Vom Instantkaffee zum Hightechpulver - Wacker Chemie AG


Vom Instantkaffee zum Hightechpulver

Seit 60 Jahren setzt WACKER mit Dispersionspulvern der Marke VINNAPAS® Maßstäbe in der Baubranche. Bis heute gingen mehr als drei Million Tonnen in alle Welt und noch immer tun sich neue Einsatzmöglichkeiten auf. Der Pionier ist zum globalen Allrounder geworden.

VINNAPAS® ist ein deutsches Nachkriegskind. Inmitten von Wiederaufbau und wachsendem Wohlstand war die Entwicklung von Trockenmörteln besonders wichtig für die Baubranche. Schließlich galt es in diesen Jahren, möglichst schnell viele Gebäude wieder auf- oder neu zu bauen. Gleichzeitig stiegen mit dem Wohlstand die Qualitätsansprüche. VINNAPAS® war die Antwort auf beides: Dispersionspulver ermöglichen schnelleres, effizienteres Arbeiten und erhöhen gleichzeitig die Qualität am Bau. Und das gilt bis heute: Der Absatz von Dispersionspulvern stieg kontinuierlich. Inzwischen wurden weltweit mehr als drei Millionen Tonnen VINNAPAS® verkauft. Damit ist WACKER nicht nur Vorreiter, sondern auch Weltmarktführer bei der Modifizierung von Mörteln mit Dispersionspulvern.

Anfang der 50er-Jahre begann WACKER in Burghausen mit den ersten Versuchen, aus seinen flüssigen Vinylacetat-Dispersionen Pulver zu machen, das erst bei der Verarbeitung wieder redispergiert. Federführend dabei war WACKER-Chemiker Dr. Max Ivanovits, der sich der Legende nach von löslichem Kaffee zu der Idee inspirieren ließ. Auf seinen häufigen Reisen zu den Kunden war Nescafé sein ständiger Begleiter. Als er eines Tages das Pulver zu Kaffee verrührte, kam ihm der Gedanke: „Warum kann man nicht aus Dispersionen Pulver machen, das man vor Ort einfach wieder anrührt?“ Diese Frage ließ ihn fortan nicht mehr los. Denn bisher wurden die flüssigen Dispersionen in kleinen Gebinden an die Baustelle geliefert und mussten von den Handwerkern aufwendig in vorgeschriebenen Mischungsverhältnissen mit anderen Komponenten (Zement, Sand, Additive) zu fertigem Mörtel verrührt werden. Würde man die Dispersionsflüssigkeit aber als fertigen Trockenmörtel anbieten, müsste dieser auf den Baustellen nur noch mit Wasser verrührt werden – wie eine Tasse Instantkaffee. Den Überlegungen folgten rasch Taten.

Mit Dispersionspulvern gebaut

Von der Idee zum Weltprodukt

Im Jahr 1969 produzierte WACKER 1490 Tonnen Dispersionspulver. Zehn Jahre zuvor waren es nur 19 Tonnen.

1953 wurde ein erstes Anwendungspatent angemeldet. Bis zum funktionierenden Produkt war jedoch viel Entwicklungsarbeit notwendig. Nach einigen Versuchen gelang schließlich die sogenannte Sprühtrocknung: Dabei wird die Dispersion als feiner Nebel in den Sprühturm gesprüht; hohe Temperaturen sorgen dort dafür, dass der flüssige Anteil verdampft und pulverförmige Polymerteilchen übrigbleiben. Nach der Laborarbeit startete 1957 ein kleiner Düsentrockner im WACKER-Werk Burghausen mit der erfolgreichen Produktion erster Pulvermengen.

Die Kunden waren schnell überzeugt von dem neuen Wunderpulver. Es erhöht die Haftzugfestigkeit auf vielen Untergründen, die Haltbarkeit und Abriebbeständigkeit sowie die Widerstandsfähigkeit gegen Feuchtigkeit und Luftverschmutzung. Außerdem lässt sich modifizierter Mörtel schneller und leichter verarbeiten, denn Dispersionspulver optimieren beispielsweise das Standvermögen und die offene Zeit, also die Zeit zum Verarbeiten des Mörtels.

