Zeitenwandel - Wacker Chemie AG


Zeitenwandel

Ablenkung unerwünscht

Alainpers zeigt auf eine Uhr aus 60 Glasscheiben, auf denen jeweils eine, mit einer Diode ausgerüstete Glaspastille geklebt ist. „Sehen Sie etwas?“, fragt der 56-Jährige, um sich die Antwort gleich selbst zu geben. „Nein. Die Verbindung ist absolut durchsichtig. Das ist mir wichtig, denn so lenkt nichts vom Lichteffekt ab.“

Rund zwölf Stunden dauert es, bis der Kleber ganz trocken ist. Dann aber wirke er für die Ewigkeit. „Wie die LED-Lampen!“ Auch der mechanische Wiederstand und die Elastizität des Silicons ließen kaum zu wünschen übrig. „Die Verklebungen halten auch plötzliche Stöße gut aus. Falls einmal etwas runterfällt.“ Durch die strukturelle Beschaffenheit des Klebers, der sich selbst in eine rundliche wie auch kompakte Form bringt, werden zudem menschliche Fehler beim Auftragen weitgehend ausgeschaltet. „Ich benutze normale Einweg-Spritzen aus der Apotheke zum Auftragen. Wenn ich unsauber arbeite, werden die Folgen minimiert, weil das Silicon die Fähigkeit hat, sich selbst abzurunden. Das Resultat ist fast immer überzeugend und schaut schön aus“, sagt der Wahlpariser und nimmt zum Beweis eine herumliegende Spritze, um sogleich einen Tropfen Silicon auf ein Blatt Papier zu drücken. War das Klecks anfangs noch unförmig, so nimmt er wenige Minuten später eine homogene und geschlossene Rundung an.

„Silicon hat die Fähigkeit sich selbst abzurunden. Auch das trägt zu einem überzeugenden Resultat bei.“

Alainpers Lichtkünstler
„60 schillernde Minuten“ mit 12 Glasscheiben als Mittelpunkt. Diese Scheiben werden nach und nach beleuchtet, um die vollen Stunden anzudeuten. Um sie herum sind die Sekunden und Minuten, die sukzessive in blauem Licht leuchten.

Auf dem Schreibtisch, auf dem die Spritze lag, herrscht „work in progress“: Mehrere Batterien, Kabel, ein Lötkolben, dazwischen Papiere, Lineare und Klebebänder liegen wild durcheinander auf einer Unterlage. Auch wenn Alainpers bekannteste Werke monumental groß sind, so reicht dem Künstler ein kleines und bescheidenes Atelier für die Konzeption. Sein Büro und Studio liegt im schmucklosen 13. Arrondissement von Paris, einem Viertel, in dem sich Hochhäuser, Baron-Haussmann-Gebäude und niedrige Altbauten zu einem eklektischen Architektur-Ensemble vereinen. Im Erdgeschoss seines Studios stehen ein paar Schreibtische, eine schmiedeeiserne Wendeltreppe führt in den Keller, in dem unter sich unter dem uralten Gewölbe unzählige Schubladenregale voller Schrauben und Werkzeuge befinden. Generatoren und Tischbohrer verschiedenster Dicke sind fest an den Arbeitstisch angeschraubt. Darüber hängen Kabelrollen. Viel Platz zum Bewegen ist nicht. Aber Alainpers scheint das kaum zu stören: „Ich arbeite meistens alleine. Die meisten Objekte werden sowieso außer Haus in Zusammenarbeit mit anderen Firmen realisiert.“