Wasser Marsch nach 58 Tagen - Wacker Chemie AG


Wasser Marsch nach 58 Tagen

Neue Technologie im Einsatz

Der Alzkanal ist wichtige Lebensader in der Region - nicht nur als Energie- und Kühlwasserquelle. Bei seiner Abstellung wurden 3,8 Tonnen Fische in die Alz abgefischt und umgesiedelt.

Während Stauber und sein Team das große Ganze im Blick behalten mussten, beschäftigten sich Kollegen um den WACKER-Anwendungstechniker Klaus Bonin mit einer vergleichsweise kleinen Sanierungsfläche. „Dank der grundlegenden Erneuerung des Alzkanals bekamen wir vergangenes Jahr die Chance, eine ganz neue, von uns entwickelte Technologie einzusetzen und unter realen Bedingungen zu testen“, sagt Chemieingenieur Bonin. „Eine Fläche von etwa zwei Quadratmetern haben wir mit sogenanntem Self-Filling-Concrete-Compound, kurz SFCC, saniert.“ Solche selbstfüllenden Betonmassen lassen sich nur mithilfe von polymeren Dispersionspulvern formulieren – das Spezialgebiet von Bonin und seinen Labormitarbeitern Peter Rauchberger und Christine Köster.

„Wir hatten für die Sanierung 70 Tage veranschlagt und konnten bereits am 26. Oktober 2016, nach nur 58 Tagen, sagen: Wasser marsch!“

Michael Stauber Ingenieur im Bereich Infrastrukturinstandsetzung bei WACKER

„Die Idee, eine selbstverfüllende Betonmasse zu entwickeln, kam aus Indonesien. Dort war man auf der Suche nach einer einfachen und schnelltrockenden Sanierungstechnologie, um kleinere Straßenschäden über Nacht zu reparieren“, erinnert sich der Chemieingenieur. „Meist steht nur ein kurzes Zeitfenster zur Verfügung, um Straßen zu sperren und den Betonbelag zu erneuern.“ Und diese Vorteile bieten maßgeschneiderte Trockenmörtel, die mit polymeren Dispersionspulvern modifiziert sind. Im Gegensatz zu herkömmlichem Beton, der bereits als fertig pumpbare Mischung aus Zement, Additiven und Gesteinskörnung zur Baustelle transportiert wird, funktioniert dieser in seiner Handhabung etwas anders: Die gewünschte Füllstoffkörnung, also Kiessteine oder Splitt, und das zementäre Bindemittel – in diesem Fall der Trockenmörtel – liegen getrennt vor. Auf der Baustelle werden die Steine zuerst auf dem vorbereiteten Straßenabschnitt ausgebreitet, der Trockenmörtel nach Vorschrift mit Wasser vermischt und dann über die Kiesschicht gegossen. „Die Masse füllt so die Lücken zwischen den Steinen auf und verbindet sie zu einem festen Betonbelag. Je nach Rezeptur bindet das System sehr rasch ab, auf Wunsch sogar in weniger als einer Stunde. Das können wir je nach Kundenwunsch punktgenau einstellen“, erklärt die Chemielaborantin Köster. „Weil Korn an Korn liegt, erhält man bereits nach kurzer Zeit einen hohen Verbund.“

Fakten

  • Bei Vollwasser strömen 7,5 Millionen Kubikmeter Wasser pro Tag hindurch. Das entspricht etwa dem dreifachen Volumen der Cheops-Pyramide.
  • Zwischen 1916 und 1922 wurde der Alzkanal errichtet und im Dezember 1922 in Betrieb genommen.
  • Zu Spitzenzeiten waren 400 Arbeiter rund um die Uhr im Einsatz.
  • Der Alzkanal musste für die Sanierung 58 Tage komplett abgestellt werden. Geplant waren 70 Tage.
  • Bereits im Juni 2012 wurde mit den Sanierungsplänen begonnen.
  • 80 Personen arbeiteten 22 Stunden lang, um Fische im Gesamtgewicht von 3,8 Tonnen in die Alz umzusetzen.
  • Das Budget für die Sanierung betrug 45 Millionen Euro. Tatsächlich kostete die Instandsetzung nur 41 Millionen Euro.
  • Am 27. August 2016 begann die zweitägige Entleerung des Alzkanals.
  • Um die beiden Tunnel zu sanieren, wurden 6.000 Löcher gebohrt und 1,6 Millionen Liter Zement- Bentonit-Suspension unter Druck injiziert.

Wichtig ist: Das Fließverhalten – also die Rheologie – des SFCC muss stimmen. Diese Aufgabe erfüllt das verwendete WACKERDispersionspulver VINNAPAS® 7016 F: „Wir bekommen damit eine ganz spezielle Rheologie hin, die sich mit konventionell erhältlichen Fließmitteln nicht erreichen lässt“, erklärt Bonin. „Denn die flüssige Mischung darf weder zu langsam noch zu schnell durch die Steinchenstruktur laufen. Wenn die Formulierung in sich nicht stabil ist, sie zu früh stockt oder sich Luftblasen bilden, ist die eigentliche Funktionalität nicht gegeben – und die Stabilität des gesamten Betonbauteils ist gefährdet.“

Recycling mit Beton

Ein Vorteil der neuen WACKER-Entwicklung: Wenn ausgebrochene Steine oder anderes festes Recyclingmaterial zerkleinert und mit der SFCC versetzt werden, lässt sich das Baumaterial direkt wieder einbauen. „Weil sich unser modifizierter Trockenmörtel just-in-time vor Ort mit Wasser anmischen lässt, ist mit dem SFCC somit ein Recycling vor Ort möglich. Es müssen so viel weniger neue Baustoffe transportiert werden“, sagt Köster.