Silicone gegen Blackouts - Wacker Chemie AG


Silicone gegen Blackouts

1.200-Kilovolt-Isolatoren von Deccan bei Anwendungstests.

200 Gigawatt Generatorleistung

Dass die Bereitstellung elektrischer Energie bei weitem nicht reicht, macht ein Zahlenvergleich deutlich: In Indien sind derzeit etwa 200 Gigawatt an elektrischer Generatorleistung installiert. Damit stehen jedem Inder durchschnittlich 170 Watt zur Verfügung. Zum Vergleich: Jeder Deutsche kann auf die siebenfache Menge zurückgreifen. Hinzu kommt, dass 300 Millionen Inder überhaupt keinen Zugang zu elektrischer Energie besitzen. Im ländlichen Raum ist Strom purer Luxus oder wird manchmal auch illegal abgezapft. Das bringt die Netze zusätzlich aus der Balance – und macht sie umso anfälliger für Blackouts.

Die indische Regierung verfolgt ambitionierte Pläne für den Ausbau ihres Energienetzes, um die steigende Nachfrage bedienen zu können. „In den kommenden fünf bis sieben Jahren werden 100.000 Megawatt an zusätzlicher Leistung benötigt“, erklärt Vikas Jalan, Joint Managing Director bei Deccan Enterprises. Das Unternehmen mit einer mehr als 40-jährigen Geschichte im Bereich der Gummiverarbeitung entwickelt und produziert seit einigen Jahren Siliconelastomer-Verbundisolatoren für die Energieübertragung und gehört zu den Marktführern in Indien.

Weil der Strom vor allem in den Küstenregionen sowie im Nordosten und Osten des Landes produziert, die Energie aber landesweit benötigt wird, braucht der Subkontinent nicht nur neue Kraftwerke. „Auch die Energieverteilung muss entsprechend ausgebaut werden“, sagt Deccan- Geschäftsführer Jalan. Vor allem neue Höchstspannungsleitungen mit einer Spannung von 765 kV bis 1.200 kV sind gefragt. Nur damit lassen sich die benötigten Strommengen verlustarm auch über weite Strecken transportieren.

Ein Schlüsselelement für die Energieübertragung und -verteilung sind Isolatoren: Sie sind überall dort zu finden, wo elektrische Leiterseile befestigt, gehalten oder geführt werden müssen. Vor allem Silicon-Verbundisolatoren sind in Indien derzeit gefragt. Sie bestehen, vereinfacht gesagt, aus einem elektrisch isolierenden Glasfaser- Verbundstab, der von einem wetterfesten Gehäuse aus Siliconelastomeren umschlossen wird. „Die elektrischen Verbund-Bauteile mit Siliconelastomeren sind im Vergleich zu klassischen Porzellanisolatoren deutlich einfacher, schneller und langfristig kostengünstiger herzustellen“, erklärt Lambrecht. Denn das isolierende Gehäuse muss nicht wie die Keramikbauteile aufwändig gebrannt werden, sondern wird per Spritzgussverfahren aufgebracht. Dadurch lassen sich die Formteile nicht nur hochpräzise, sondern auch schnell und in der benötigten großen Stückzahl produzieren.

„In den kommenden fünf bis sieben Jahren werden 100.000 Megawatt an zusätzlicher Leistung benötigt.“

Vikas Jalan Joint Managing Director bei Deccan Enterprises

Das Produkt

POWERSIL®

steht für spezielle Silicone von WACKER für Anwendungen in der Mittel- und Hochspannungstechnik. POWERSIL®-Kautschuke bieten aufgrund ihrer lang anhaltenden Hydrophobie, ihrer Kriechstrom- und Lichtbogenfestigkeit sowie wegen ihrer guten UV-Beständigkeit besondere Vorteile beim Einsatz unter harten klimatischen Bedingungen, wie zum Beispiel in Küstennähe und im Wüstenklima.

Mit 2.000 Bar in die Form

„Die Spritzgießmaschinen pressen die Siliconmasse mit einem Druck von bis zu 2.000 Bar in die stählernen Formen“, erklärt Harald Schmid, Verkaufsleiter bei der Firma Klöckner DESMA Elastomertechnik GmbH. „Vor allem die Entwicklung und der Bau dieser Formen verlangt umfangreiches Produktions-Know-how. Der deutsche Spritzgießmaschinen-Hersteller Klöckner DESMA ist nun auch Marktführer in Indien. Seit vier Jahren werden auch in den indischen Werken die tonnenschweren Gussformen entwickelt und gebaut. Diese bestehen aus bis zu 400 Präzisionsbauteilen, müssen sehr exakt gearbeitet sein und auch die hohen Spritzdrücke aushalten können. Durch diese dreidimensionale Schablone erhalten die Isolatoren ihre typischen, lamellenartig angeordneten Schirme: „Sie schützen das Bauteil vor elektrischen Entladungen, die durch anhaftenden Schmutz verursacht werden können“, erklärt WACKER-Experte Lambrecht, ein ausgebildeter Hochspannungstechniker. Zudem reduziert die hydrophobe, also Wasser abweisende Silicon- Oberfläche, die Gefahr eines Überschlags, „weil sich kein elektrisch leitfähiger Wasserfilm bilden kann, wie das bei Porzellan leicht der Fall ist. Regentropfen perlen einfach ab“, berichtet Lambrecht weiter. Und anhaftende Verschmutzungen werden elektrisch nicht wirksam.