Surfen auch im Sonnenlicht - Wacker Chemie AG


Surfen auch im Sonnenlicht

Weich und hochflexibel

Die Bildschirme von Navigationsgeräten sollten schon aus Gründen der Verkehrssicherheit einwandfrei ablesbar sein – das optische Bonden sorgt dafür.

Anders als gewöhnliche Siliconkautschuke vulkanisieren Silicongele nicht zu einem Siliconelastomer, sondern vernetzen zu einem weichen und hochflexiblen Material, das von seiner Konsistenz her eher an Götterspeise als an Gummi erinnert. In einem vernetzten Silicongel sind die einzelnen Siliconmoleküle untereinander zu einem lockeren, weitmaschigen Netzwerk verbunden. Einige Siliconketten sind sogar nur an einem Ende an das Netzwerk angebunden. Dieses Netzwerk macht das Vulkanisat sehr nachgiebig und viskoelastisch: Das Silicongel lässt sich verformen und kehrt erst allmählich wieder in die ursprüngliche Gestalt zurück. Für den WACKER -Anwendungstechniker Phillipp Müller ist das wichtig im Hinblick auf die Anwendung in Displays: „Das Silicongel kann mechanische Belastungen zuverlässig abfangen und sich dicht und formschlüssig an feste Oberflächen anschmiegen.“

Produktion eines optisch gebondeten Spezialdisplays im Mörsdorfer Entwicklungslabor der VIA optronic GmbH.

Silicongele besitzen noch einen weiteren Vorteil: Als additionsvernetzende Massen verändern sie sich beim Aushärten praktisch nicht mehr. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für das optische Bonden, wie VIA optronics-Chef Eichner betont: „Würde die Bondschicht beim Aushärten schrumpfen, käme es an den Rändern der verklebten Baugruppen zu Zugspannungen. Diese würden sich auf die LCD-Zelle auswirken. Sichtbare Farbveränderungen auf dem Bildschirm wären die Folge.“

Gemeinsam mit Siliconexperten von WACKER erarbeitete der mittelfränkische Displayveredler eine grobe Formulierung für das Silicon-Bondingmaterial. Damit begann eine fruchtbare Zusammenarbeit. „Technologisch und kommerziell waren wir von der Idee, ein Silicongel zum optischen Bonden einzusetzen, schnell überzeugt. So haben wir entschieden, ein Exklusivprodukt für VIA optronics herzustellen“, sagt Müller.

„Das Silicongel kann mechanische Belastungen zuverlässig abfangen und sich dicht und formschlüssig an feste Oberflächen anschmiegen.“

Dr. Philipp Mülller Anwendungstechnik Industrial Solutions, WACKER SILICONES

Über VIA optronics

VIA optronics GmbH ( www.via-optronics.com ) ist ein weltweit tätiges Unternehmen im Bereich der Displayveredlung und hat sich auf die Herstellung reflexionsarmer Flüssigkristallanzeigen spezialisiert. Das Unternehmen besitzt über 16 Jahre Erfahrung sowie zahlreiche Patente auf dem Gebiet des optischen Bondens. Von VIA optronics entwickelte oder veredelte Displays werden insbesondere in Geräten verbaut, die für den Außeneinsatz oder den Einsatz in heller Umgebung konzipiert sind, etwa in medizinischen Diagnosegeräten, tragbaren Messapparaturen, Industrieautomaten oder Navigationsgeräten für Kraftfahrzeuge. Das Unternehmen beschäftigt weltweit 400 Mitarbeiter und besitzt Produktionsstätten in Mörsdorf (Thüringen/Deutschland) und Suzhou (Jiangsu/ China). Firmensitz ist Schwarzenbruck bei Nürnberg.

Mit der zunehmenden Verbreitung von Tablets und Smartphones sind optisch gebondete Touchscreens für Privatkunden stark im Kommen. Trendsetter war Apple mit seinen iPhones und iPads, die über einen Touch-Bildschirm bedient werden. Mit Windows 8 treibt auch Microsoft diesen Trend voran, dessen Betriebssystem ebenfalls auf berührungsempfindliche Bildschirme setzt. „Dadurch ist für die Hersteller von Endgeräten ein großer Druck entstanden, Touchscreens zu verwenden“, so die Einschätzung von Prof. Blankenbach.

Dieser Trend beschert dem optischen Bonden eine große Zukunft. So haben WACKER und VIA optronics jüngst vereinbart, bei Aktivitäten rund um das optische Bonden noch stärker als bisher zu kooperieren. Dies betrifft sowohl den fachlichen Wissensaustausch bei der Entwicklung neuer Siliconprodukte und Verarbeitungstechnologien als auch die Bündelung von Vertriebs- und Vermarktungsaktivitäten – damit spiegelnde, schwer lesbare Displays künftig der Vergangenheit angehören.