Wasser Marsch nach 58 Tagen - Wacker Chemie AG


Wasser Marsch nach 58 Tagen

Der Alzkanal ist die Lebensader des WACKER-Werks Burghausen, liefert er doch Kühlwasser und Strom aus Wasserkraft. Nach 100 Jahren wurde der Kanal jetzt zum ersten Mal komplett saniert. Seitdem schlummert im Kanalbett auch eine hausgemachte Innovation: der selbstfüllende Beton.

Es glich einer Operation am offenen Herzen“, erinnert sich Michael Stauber, einer der zuständigen Ingenieure am WACKER-Standort Burghausen für die Instandhaltung der Infrastruktur, zurück an die Sanierung des rund 17 Kilometer langen Alzkanals im Herbst 2016. Dieser ist die Lebensader des weltweit größten WACKER-Werks. „Wir nutzen das Wasser beispielsweise zur Kühlung unserer Chemieanlagen und können so 70 % unseres Kühlbedarfs decken“, erklärt der Ingenieur. Und der Kanal liefert 10 % der elektrischen Energie, die im Werk Burghausen verbraucht wird: Bevor sein Wasser in die etwa 60 Meter tiefergelegene Salzach stürzt, passiert es die Wasserkraftanlage der Alzwerke. Das Höhengefälle zwischen Alz und Salzach – und damit die Möglichkeit, Strom aus Wasserkraft zu gewinnen – war sogar der Grund, warum WACKER sich 1916 für das abgelegene Burghausen als Standort seiner chemischen Produktion entschieden hat. Noch heute ist die mittlere Jahresleistung der Alzwerke beeindruckend: Mit dem vom werkeigenen Wasserkraftwerk erzeugten 266 Millionen Kilowattstunden ließen sich etwa 90.000 Haushalte – eine mittelgroße Stadt – mit Strom versorgen. Falls nötig, liefert der Alzkanal auch Löschwasser für die Werkfeuerwehr. Auch die Hydranten des Standorts werden mit seinem Wasser gespeist.

2016 wurde der Alzkanal erstmals seit seiner Inbetriebnahme 1922 für die Sanierungsarbeiten komplett entleert und 58 Tage lang stillgelegt.

„Nach fast 100 Jahren im Betrieb machten sich am Kanalbett, in Tunneln und an Bauwerken allerdings massive Alterserscheinungen bemerkbar“, erklärt WACKER-Ingenieur Stauber. Nicht nur Algen haben sich über die Jahrzehnte an den Betonwänden angesiedelt und die Fließgeschwindigkeit und damit die Leistungsfähigkeit des Kanals verschlechtert. Auch die Bausubstanz hat stark unter Witterungseinflüssen gelitten. „In den letzten Jahrzehnten wurden die fast 100 Jahre alten Bauteile größtenteils nur lokal instandgesetzt. Lediglich vier Kilometer des Gerinnes wurden bereits 1984 mit Asphalt ausgekleidet“, sagt Stauber. „Großflächige Betonabplatzungen, defekte Beschichtungen und verrottete Schalungsreste im Berg machten eine umfassende Sanierung dringend nötig.“

Für das Instandhaltungsteam und den gesamten WACKER-Konzern war die „Alzkanal- Sanierung“ ein Mammutprojekt im Jahr 2016 – mit vielen Herausforderungen: Während der Bauphase musste der Kanal entleert und damit komplett abgestellt wearden, aber der Industriebetrieb sollte störungsfrei weitergehen. Die Bauzeit war mit nur 10 Wochen extrem knapp bemessen. Insbesondere da der Kanal während der knapp vierjährigen Planungsphase stets gefüllt war.