Eine olympiareife Leistung - Wacker Chemie AG


Eine olympiareife Leistung

Licht und transparent

Die kleinteiligen Reihenhäuser, die von Studenten bewohnt werden, und die Terrassenhäuser mit ihren großen Südbalkonen machen den hohen Wohnwert der Anlage aus.

Mit ihrer lichten, transparenten und im Fall des Olympiastadiums geradezu beschwingten Architektur sollten die Münchner Olympiabauten für „heitere Spiele“ stehen – so der damalige Chef des Nationalen Olympischen Komitees, Willi Daume. Die bislang einzigen Sommerspiele, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland stattfanden, wollten der Welt ein neues, freundliches und weltoffenes Gesicht präsentieren. Die Ausrichtung der Olympischen Spiele wurde damals als kollektive nationale Kraftanstrengung betrieben und von fast allen Münchnern einhellig mitgetragen.

Zu den vielen Tausend Fachleuten, die innerhalb von nicht einmal fünf Jahren das komplett neue Olympiagelände im Münchner Norden buchstäblich aus dem Boden stampften, gehörte auch Karl-Heinz Kranz. Er bekam die Aufgabe, eine tragende Betonsäule zu sanieren, in der Löcher und Risse entdeckt worden waren. Die Olympiabauleitung durfte davon nichts mitbekommen, denn sie hatte die Devise ausgegeben, dass auf der Baustelle nichts ausgebessert werden dürfe. Tatsächlich hatte sie bei einer fehlerhaften Betonwand auch schon angeordnet, diese einzureißen und neu zu errichten. „Bei der Säule standen drei Monate Verzögerung und einige Hunderttausend D-Mark auf dem Spiel“, erinnert sich Kranz.

„Wie gut das ist – fast besser als der Beton.“

Spachtelmasse im Gepäck

Das Farbkonzept für die Olympiabauten wurde von dem bekannten Münchner Designer Otl Aicher erarbeitet, der als Gestaltungsbeauftragter von Olympia 1972 wirkte.

Der Ardex-Fachmann wurde eingef logen – und griff vor Ort zum zementbasierten Betonspachtel Arducret B12. Dieses Ardex- Produkt, das Kranz mitentwickelt hatte, stand erst seit wenigen Monaten zur Verfügung. Es enthielt Dispersionspulver aus Vinylacetat-Ethylen-(VAE-)Copolymer, das ebenfalls erst seit Kurzem von WACKER produziert wurde.

„Das VAE-Copolymer wirkt im Mörtel neben dem starren Zement als zweites flexibles Bindemittel“, erklärt Dr. Peter Fritze, der bei WACKER ein anwendungstechnisches Labor im Bereich Baupolymere leitet. Dadurch erhöhe es zugleich Kohäsion und Flexibilität dieses speziellen Mörtels. Zudem verringere die Polymer-Modifizierung den Wasseranspruch des Betonspachtels, was einen geringeren Schwund zur Folge habe. „Dank dieser verbesserten Eigenschaften ist der Betonspachtel in der Lage, Fehlstellen im Beton dauerhaft zu sanieren“, betont der WACKER-Chemiker.

Die lichte und transparente Architektur der Olympiabauten, wie hier zum Beispiel in der Schwimmhalle, sollte für eine gute Atmosphäre bei den Olympischen Spielen sorgen.

Anfang der 70er-Jahre waren polymermodifizierte Spachtelmassen für Beton noch Neuland. Karl-Heinz Kranz machte sich dennoch ans Werk. „Luftverhältnisse und Sonne spielten mit. Trotzdem bin ich erst am Abend unten an der Stütze angekommen und war gerade am letzten Strich mit der Kelle, als es hieß: ,Weg von der Säule – die Bauleitung kommt‘“ erinnert er sich.