Die Nase vorn - Wacker Chemie AG


Die Nase vorn

Brennkammer-Test: Aufnahmen aus einem Brennkammer-Test gemäß der Norm DIN 4102-1 im Teppichlabor von WACKER in Burghausen. Getestet wurden sowohl VAE-Dispersion als auch Latex aus Styrol-Butadien, die jeweils mit 150 Prozent Calciumcarbonat als Füllmittel versetzt waren. Die Bilder oben zeigen, dass die VAE-basierten Filme selbsterlöschend sind (1A, 1B), während Filme auf Basis von SB-Latex unter Entwicklung von schwarzem Rauch verbrennen (2A, 2B). Bindemittel auf VAE-Basis ermöglichen deshalb Formulierungen, die weniger flammhemmende Additive benötigen.

Geringe Entflammbarkeit

Zusammen mit den Technikern von Edel arbeitete Dr. Künstles Team an der optimalen Formulierung, denn jeder Hersteller hat seine eigene Rezeptur, die an die vorhandenen Maschinen angepasst ist. Die fertig beschichteten Test-Teppiche gingen bei Künstle auch in die praktische Prüfung. Maschinen simulieren Schuhe, die tausendfach über den Teppich gehen oder rollende Bürostühle.

Besonders beeindruckt war Dr. Künstle von den Versuchen in der Brennkammer seines Labors, bei denen er Filme von Teppichcompounds mit VAE und Styrol-Butadien in Brand setzte. Seine Beobachtung: Compounds auf Basis von VAE sind schwerer entflammbar als solche, die mit SB-Latex formuliert wurden. Bei bestimmten flammhemmenden VAE-Typen gehe das Feuer sogar von selbst wieder aus, während SB-Latex vollständig unter schwarzem Rauch verbrenne. Sind die Teppichrücken mit Bindemitteln auf VAE-Basis verklebt, müssen somit deutlich weniger Flammschutzmittel wie Aluminiumhydroxid hinzugefügt werden. Teppichböden, deren Rücken mit VAE beschichtet werden, eignen sich wegen ihrer geringeren Entflammbarkeit deshalb ganz besonders für brandschutzsensible Anwendungen im Objektbereich, zum Beispiel in Hotels und Büros, im Flugzeug- und Schiffsbau.

„Bei unseren Versuchen konnten wir feststellen, dass bei einer Beschichtung mit VAE die gesamten Emissionen von flüchtigen organischen Komponenten deutlich niedriger sind als bei der Verwendung von SB-Latex“

Dr. Mike de Lange Produktionsleiter, Edel Backing
Eine erfolgreiche Kooperation: Dr. Mike de Lange (Produktionsleiter Edel Backing), Feike van der Heide (Business Director für das Dispersionsgeschäft von WACKER POLYMERS in EMEA), Robert Tangelder (Business Development Manager für das Dispersionsgeschäft von WACKER POLYMERS in EMEA) und Willem van der Meer (Einkäufer Edel Group)

Niedrige VOC-Emissionswerte

Auch in der Emissionsprüfung zeigen sich die Vorteile von VAE-Dispersionen. Wegen ihrer großen Oberfläche können Bodenbeläge flüchtige organische Verbindungen (volatile organic compounds, VOC) in die Umgebung abgeben. Bodenbeläge, die das GUT-Signet der Gemeinschaft umweltfreundlicher Teppichboden, einer Initiative europäischer Teppichhersteller, führen dürfen, haben vorher umfangreiche Schadstoffprüfungen über sich ergehen lassen. Getestet wird unter anderem auf Weichmacher, Biozide, Pestizide, Aromaten, Kohlenwasserstoffe, Aldehyde und Ketone. Darüber hinaus findet eine sensorische Geruchsprüfung statt. „Bei unseren Versuchen konnten wir feststellen, dass bei einer Beschichtung mit VAE die gesamten Emissionen von flüchtigen organischen Komponenten deutlich niedriger sind als bei der Verwendung von SB-Latex“, sagt Dr. Mike de Lange.

Rückenbeschichtungen wurden in Europa seit vielen Jahren nach ähnlichen Rezepturen hergestellt. Schließlich geht es im Teppichgeschäft um Produkte, die über lange Jahre eine Menge aushalten müssen. Da liegt es nahe, auf bewährte Verfahren zurückzugreifen. Auch für die Edel Group ist Tradition ein wichtiger Baustein in der Firmenphilosophie. Schließlich stellt das Familienunternehmen mit 120 Mitarbeitern seit fast 100 Jahren am Stammsitz im niederländischen Genemuiden Teppiche her. Weil sie sich mit Stillstand nicht zufriedengeben, versucht die Edel Group, ständig neue Wege zu gehen. Ein Beispiel ist die Entwicklung von Teppichen auf der Basis von wiederverwertbaren Rohstoffen.