„Unser Spektrum ist so vielfältig – die Innovationspotenziale sind auch nach 60 Jahren noch längst nicht ausgeschöpft.“

Andreas Collignon Leiter des Dispersionspulvergeschäfts bei WACKER

Mit diesen Vorteilen hat Dispersionspulver von WACKER bald die Baubranche revolutioniert. Denn die auf Vinylacetat und Ethylen basierenden Bindemittel machten zahlreiche moderne Bauanwendungen wie Wärmedämmverbundsysteme, Dünnbettmörtel oder Leichtbaustoffe erst möglich. So brachten die feinen weißen Pulver beispielweise auch die Wende beim Fliesen legen: Anstatt Fliesen in einen dicken Mörtelbelag (Dickbettverfahren) zu klopfen, genügt heute dank Dispersionspulvern im Fliesenkleber eine hauchdünne Mörtelschicht. Handwerker erreichen damit eine höhere Produktivität bei geringerer Fehleranfälligkeit und besserer Qualität. Außerdem ist der Materialaufwand beim Dünnbettverfahren um ein Drittel oder sogar die Hälfte geringer und schont auch damit Umwelt und Ressourcen.

Maßgeschneiderte Qualität

Vinylacetat-Dispersionen in Pulverform – eine Idee, die die Baustoffbranche weltweit revolutionierte.

Seit den 70er-Jahren wurden die Dispersionspulver immer stärker auf die speziellen Bedürfnisse der Anwender um den Globus zugeschnitten. Es kamen weichere und härtere, hydrophobe und hydrophile sowie hitze- und frostbeständige Typen dazu. Mit Hilfe von Dispersionspulvern und Zusatzstoffen können zementäre Systeme wie Fugenmörtel oder Fliesenkleber exakt eingestellt werden: ob für innen oder außen, für glatten oder unebenen Untergrund, für Steinzeugfliesen auf Gipsplatten oder Porzellanfliesen auf Holz.

Um auch kostensensible Märkte bedienen zu können, hat WACKER in den letzten Jahren auch vermehrt „Allrounder“ entwickelt, die für eine Vielzahl an Trockenmörtelmischungen, von zementären Fliesenklebern und Putzen über Selbstverlaufsmassen bis hin zu Wärmedämmverbundsystemen, geeignet sind.

„Wir arbeiten stetig daran, unsere Bauchemikalien an die veränderten Bedingungen der Baubranche anzupassen“, verspricht Andreas Collignon, Leiter des Baupolymerbereichs bei WACKER. „Dispersionspulver von WACKER hat in den letzten 60 Jahren die Baubranche revolutioniert und wird auch weiterhin ein wichtiger Baustein sein, um auf der einen Seite kostbare Ressourcen zu sparen und auf der anderen Seite die Qualität und Effizienz am Bau zu steigern.“

Aufgaben von Morgen lösen

WACKER hat ein Netzwerk an Technical Centern weltweit in denen Produkte und Formulierungen für die Anforderungen der jeweiligen Region getestet und angepasst werden können.

Heute gibt es VINNAPAS® in sechs Produktklassen und kommt in mehr als 3.000 spezifischen Anwendungsformulierungen zum Einsatz. Mit seinen Dispersionspulvern ist WACKER seit jeher Innovationstreiber in der Baubranche, die Weiterentwicklung seiner Produkte ist einer der wesentlichen Bestandteile der Unternehmensstrategie von WACKER. Jährlich wendet der Münchner Chemiekonzern rund drei Prozent seines Umsatzes für Forschung und Entwicklung auf und zählt damit zu den forschungsintensivsten Unternehmen der Branche. So entstanden in den letzten fünf Jahren jährlich rund 90 bis 100 neue Patentanmeldungen und Erfindungen.

Auch die Dispersionspulver von WACKER werden stetig weiterentwickelt, um die vier Megatrends der Baubranche Kosteneffizienz, Energiesparen, optimale Flächenausnutzung und Umweltbewusstsein zu unterstützen. „Vorsprung im Vergleich zur Konkurrenz zu gewinnen heißt heute schon die Aufgaben von morgen zu lösen. Unser Anspruch an uns selbst ist es, frühzeitig überzeugende Lösungen mit und für unsere Kunden zu entwickeln“, sagt Andreas Collignon.

Während sich Dispersionspulver als Bauzusatz in den westlichen Industrieländern längst etabliert haben, wächst die Nachfrage vor allem in den Schwellenländern in Asien, Südamerika und Osteuropa derzeit überproportional. WACKER ist darauf bestens eingestellt: In den Technical Centers weltweit arbeiten WACKER-Techniker rund um die Uhr an neuen Dispersionspulvern, Trockenmörtelmischungen und Standards für landesspezifische Anwendungen. Denn neben dem Dispersionspulver selbst muss die gesamte Mörtel-Rezeptur den besonderen Anforderungen wie dem regionenspezifischen Klima und den vorhandenen Rohstoffe angepasst sein. „Die Basisrohstoffe wie Sand und Zement unterscheiden sich von Land zu Land. Gerade deshalb ist es uns wichtig, für jeden Markt eine an die lokalen Bedürfnisse angepasste Lösung mit attraktivem Preis-Leistungs-Verhältnis zu entwickeln“, sagt Andreas Collignon.

