Heilen mit kaltem Plasma - Wacker Chemie AG


Heilen mit kaltem Plasma

Geniale Wundauflage - Erst wenn es leuchtet, ist das Patch wirksam. Das kalte Plasma tötet Keime ab, greift aber menschliche Zellen nicht an; ganz im Gegenteil, es aktiviert die Selbstheilungskräfte des Körpers.

Obwohl kaltes Plasma Keime abtöten kann, werden menschliche Zellen von ihm nicht negativ beeinflusst – im Gegenteil: „Sie reagieren zum Beispiel mit der Ausschüttung von Cytokinen“, sagt Tobias Güra, Medizinökonom im Coldplasmatech-Team. „Diese Botenstoffe kurbeln das Immunsystem und das Zellwachstum an und sorgen dafür, dass sich neue Blutgefäße ausbilden.“ Ingesamt aktiviert das Plasma die Selbstheilungskräfte des Körpers.

Stimulation fürs Immunsystem

Seine antibakteriellen und immunstimulierenden Eigenschaften machen das blau leuchtende Gas zu einem wertvollen Instrument für die Medizin der Zukunft – vor allem für die moderne Wundversorgung. „Und der demografische Wandel sorgt dafür, dass sich der Bedarf in diesem Bereich künftig enorm erhöhen wird“, sagt Dajana Westenberg, Business Development Managerin für Wundversorgung bei WACKER. „Die Menschen werden immer älter und längere Zeit bettlägerig – dadurch steigt auch die Gefahr, dass sie sich wund liegen und sich einen Dekubitus, ein Druckgeschwür der Haut, zuziehen.“

Heilung für Dekubitus-Patienten

Laut einer Studie des Instituts für Gesundheitsund Pflegewissenschaft an der Berliner Charité weisen 10 Prozent aller bewegungsunfähigen Patienten in deutschen Pflegeheimen einen Dekubitus auf, in Kliniken sogar 27 Prozent. Zudem wächst die Anzahl an Diabetes-Patienten, die aufgrund ihrer Stoffwechselerkrankung zu Durchblutungsstörungen neigen und damit ebenfalls zu schlecht heilenden Wunden. Allein in Deutschland leiden nach Einschätzung der Helios-Kliniken schätzungsweise fünf Millionen Menschen an chronischen Wunden: Die verletzte Haut ist zudem eine Eintrittspforte für krankmachende Keime, die die Gesundheit der Patienten zusätzlich gefährden können – und damit auch die Gesundheitssysteme belasten.

Biokompatible Materialien

„Für uns war vor allem wichtig, dass die verwendeten Materialien biokompatibel sind und somit den hohen regulatorischen Anforderungen entsprechen“, erklärt Medizinökonom Güra. Und da stieß das Team schnell auf Silicone von WACKER, die höchste medizinische Standards erfüllen. „WACKER hat uns nicht nur mit hochwertigen Materialien versorgt, wir wurden auch sehr kompetent von den Anwendungstechnikern beraten“, berichtet Güra. „Wir haben hier einen Partner gefunden, mit dem wir diesen neuen, zukunftsweisenden Therapieansatz vorantreiben können.“

WACKER beliefert mit seiner Produktreihe SILPURAN® bereits zahlreiche Hersteller von Wundauflagen – Tendenz steigend. „Für unsere Siliconsparte gehört die Wundversorgung zu den Schwerpunktthemen, von denen wir uns ein überdurchschnittliches Wachstum in den nächsten Jahren erwarten“, erklärt Dr. Peter Jerschow, Leiter des Business Teams Industrial Solutions bei WACKER. „Hier wollen wir mit innovativen Produktlösungen einen Beitrag zu einer besseren Versorgung leisten.“

Die Therapie der durch Dekubitus geschädigten Haut und des darunterliegenden Gewebes ist nicht nur aufwendig, sondern oftmals auch langwierig – und vor allem schmerzhaft. Das notwendige regelmäßige Wechseln der Wundauflagen ist für die Betroffenen jedes Mal eine Tortur, die den Wundheilungsprozess verzögert. „Die Patienten haben einen hohen Leidensdruck“, berichtet Carsten Mahrenholz von dem Greifswalder Start-up Coldplasmatech, der mit seinem Team die konventionellen Behandlungsmethoden verfolgt hat. „Um eine alltags- und praxistaugliche Therapie mithilfe von kaltem Plasma zu entwickeln, haben wir uns frühzeitig mit Ärzten, Patienten, Pflegepersonal und Kliniken in Verbindung gesetzt“, so der Chemiker. Schnell war klar: Wundauflagen sind das Mittel der Wahl und eine optimale Ergänzung zu bisher verwendeten Medizinprodukten. Damit stellte sich das interdisziplinäre INP-Team der Herausforderung, eine Auflage zu konstruieren, mit der sich das heilende Plasma direkt an der Wundoberfläche erzeugen lässt.

„Die Therapie wird nur wenige Minuten dauern und absolut schmerzfrei sein.“

Tobias Güra Mitgründer Coldplasmatech

Silicone bieten im Medizinbereich eine Reihe von Vorteilen: Sie ermöglichen einen atraumatischen – also sehr schonenden – Verbandswechsel. Die Auflage verklebt nicht mit der Wunde, sodass keine Schmerzen entstehen und das Gewebe nicht irritiert wird. Dank der Wasserdampfdurchlässigkeit und Atmungsaktivität des Materials schaffen SILPURAN®- Silicone zudem ein optimales Heilungsmilieu. Die Wunden schließen sich rascher, die Menschen können schneller die Klinik wieder verlassen – und das bedeutet mehr Lebensqualität für den Patienten.