Die Nase vorn - Wacker Chemie AG


Die Nase vorn

Labormitarbeiterin Kerstin Zeiler beim Noppenauszugstest im Teppichlabor von WACKER: Mit diesem Test wird geprüft, wie gut der Vorstrich die Fasern im Träger einbindet.

Polymere Bindemittel haben eine lange Tradition im Produktportfolio von WACKER. Schon 1928 wurde in Burghausen Vinylacetat aus Essigsäure hergestellt. 1966 gelang es den Forschern dann, Vinylacetat und Ethylen zu einem Copolymer zu vereinigen. Sie schufen ein Bindemittel, das heute aus den unterschiedlichsten Anwendungen nicht mehr wegzudenken ist: VAE-Dispersionen finden sich in Klebstoffen, geruchsarmen Innenraumfarben oder Vliesstoffen, den sogenannten Nonwovens. VAE ist die Kerntechnologie von WACKER POLYMERS.

Einen Schritt voraus

Als Robert Tangelder, Business Development Manager im europäischen Dispersionsteam von WACKER POLYMERS, mit Willem van der Meer, dem Einkaufsleiter der Edel Group, über VAE-Dispersionen zur Teppichrückenbindung sprach, erkannte der Edel-Manager sofort die Chance, etwas Neues zu versuchen. Umgehend setzte er sich mit seinem Kollegen, Dr. Mike de Lange, einem Doktor der Polymerchemie, zusammen, der die technische Kompetenz einbrachte, um die Möglichkeiten einer Innovation auf Basis der VAE-Technologie auszuloten. Dr. Mike de Lange war deshalb auch gleich interessiert, als Robert Tangelder ihm die neuen VAE-Bindemittel speziell für die europäische Teppichindustrie vorstellte. „Robert und ich haben damals beide gerade die Biografie von Steve Jobs gelesen“, erzählt de Lange und grinst. „Manchmal muss man Dinge einfach wagen und nicht lange rumüberlegen. Warum sollten wir das nicht versuchen?“

Die Argumente lagen für de Lange auf der Hand: Mit den Bindemitteln aus VAE hatte er erstmals eine Alternative zum bisher konkurrenzlosen Styrol-Butadien, die sich mit den vorhandenen Maschinen auch verarbeiten lässt. „Kunden aus Skandinavien, einem sehr umweltbewussten Markt, haben mich schon früher gefragt, ob wir die Beschichtung nicht ohne SB hinkriegen können“, erzählt de Lange. Jetzt sah er endlich die Chance auf einen vollwertigen Ersatz.

Der Delaminierungstest prüft die Haftung zwischen Zweitrücken und Teppich.

Das ist für Edel auch deshalb von Bedeutung weil das Unternehmen nicht nur Teppichrücken – im Branchenjargon „Backings“ genannt – für Bodenbeläge aus seiner eigenen Fertigung herstellt. Als Auftragshersteller beschichten die Niederländer auch die Teppiche anderer Produzenten mit ihren Backings. Auf den Maschinen von Edel wird sowohl der Vor- als auch der Zweitstrich ausgeführt. Die dort beschichteten Teppichböden kommen im Wohn- wie im Objektbereich zum Einsatz und sind aus einer breiten Palette von Fasern gefertigt, darunter Polyamid, Polyester, Polypropylen und Wolle.