Zwischen Steinzeit und Hightech - Wacker Chemie AG


Zwischen Steinzeit und Hightech

Leichtes Trennen möglich

Auf Basis eines 3D-Scans werden Styroporblöcke zugeschnitten (unten), aus denen dann – über den Umweg der Negativform aus Silicon – wieder eine Positivform aus Steinimitat (oben) angefertigt wird.

Dann kommt ein moderner Werkstoff ins Spiel, der das leichte Trennen der Positiv- und Negativform gewährleistet: der zweikomponentige Siliconkautschuk ELASTOSIL® M von WACKER. „Damit kann jedes Detail der Masterform aus Styropor, inklusive der mineralischen Formmasse und Farbe auf die Paneele aus Steinimitat übertragen werden“, erklärt Hans-Rudolf Pfeffer, der bei WACKER für die anwendungstechnische Betreuung von Silicon-Abformmassen zuständig ist. „Das Abformen mit ELASTOSIL® M ist so genau, dass damit sogar eine Schallplatte kopiert werden kann“, bemerkt der Chemiker. Er habe es selbst auch nicht geglaubt, bis er es ausprobiert habe.

„Mit unserem Siliconkautschuk lässt sich sogar eine Schallplatte detailgenau abformen.“

Hans-Rudolf Pfeffer Leiter Technisches Marketing, Industrial Solutions

ELASTOSIL® M eignet sich nicht nur wegen seiner Detailtreue hervorragend für das Abformen der Höhlenwände: Das Silicon ist ohne großen Aufwand zu verarbeiten, es vulkanisiert je nach Einstellung und verwendetem Härter rasch und das bereits bei Raumtemperatur, sodass kein kostenintensives, technisches Equipment für die Verarbeitung nötig ist. Zudem schrumpft der Werkstoff nach dem Vulkanisieren nicht oder nur marginal – die Form bleibt erhalten. „Der entstandene Kunststoff ist robust und haltbar, sodass die Formen für bis zu mehrere hundert Nachbildungen verwendet werden können, berichtet Hans- Rudolf Pfeffer. Die erhabenen Referenzpunkte der Wandgemälde gehen auf den vulkanisierten Siliconkautschuk über.

Rund drei Monate brauchten die Fachleute für die Anfertigung jedes einzelnen Paneels.

Damit die Siliconschicht als Negativform für den künstlichen Stein dienen kann, wird diese Negativform mit einer Lage aus Harz – der sogenannten Stützform – stabilisiert. Beide Teile verbinden sich nicht dauerhaft, sodass in der weiteren Handhabung die hohe Flexibilität des Silikonkautschuks genutzt werden kann.

Die so entstandene Schale stützen die Mitarbeiter von AFSP mit einem Metallgerüst ab und entfernen die Masterform aus Styropor. Auf die Siliconschicht (das Negativ) bringen die Experten schließlich ein Material auf, das nach dem Aushärten die Anmutung einer Steinwand hat. Dieses Steinimitat ist extrem langlebig, widerstandsfähig und beruht auf einer von AFSP entwickelten und patentierten Mixtur.

Stützform aus Harz

Eingebettet in den Hügeln der südwestfranzösischen Landschaft liegt das moderne Besucherzentrum mit dem Nachbau der Höhle von Lascaux.

Nachdem die Techniker auf die Steinschicht ebenfalls Harz aufgebracht haben und die getrockneten Paneele mit einem Metallgerüst stabilisiert sind, entfernen sie die Stützform aus Harz. ELASTOSIL® M verbleibt zunächst auf dem Kunststein. Die Referenzpunkte der Höhlenmalereien von der Master-Form sind nun auf den künstlichen Stein übergegangen. Die Siliconschicht kann jetzt von der Kopie abgezogen werden. Im letzten Schritt tragen Künstler manuell Patina auf das Steinimitat und ergänzen die Referenzpunkte zu den ursprünglichen Höhlengemälden. 70 internationale Spezialisten waren an dem Projekt beteiligt und haben an einem Paneel durchschnittlich drei Monate gearbeitet. So hat das Team von AFSP es möglich gemacht, dass das Weltkulturerbe Lascaux 1 weiterhin geschont und das 17.000 Jahre alte Meisterwerk dennoch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann. Lascaux 4 bietet einen Rahmen, in dem Besucher das Kulturdenkmal im historischen Kontext in einem der modernsten Ausstellungsgebäude der Welt erleben können. Dank filigranem Kunsthandwerk, neuester 3D-Computertechnologie, und der mannigfaltigen Möglichkeiten des Werkstoffs Silicon.