Einmal Shanghai und zurück - Wacker Chemie AG


Einmal Shanghai und zurück

Bevor die Gebinde im Container verschickt werden, sichern Mitarbeiter die Ladung mit Gurten.

22 Meter über dem Boden

Rund 22 Meter über den neu eingetroffenen Containern wartet schon Gerhard Kaiser in seiner Vollsichtkanzel, der Schaltzentrale des festinstallierten Portalkrans. Durch minimale Bewegungen des Joysticks manövriert Gerhard Kaiser den Kran in Richtung Güterzug. Jeden einzelnen Container nimmt er mit seinem Hubwerk auf und setzt ihn zentimetergenau auf der individuell für ihn bestimmten Position ab. Der Großteil der Container wird bis auf weiteres auf der Lagerfläche neben dem Gleis platziert. Einige wenige hievt Gerhard Kaiser auf bereits wartende LKWs. Ganz zum Schluss macht er sich an den grauen Container OOLU 115453-8 der Reederei OOCL aus Hongkong: Dieser enthält im Moment noch 25 Tonnen silbrig-glänzende Brocken aus rohem Siliciummetall, sogenannte Chunks. In wenigen Tagen jedoch wird der gleiche Container sauber auf Paletten gestapeltes, hochreines Polysilicium aus Burghausen nach Asien transportieren, wo die Photovoltaikindustrie es in Solarzellen weiterverarbeitet.

In rund einem Viertel aller im Auftrag von WACKER am KombiTerminal Burghausen umgeschlagenen Container befinden sich solche Silicium-Chunks, die damit einen der wichtigsten Rohstoffe für WACKER bilden. Jährlich benötigt der Chemiekonzern rund 150.000 Tonnen Rohsilicium als Grundlage für seine Silicium- und Siliconprodukte. Ein Drittel dieses Rohstoffes kommt aus dem konzerneigenen Siliciumwerk im norwegischen Holla. Der Rest wird per Seecontainer aus Asien importiert.

Vom KombiTerminal Burghausen aus werden per Schiene die Seehäfen Hamburg und Bremerhaven bedient. Der Standort Nünchritz schickt seine Container über das Terminal in Riesa an der Elbe zu den deutschen Seehäfen.

Nur wenige hundert Meter vom Terminal, Mitten im WACKER-Werk, entlädt ein Kipplader mit lautem Getöse die wertvolle Fracht des grauen Containers. Binnen weniger Sekunden ist das Siliciumlager im Werk wieder gefüllt. In den Rillen und Querstreben des Containers bleiben einzelne Chunks zurück, die Innenwände sind mit einer dünnen Silicium-Staubschicht bedeckt. Zurück am Terminal steht deshalb eine Grundreinigung an. Dort sammelt der Mitarbeiter die großen Silicium-Stücke, die sich beim Entladen verhakt haben. Der durch Reibung entstandene Staub wird im Industriestaubsauger gesammelt. Beides wird in einem separaten Container zur Rückführung an WACKER zusammengetragen – zu kostbar ist der Rohstoff. Mit nur wenigen Handgriffen ist der Container wieder sauber und bereit für neue Ladung. Kurz nach seiner Ankunft mit Zug 50337 wird er im Logistiksystem wieder als „vakant“ geführt.

Herausforderung Seetransport

Zahlen

  • 762.000 Tonnen
    Fertigprodukte stellte WACKER 2014 am Standort Burghausen her.
  • 14.000 Container
    und 40.700 LKW-Transporte verlassen jährlich das Werk Burghausen.
  • 5.800 Container
    aus dem Werk Nünchritz wurden 2014 per Bahn und Binnenschiff zu den deutschen Seehäfen transportiert.
  • 30.000 Straßentransporte
    pro Jahr werden durch die Containerzüge ersetzt, die zwischen Burghausen/Nünchritz und Bremerhaven/Hamburg verkehren.
  • 2.100 Tonnen
    Kohlendioxid pro Jahr spart WACKER, weil Container in Deutschland fast ausschließlich per Zug transportiert werden.
  • 600 Meter
    misst der WACKER-Containerzug, der seit 1999 täglich Bremerhaven und Hamburg anfährt.

Dahinter steckt ein aufwendiger Planungsprozess, der Synergien von Einkauf und Versand bei WACKER nutzt. Der Abgleich der beauftragten Reedereien ist eine Grundvoraussetzung, die integrierte Logistikprozesse erst möglich macht. „Einkauf und Versand haben sich vor Jahren abgestimmt, welche Reeder wir mit dem Transport unserer Rohstoffe und Produkte beauftragen“, erklärt Logistikleiter Thomas Bronnert. Bereits seit 1999 arbeitet WACKER daran, den Containertransport zu optimieren. Größte Herausforderung, so Bronnert, sei der stetig steigende Seetransport. Dieser wächst jährlich um bis zu zehn Prozent. Ausschlaggebend sei vor allem der florierende asiatische Markt – mit einem Umsatzanteil von über 42 Prozent ist Asien der wichtigste Absatzmarkt des Konzerns.

Heute wickelt WACKER mit insgesamt sechs Reedereien seine weltweiten Transporte ab. Voll beladene Container mit rohem Silicium oder anderen Rohstoffen können nach ihrer Ankunft in Burghausen wieder mit WACKER-Produkten weiterverschifft werden. Nur so kann ein geschlossener Logistikkreislauf funktionieren.