Heilen mit kaltem Plasma - Wacker Chemie AG


Heilen mit kaltem Plasma

Für Patienten mit chronisch schlecht heilenden Wunden gibt es jetzt einen Hoffnungsträger: Kaltes Plasma vernichtet Bakterien und regt die Selbstheilungskräfte des Körpers an. Greifswalder Forscher haben jetzt auf Basis von WACKER-Siliconen eine neue Wundauflage entwickelt, die das energiereiche Gas direkt auf verletzten Hautarealen erzeugt.

Über der verletzten Haut schimmert ein blau leuchtendes Gas – mit einer ungewöhnlichen Wirkung. Selbst chronische Wunden schließen sich unter seiner Einwirkung in nur wenigen Wochen. „Kaltes Plasma kann heilen“, sagt Dr. Carsten Mahrenholz, Chemiker am Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie (INP) in Greifswald und einer der Gründer des Start-up-Unternehmens Coldplasmatech. Dieses kalte Plasma bildet sich beispielsweise, wenn ein Gas durch starke elektrische Felder geschickt wird – dann lösen sich die Elektronen aus den Molekülen, das Gas wird elektrisch leitfähig und beginnt blau zu leuchten.

„Plasma enthält unter anderem Ionen, UV-Strahlung und Radikale – einen Mix aus verschiedenen aktiven Substanzen“, erklärt Mahrenholz. Bei ihren Untersuchungen stellten die Greifswalder Forscher fest, dass kaltes Plasma Bakterien effizient abtöten kann. Sogar die gefürchteten antibiotikaresistenten Krankenhauskeime lassen sich damit wirkungsvoll bekämpfen. Der Wirkmechanismus beruht auf rein physikalischen Prozessen, die unter anderem die Zellmembran der Mikroben angreifen. Dabei finden mehrere ungerichtete chemische Reaktionen statt. Sie sind der Grund dafür, dass die krankmachenden Keime erst gar keine Resistenzen entwickeln können – wie das bei gezielt wirkenden Antibiotika irgendwann der Fall ist.

WACKER CLEAN OPERATIONS

Medizinische Silicone von WACKER stehen im direkten Kontakt mit dem menschlichen Körper. Deswegen müssen sie höchsten Anforderungen genügen. Mit WACKER CLEAN OPERATIONS garantiert der Konzern nicht nur eine konstante Qualität und kontrollierte Reinheit, sondern auch Zuverlässigkeit, absolute Sorgfalt und sichere Produktionsbedingungen. Die Herstellungsprozesse und die Herkunft der SILPURAN®-Silicongele und -kautschuke lassen sich jederzeit zurückverfolgen – von der Rohstoffquelle bis zum Endprodukt. Produktion, Abfüllung und Logistik sind räumlich getrennt und von außen nur über spezielle Schleusen zugänglich. Für die Abfüllung und Verpackung gelten besonders strenge Richtlinien: Neben speziellen Bekleidungs- und Hygienevorschriften sorgen aufwendige Luft- und Partikelfilter für die Einhaltung der international gültigen ISO-Norm für Reinräume der Klasse 8. So ist sichergestellt, dass die Produkte den Betrieb in absolut reinem Zustand verlassen.

Alltägliches Naturphänomen

Im Prinzip ist Plasma ein alltägliches Naturphänomen und bezeichnet einen vierten Aggregatzustand, der auf die Zustände fest, flüssig und gasförmig folgt. Bei weiterer Aufheizung trennen sich freie Ladungsträger wie Ionen und Elektronen ganz oder teilweise im gasförmigen Teilchengemisch ab, das zwar leitfähig, aber nach außen hin elektrisch neutral bleibt. Die Sonne, Blitze und Nordlichter haben beispielsweise die Eigenschaften eines Plasmas.

Seit rund zwei Jahrzehnten forschen Wissenschaftler am Greifswalder INP an einem Plasmazustand, der – im Gegensatz zur Sonne oder zu Blitzen – nicht glühend heiß, sondern kühl ist. Eine Projektgruppe unter Leitung des Institutsdirektors Prof. Dr. Klaus-Dieter Weltmann arbeitet zudem seit 2005 an der Entwicklung von kalten Plasmaquellen zur Wundbehandlung. Dazu untersuchten die Wissenschaftler eine Reihe von punktförmigen und flächigen Prototypen intensiv bezüglich ihrer Wirkungen auf lebende Zellen. 2013 erhielt ein punktförmig arbeitendes Gerät – der sogenannte Plasma-Pen von der Größe eines Füllfederhalters – die Zulassung als Medizinprodukt. Ergänzend dazu begannen Untersuchungen zu flächigen Plasmen, um größere Wundareale effektiver behandeln zu können.