technisch niemals in der Lage gewesen, dieses Projekt zu realisieren“, berichtet Rucker. „Das einmalige Design dieses Laserschweißers erlaubte mir ein hochpräzises Arbeiten von einem bequemen Sitzsack aus.“ Als die Arbeit an der Platin-Gesichtsstruktur beendet war, ging es zurück zur eigentlichen Büste. Aus der im Rapid-Prototyping-Verfahren hergestellten Urform ließ Tom Rucker mit Silicon-kautschuk von WACKER eine Negativform abnehmen. Dazu besuchte ihn im Sommer 2010 Cornelia Pohl, Teamleiterin im Fachverkauf Moldmaking bei DRAWIN, WACKERs eigener Fachhandelsgesellschaft für den Vertrieb von Siliconelastomeren. Im Kofferraum hatte die DRAWIN-Mitarbeiterin etwa 45 Liter ELASTOSIL® M 4601 A/B. Bei diesem Zweikomponenten-Siliconkautschuk handelt es sich um eine klassische, vielfach bewährte Abformmasse für Formen, die keinen Schwund aufweisen dürfen. Bei ordnungsgemäßer Handhabung können die Formen viele Jahre aufbewahrt und jederzeit wiederverwendet werden, betont Cornelia Pohl.

Tom Rucker holt die Büste aus der aufgeschnittenen Negativform aus Silicon.

Gute Selbstentlüftung

Aktiviert wird die Vernetzung in ELASTOSIL® M 4601 A/B durch Abmischung der A- und B-Komponente, in welchen jeweils die Platinkatalysatoren beziehungweise der Vernetzer enthalten sind. Das Material lässt sich bei Raumtemperatur noch etwa 90 Minuten lang verarbeiten. In einem dünnen Strahl goss Cornelia Pohl das flüssige Silicon in die von Tom Rucker vorbereitete Holzwanne, bis der Mandela-Kopf vollständig bedeckt war. „ELASTOSIL® M 4601 A/B ist für solche Abformungen von Hand hervorragend geeignet, weil es über sehr gute Selbstentlüftungseigenschaften verfügt“, betont die DRAWIN-Mitarbeiterin. Denn Luftblasen seien bei Abformungen grundsätzlich unerwünscht.

Nachdem das Material über Nacht ausgehärtet war, schnitten Tom Rucker und Cornelia Pohl mit einem Skalpellmesser die Abformmasse in zwei Teile und nahmen die Urform – den im Rapid-Prototyping gefertigten Mandela-Kopf aus einem Gemisch von Stärke und Wachs – wieder heraus. Die Negativform ging anschließend an die Porzellanmanufaktur in Meißen, wo die sächsischen Kunsthandwerker wiederum eine Positivform abnahmen und brannten eben jenen Mandela-Kopf aus Porzellan, der anschließend mit der vorderen Gesichtspartie aus Platin versehen wurde.

Am Mittwoch, dem 18. Juli 2012, zu Mandelas 94. Geburtstag, zahlten sich die Mühen der mehr als einjährigen Arbeit schließlich aus: Die Premierministerin der südafrikanischen Provinz Westkap Helen Zille enthüllte die Büste an der V&A Waterfront in Kapstadt, am Nobel Peace Place, und präsentierte damit das Kunstobjekt erstmalig der Öffentlichkeit. Zu der feierlichen Vorstellung hatten die Bayerische Staatskanzlei und die Regierung Westkap in Kapstadt geladen. „Ich freue mich, dass durch das Kunstprojekt ,Nelson Mandela: Pure Mind – Rare Vision – Eternal Spirit‘ einmal mehr die freundschaftlichen Beziehungen zwi-schen Bayern und Südafrika unterstrichen werden“, schrieb Ministerpräsident Horst Seehofer in einem Grußwort. Seit Anfang August wird die Skulptur nun im Rupert Museum in Stellenbosch nahe Kapstadt ausgestellt, der wichtigsten Sammlung zeitgenössischer Kunst in Südafrika. „Ich könnte mir keinen besseren Ausstellungsort vorstellen und bin sehr stolz darauf, meine Arbeit neben Werken von Käthe Kollwitz oder dem Vater der modernen Plastik, Auguste Rodin, zu sehen“, sagt Tom Rucker.