Beliebig Formbar - Wacker Chemie AG


Beliebig Formbar

Kinder lieben Modelliermasse. Doch herkömmliche Produkte trocknen nach einmaliger Verwendung aus. Die Firma Delta of Sweden hat nun eine wiederverwendbare, luftig-leichte Knetmasse aus winzigen Glaskügelchen hergestellt, die mit einer dünnen Siliconschicht überzogen sind.

Schon Friedrich Schiller wusste: „Nur da ist der Mensch ganz Mensch, wo er spielt.“ So schrieb der deutsche Dichter in seinen Briefen „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“. Spielen bedeutet nicht nur Spaß, sondern auch Lernen, Tasten, Fühlen, Ausprobieren und Begreifen – so prägt sich unser Gehirn Erfahrungen und neues Wissen ein. Kinder trainieren beim Spielen unbewusst Körper und Geist, und auch Erwachsene lernen noch am besten durch „Begreifen“, also Benutzen der Hände.

Knetmasse der Marke Bubber: Diese weiche Masse besteht zu 95 Prozent aus harten Glaskügelchen, die innen hohl sind. Das verleiht ihnen eine sehr geringe Dichte. Die Kneteigenschaften erhält die Masse durch eine hauchdünne Siliconhülle.

Vor allem formbare Massen wie die Kombination aus Sand und Wasser regen die Fantasie an: Ob mächtige Sandburgen oder skurrile Kleckerberge – am Meeresstrand werden wir alle wieder zu Spielkindern. Einziger Nachteil: Wenn das Wasser aus dem Sand verdunstet oder die nächste Welle anrollt, zerfällt die schönste Skulptur.

Diesen natürlichen Nachteil wollten die schwedischen Erfinder Jonas Modell und Staffan Thuresson beheben. „Unsere Ursprungsidee war es, formbaren Sand für das Kinderzimmer zu entwickeln“, erklärt Modell, heute einer der Geschäftsführer des Unternehmens Delta of Sweden. Bereits mit ihrem ersten Produkt konnten sie die Spielzeughersteller überzeugen der quietschbunte Moon Sand ist ein Verkaufsschlager.Der künstliche Sand fühlt sich an wie echter, nasser Sand, aber er trocknet dank einer Beschichtung aus Polyolefinen nicht aus. So können immer wieder neue Burgen und Kraterlandschaften entstehen.

„Silicone bieten ein sehr interessantes Spektrum an Merkmalen: Sie sind flexibel, wetterbeständig, permeabel und temperaturbeständig.“

Jonas Modell Spielzeugentwickler

Glaskugeln mit geringer Dichte

Auf den Moon Sand folgten weitere Produkten zum Kneten und Formen wie Bubber, eine seidenweiche, fluffig-leichte Knetmasse, die beliebig geformt, geschnitten und graviert werden kann. Der Hauptinhaltsstoff von Bubber lässt diese Eigenschaften kaum vermuten: Die Masse besteht zu etwa 95 Prozent aus harten Glaskügelchen, die allerdings innen hohl sind. Das verleiht ihnen eine sehr geringe Dichte. Die Kneteigenschaften erhält die Masse durch eine Siliconhülle. „Jedes einzelne Glasteilchen ist mit hochwertigen WACKER-Siliconen beschichtet“, erklärt der Chemiker Dr. Christian Peschko, der in der Anwendungstechnik bei WACKER SILICONES tätig ist. Diese Schicht bestimmt maßgeblich die späteren Eigenschaften des Produkts. Für die Herstellung von Moon Sand oder Bubber hat das Erfinder-Duo eine Produktionsanlage gebaut, die unterschiedlichste Partikel mit verschiedensten Schichten umhüllen kann.

Kürzere Ketten Die Eigenschaften des späteren Endprodukts hängen dabei maßgeblich von der Einstellung und Mischung des Silicons ab. „Unsere Polydimethylsiloxane der chemische Name für Silicone haben unterschiedliche Kettenlängen und unterscheiden sich dadurch in ihrer Viskosität. Je kürzer die Ketten, desto dünnflüssiger sind sie“, erklärt Dr. Peschko. Über sogenannte Additions- und Kondensationsreaktionen gehen die Silicone Verbindungen mit der Glasoberfläche ein. Zudem vernetzen sie sich untereinander und bilden eine klebrige Schicht um die einzelnen Partikel. Das Ergebnis: eine form- und knetbare Masse, die – unter dem Mikroskop betrachtet – wie Zuckerwatte aussieht und Fäden zieht.

Da Bubber – anders als herkömmliche Knetmasse – nicht austrocknet, können immer wieder neue Formen gestaltet werden.

„Silicone bieten ein sehr interessantes Spektrum an Merkmalen: Sie sind flexibel, wetter-beständig, permeabel und temperaturbeständig“, erklärt der schwedische Spielzeugentwickler Jonas Modell. Die hochdifferenzierten Eigenschaften von Siliconen – allein das Standardsortiment von WACKER umfasst mehr als 3.000 verschiedene Siliconprodukte – ermöglichen ein nahezu unbegrenztes Einsatzpotenzial und bieten damit intelligente Lösungen für unterschiedlichste Herausforderungen.

Um aus der Vielfalt an Siliconen das richtige Rezept für die gewünschten Eigenschaften zu kreieren, mussten auch die schwedischen Erfinder lange experimentieren unterstützt wurden sie dabei von den WACKER Experten. „Dank unserer langjährigen Erfahrung beim Entwickeln und Compoundieren von Siliconen konnten wir Delta of Sweden helfen, die richtige Mischung für die Entwicklung von Bubber einzustellen“, erklärt Dr. Peschko. Um das angestrebte Eigenschaftsspektrum zu erreichen, ist eine Menge chemisches Feintuning notwendig. „In dieser Zeit haben wir uns ein solides Know-how in Sachen Oberflächenchemie angeeignet, das wir auch für ganz neue Entwicklungen nutzen wollen“, sagt der schwedische Erfinder Modell.

„Dank unserer langjährigen Erfahrung beim Entwickeln und Compoundieren von Siliconen konnten wir Delta of Sweden helfen, die richtige Mischung für die Entwicklung von Bubber einzustellen.“

Dr. Christian Peschko Technisches Marketing
Jonas Modell, Erfinder und Gründer der Firma Delta of Sweden.

Aufwärmtraining für kreative Geister Und weil das Kneten und Formen mit den Händen das Hirn ankurbelt, steht immer eine kleine Kiste mit Moon Sand oder Bubber auf dem Tisch der schwedischen Erfinder sozusagen als Aufwärmtraining für einen kreativen Geist. Das innovative Potential von Delta of Sweden weiß man bei WACKER sehr zu schätzen und will die gute Zusammenarbeit weiter fortsetzen. Auch weil sich dadurch möglicher-weise Türen öffnen, die das Anwendungsspektrum der eigenen Silicone erweitern. „Form-bare Massen, die zugleich Leichtgewichte sind wie Bubber wären sicher auch als Zuschlagstoffe für Dämm- oder Konstruktionsmaterialien geeignet“, meint Dr. Peschko. Und ein neuer Werkstoff mit ungewöhnlichen Eigenschaften regt dann auch die grauen Zellen in den Köpfen von Architekten und Ingenieuren an, so dass sich Innovationen fortsetzen können.