Bühne frei für Silicon - Wacker Chemie AG


Bühne frei für Silicon

Für den Curtain Call wählte der britische Verarbeiter Silex einen lichtdurchlässigen Siliconkautschuk.

So können die Zuschauer den Vorhang bedenkenlos berühren und sogar daran ziehen, ohne ihn zu beschädigen. „Durch seine hohe Transluzenz, also seine Lichtdurchlässigkeit, kann das Publikum darauf projizierte Bilder von allen Seiten sehen – ideal für das Leinwandprojekt“, erklärt WACKER-Chemiker Andreas Bacher. Bei der Herstellung des Vorhangs wird der Siliconkautschuk vulkanisiert – also in ein Elastomer verwandelt. Dies kann mit organischen Peroxiden oder platinkatalysierten Additiven geschehen. Silex griff auf Platin-vernetzendes System zurück. Zudem waren für Arads Vorhaben einige Anpassungen des üblichen Herstellungsverfahrens nötig. „Dank unserer langjährigen Erfahrung wussten wir schnell, wie die Probleme zu lösen waren“, erklärt Nick Soudah.

Beidseitige Betrachtung

Zunächst musste die Lichtdurchlässigkeit sicher gestellt werden, um ein beidseitiges Betrachten der Vorführungen ermöglichen. Mit additionsvernetzenden Systemen erreichte Silex die gewünschte Klarheit der Siliconröhren und schützte sie zudem vor dem Vergilben. Eine weitere Herausforderung war die Länge der Röhren. Zu Beginn der Herstellung wurde der Grundstoff erhitzt und anschließend durch den Extruder in die passende Form gepresst. „Ein mehrmaliges Erhitzen, wie sonst häufig üblich, hätte die Röhren unflexibel gemacht“, weiß Nick Soudah. Nachdem sie auf die entsprechende Länge zugeschnitten waren, wurden sie gerade liegend gelagert. So entstanden aus einem knetartigen Grundstoff die 5600 Röhren mit einem Durchmesser von einem Zentimeter und einer Länge von acht bis zehn Metern. Hintereinander aufgereiht ergeben sie eine Strecke von 37 Kilometern. Die Qualität des Materials hätte auch eine Stranglänge von 20 Metern zugelassen, „aber danach hat noch niemand gefragt“, sagt Nick Soudah.

Lange, flexible Röhren

Die hinterleuchtete Curtain-Call-Installation macht es möglich, verschiedene Bildelemente oder auch Filme aufzuspielen.

Die beeindruckende Vorführung machte auch andere Kunden auf Silex aufmerksam. 2012 wurde der Vorhang unter dem Titel „720°“ im Israel-Museum in Jerusalem als Bühne für mehrere Film- und Musikevents aufgebaut. Der Autokonzern Ford nutzte das Konzept für seinen Auftritt auf der Internationalen Automobil Ausstellung 2013 in Frankfurt. Seine neuen Automodelle durchfuhren bei ihrer Premiere vor Publikum den Vorhang. Das Olympische Museum in Lausanne (Schweiz) erwarb einen ähnlichen Vorhang für seine Dauerausstellung. Auch das britische Modelabel Top Shop hat das Prinzip der langen flexiblen Röhren für sich entdeckt. Unterschiedlich gefärbt wurden sie über Verkaufsflächen gespannt und symbolisierten so die Saiten einer Harfe. Das Roundhouse wiederholte seinen Erfolg mit „Curtain Call“ zum 50-jährigen Jubiläum des Theaters im Jahr 2016.

Für Silex-Chef Soudah ist der Vorhang ein Beispiel dafür, wie vertraute Materialien durch Innovation und Kreativität etwas völlig Neues erschaffen können. Bei der Premiere 2011 in London war er selbst als geladener Gast anwesend – und wird den Abend nie vergessen: „Ich war stolz und beeindruckt, unser Produkt in Aktion zu erleben. Mir stellten sich die Nackenhaare auf.“