Zwischen Steinzeit und Hightech - Wacker Chemie AG


Zwischen Steinzeit und Hightech

Die Höhle von Lascaux mit ihren 17.000 Jahre alten Malereien gehört zum Weltkulturerbe, litt aber unter Massen von Besuchern: Um das Original auch für künftige Generationen unversehrt zu erhalten, hat die französische Firma AFSP detailgetreue Replikate der Höhlenwände angefertigt. Zum Einsatz kam dabei der Siliconkautschuk ELASTOSIL® M von WACKER.

Blick in die reproduzierte Höhle von Lascaux: Moderne Duplikationsmethoden führen zu neuen Darstellungsformen für museale Kulturgüter.

Rund 17.000 Jahre sind diese Kunstwerke alt. Sie überdauerten das Ende der letzten Eiszeit, die Bronzezeit, die Antike, das Mittelalter, und erst in der Neuzeit – im Jahr 1940 – wurden die Steinzeitmalereien von Lascaux wiederentdeckt. Die Höhlen liegen im Südwesten Frankreichs, rund 150 Kilometer nördlich von Toulouse, bei der Gemeinde Montignac. Im Fels verborgen, finden sich einige hundert Quadratmeter mit rund 2.000 Wandzeichnungen, die vor allem Tiere zeigen. So virtuos sind die Stiere, Rentiere und Pferde ausgeführt, dass sich schnell das Wort von der „Sixtinischen Kapelle der Steinzeit“ einbürgerte.

„Mit ELASTOSIL® M kann jedes Detail der Master-Form aus Styropor auf die Paneele aus Steinimitat übertragen werden.“

Hans-Rudolf Pfeffer Leiter Technisches Marketing, Industrial Solutions
Spezialisten von AFSP korrigieren die finale Reproduktion eines Höhlensegments (Paneele) mit einer grobkörnigen Steinpaste.

Die Besuchermassen, die seit der Öffnung für die Öffentlichkeit im Jahre 1948 die Höhlen von Lascaux durchströmten, bedrohten sehr schnell diesen Kulturschatz, der zuvor die Jahrtausende seit der Frühzeit unbeschadet überstanden hatte. Besonders die feuchte Atemluft der vielen Besucher – bis zu 1.200 am Tag – änderte das hochempfindliche Höhlenklima. Das sensible biologische Gleichgewicht geriet in eine Schieflage: Algen, mineralische Ablagerungen und Mikroorganismen begannen die Wandgemälde zu überwuchern (siehe Kasten auf Seite 2). Daher wurde der Höhlenkomplex nach nur 15 Jahren – 1963 – wieder für Besucher geschlossen und ein aufwändiges Lüftungssystem installiert. Doch der Druck der Öffentlichkeit blieb hoch, die steinzeitlichen Meisterwerke langfristig wieder einem interessierten Publikum zugänglich zu machen.

Detailgenauer Nachbau

Das elastische Formteil aus Silicon wird von Mitarbeitern des internationalen AFSPTeams von der finalen Reproduktion getrennt.

Der französische Staat entschied sich schließlich dafür, den Höhlenkomplex vollständig nachbauen zu lassen: Die detailgetreuen Nachbildungen, die die gesamten Höhlenwände mit einer Fläche von circa 900 Quadratmetern abbilden, finden Platz in einer modernen Ausstellung am Fuß der Hügel von Lascaux. Auf den rund 6.000 Quadratmetern des internationalen Center für Höhlenmalerei in Montignac-Lascaux sind sämtliche Malereien der Original- Höhle zu bewundern. Diese Dauerausstellung ist bekannt als Lascaux 4 und wurde im Dezember 2016 von Staatspräsident François Hollande feierlich eröffnet. Es handelt sich dabei um das dritte Replikat der Orginalhöhle Lascaux 1, die 1963 für die Öffentlichkeit geschlossen wurde und die die UNESCO inklusive weiterer Höhlen der Umgebung – des Vézère Tals – mittlerweile zum Weltkulturerbe erklärt hat.