Das weltweite Netzwerk unterstützt auch bei bauchemischen Problemstellungen und lokaler Anwendungstechnik. „Damit sind wir in der Lage, direkt auf die Bedürfnisse und Wünsche unserer Kunden einzugehen und mit ihnen gemeinsam die perfekte Lösung zu entwickeln“, fügt er hinzu. Um Kunden und Partner vor Ort auch mit dem nötigen Know-how zu hochwertigen Bauchemikalien zu versorgen, hat WACKER an vielen Standorten Zweigstellen der WACKER ACADEMY etabliert: Das internationale Schulungs- und Weiterbildungszentrum ist auf die besonderen Bedürfnisse der bauchemischen Industrie ausgerichtet und bietet neben theoretischen Schulungen auch praktische Übungen in den anwendungstechnischen Laboren. „Wir haben mittlerweile Trainingszentren in Deutschland, USA, China, Indien, Russland, Dubai, Südkorea, Brasilien, Mexiko und Singapur“, berichtet Collignon nicht ohne Stolz. „So können wir branchenspezifisches Wissen zu Bautrends aus aller Welt an Fachleute vor Ort weitergeben und damit für unsere Kunden einen eindeutigen Mehrwert schaffen“.

VINNAPAS® Dispersionspulver

... sind thermoplastische Kunststoffe, die auf Vinylacetat und Ethylen basieren. Als filmverbindendes Bindemittel sind sie in einer Vielzahl von Einsatzgebieten zu finden, unter anderem in Fliesenklebern und Fugenfüllern, mineralischen Putzen, Dichtungsschlämmen, Gips, Reparaturmörtel, Selbstverlaufsmassen und Pulverfarben. Sie verbessern im Endprodukt wichtige Eigenschaften wie Adhäsion, Kohäsion, Flexibilität und Biegezugfestigkeit. Wasserrückhaltevermögen und Verarbeitungseigenschaften werden durch Dispersionspulver positiv beeinflusst. Funktion: Der als Bindemittel wirkende Polymerfilm entsteht durch die Verschmelzung der einzelnen Polymerpartikel beim teilweisen Verdunsten des Wassers. Dieser Polymerfilm wirkt als organisches Bindemittel, welches die Füllstoffpartikel miteinander verklebt und somit die innere Festigkeit (Kohäsion) des Mörtels verbessert.

Globales Netzwerk

Von Ruhestand oder Karriereende kann auch nach 60 Jahren VINNAPAS®-Dispersionspulvern keine Rede sein. Im Gegenteil: die Nachfrage weltweit steigt nach wie vor. Maßgeschneiderte Adaptionen, die vor allem auch die lokalen Bedürfnisse abbilden, werden in allen Anwendungsfeldern immer wichtiger: „In Mexiko haben wir gerade auf der größten Baumesse Lateinamerikas unsere Lösungen für selbstnivellierende Verlaufsmassen für die besonderen Designwünsche der Region erfolgreich vorgestellt. Unser Team in Dubai arbeitet an lokalen Produkten, die die klimatischen Verhältnisse vor Ort einbeziehen. Und in China beobachten wir derzeit ein zunehmendes Qualitätsbewusstsein am Bau, wodurch unsere Dispersionspulver dort unersetzlich sind“, sagt Collignon und ist daher zuversichtlich: „Unser Spektrum ist so vielfältig – die Innovationspotenziale sind auch nach 60 Jahren noch längst nicht ausgeschöpft.“

60 Jahre Dispersionspulver

1967

Zehn Jahre nach dem Anfahren des ersten Pulverturms erreichte die Dispersionspulver-Produktion mit 1.000 Tonnen die Kapazitätsgrenze.

1968

WACKER nimmt den zweiten Pulver-Sprühtrockner mit 2.400 Jahrestonnen Kapazität in Betrieb.

1969

WACKER POLYMERS gelang es Vinylacetat und Ethylen zu copolymerisieren und bringt damit die bis heute dominierende Monomerkombination auf den Markt

1976

WACKER entwickelt das weltweit erste standfeste Dispersionspulver speziell für Fliesenkleber.

2015

WACKER eröffnet größten, effizientesten und modernsten Sprühtrockner weltweit mit einer Kapazität von 50.000 Jahrestonnen in Burghausen.