Mit Handarbeit zur Prothese - Wacker Chemie AG


Mit Handarbeit zur Prothese

Solche Abdrücke aus Gips sind die Grundlage für den Bau einer individuellen Prothese.

Prothesen sollen natürlich aussehen

Mulden, erhabene Sehnen und Fältchen arbeitet Janine Grützmann mit feinen Spateln und Messern heraus. Damit die Hand nicht künstlich, sondern möglichst lebendig erscheint, wird das Silicon nicht einheitlich eingefärbt – stattdessen wird mit Viskoseflocken, kleingeschnittenen Zwirnsfäden und anderen Tricks eine gewisse Dreidimensionalität erzeugt. „Puppen aus einheitlich gefärbtem Kunststoff sind nicht transparent und wirken deshalb nicht lebendig“, sagt Andreas Leiniger, Chef der Siliconabteilung von Ottobock. „Wir nutzen die Transparenz des Materials aus, um die Lichtdurchlässigkeit der Haut nachzuahmen, in der verschiedene Farben des Gewebes, der Äderchen oder Knochen nebeneinander liegen und sich gegenseitig beeinflussen.“

Anhand von Fotos und dem Abguss der verbliebenen Extremitäten versuchen die Mitarbeiter – eigentlich eher Kunsthandwerker – von Ottobock, dem Original möglichst nah zu kommen. Das kann mitunter so lange dauern, dass die Siliconmasse bereits zu vulkanisieren beginnt und für die Bearbeitung zu hart zu werden droht. Dann sitzen die Künstler aus der Abteilung von Andreas Leiniger mit Schal und Pullover im Kühlraum, wo es sich bei 17 Grad noch etwas länger an Hand oder Fuß feilen lässt. Sind alle Feinheiten – von den Originalhärchen am Unterschenkel über Alters- und Leberflecken bis zu lackierbaren Fingernägeln aus Acryl – kopiert, wird die Prothese bei 130 bis 180 Grad Celsius ausgehärtet.

Über die natürliche Erscheinung, die sich mit dem Material Silicon erreichen lässt, ist der gelernte Orthopädie-Techniker Leiniger, der seit 1997 bei Ottobock arbeitet und die Silicon- Abteilung von zwei auf heute 14 Mitarbeiter ausgebaut hat, selbst nach 16 Jahren immer wieder beeindruckt. „Einmal erschreckte sich eine Patientin, als sie ihre Unterschenkel-Prothese zum ersten Mal sah“, erzählt Leiniger schmunzelnd. „Die Prothese sah so lebensecht aus, dass sie sie zunächst gar nicht anziehen wollte.“ Nach ein wenig Gewöhnungszeit sei sie dann aber doch noch glücklich geworden mit ihrer Prothese.

Das Produkt

SILPURAN®
Diese Produkte sind physiologisch unbedenklich, besonders hitze- und strahlungsbeständig, dampf- und gasdurchlässig, zuverlässig und biokompatibel. Es gibt sie als HTV Fest- und Flüssigsiliconkautschuke sowie auch RTV1- und RTV2-Siliconkautschuke. SILPURAN®-Siliconkautschuke erfüllen die hohen Sicherheitsstandards der Health-Care-Industrie. Alle Produkte werden gemäß ISO 10993 und USP Class VI geprüft.

Siliconelastomere von WACKER werden bei Ottobock außerdem für sogenannte Liner eingesetzt, eine Art Strumpf, der die Verbindung zwischen dem steifen Carbon-Schaft einer Prothese und dem Stumpf des Patienten herstellt. Diese Serienprodukte aus verschiedenen Lagen elastischen Silicons stellen sicher, dass die Prothesen für Unterarme oder -beine fest am Stumpf sitzen, ohne Druckstellen zu verursachen oder gar zu scheuern. „Früher federten zwei Lagen Leder und etwas Filz den Druck zwischen Stumpf und Holz- oder Aluminiumbein ab“, berichtet Leiniger. „Kunststoffe wie Silicon bieten da heute einen ganz anderen Tragekomfort.“ Silicon haftet gut, ist hautfreundlich, pflegeleicht und kann über ein Fixierungssystem mit dem Schaft verbunden werden. Außerdem hält es das Vakuum besser, mit dem die Prothese bei vielen Schaft- Modellen am Stumpf haftet, was sowohl eine bessere Durchblutung als auch verbesserten Halt ermöglicht.