High-Tech zwischen grünen Hügeln - Wacker Chemie AG


High-Tech zwischen grünen Hügeln

Dr. Rudolf Staudigl, Vorstandsvorsitzender der Wacker Chemie AG, mit Bill Haslam, Gouverneur des Bundesstaates Tennessee.

„Der Osten Tennessees ist dafür ein idealer Standort“, erklärt Gary Farlow, Leiter der Handelskammer für Cleveland/Bradley County, wo sich das neue Werk befindet. „WACKER hat genau recherchiert, bevor sie in unserem Landkreis die größte privatwirtschaftliche Investition in der Geschichte des Staates getätigt haben.“ Zwei Kraftwerke der öffentlichen Betreibergesellschaft Tennessee Valley Authority versorgen das Werk mit preiswerter und zuverlässiger Energie. Der nahe gelegene Fluss bietet Kühlwasser und einen von mehreren Transportwegen. So wurden bereits die in Europa gefertigten Destillationskolonnen per Lastkahn bis in die Nähe des Werks geliefert. Charleston ist zudem bestens an mehrere Highways angebunden, um Rohmaterialien und das fertige Polysilicium zu transportieren.

Drittens, so Farlow, hätten Kommunen und der Staat Tennessee von Anfang an eng mit WACKER zusammengearbeitet, um Arbeitnehmer für die 650 neu zu besetzenden Stellen zu qualifizieren. „650 Jobs zu schaffen, ist bedeutsam. Aber noch wichtiger ist es, dass diese neuen Arbeitsplätze anspruchsvoll und gut bezahlt sind“, sagt Farlow. „WACKER hat damit einen langfristigen, positiven Effekt auf das gesamte Wirtschaftsgefüge der Region. Dieses Werk kann zur Keimzelle eines Clusters für Solarenergie werden.“

Vorbild aus Bayern

Ein landesweit beachtetes Ergebnis dieser engen Kooperation ist das WACKER INSTITUTE, eine maßgeschneiderte Lehreinrichtung, die das Unternehmen gemeinsam mit dem Chattanooga State Community College ins Leben rief. Das Institut exportiert sozusagen das in Burghausen seit 1969 bewährte Konzept des Berufsbildungswerks nach Tennessee. „Das WACKER INSTITUTE ist ein durchschlagender Erfolg“, sagt Dr. George Graham, der die neue Einrichtung ab Januar 2012 leitete und seit Juni 2014 Mitarbeiter von WACKER ist. „Was wir hier in der Rekordzeit von sechs Monaten geschaffen haben, unterscheidet sich fundamental vom herkömmlichen amerikanischen Ausbildungssystem, das keine Lehre kennt.“

„Wir wollen zum begehrten Arbeitgeber werden, der den Menschen hier nicht nur einen Job, sondern eine Karriere bietet.“

Dr. Erika Burk Personalchefin von WACKER in Charleston
Zwei von 650 Mitarbeitern am Standort Charleston: Dr. George Graham, Senior Manager Engineering Silanes, und Shervon Frazier, Executive Assistant Engineering.

Das WACKER INSTITUTE residiert in einem eigens dafür eingerichteten Gebäude auf dem College-Campus, in das Staat, Kommune und Unternehmen insgesamt 13 Millionen Dollar investiert haben. Es hat seit Herbst 2011 mehr als 200 Studenten als Chemikanten sowie Elektro- und Instrumententechniker ausgebildet, von denen WACKER bereits 110 eingestellt hat. „Wer hier seinen Abschluss macht, hat gegenüber anderen Kandidaten einen großen Vorteil, wenn er sich bei WACKER bewirbt. Das gibt den Leuten in der Region eine hervorragende Perspektive auf eine anspruchsvolle und sichere Tätigkeit“, freut sich Graham. „Ich wünschte mir, dieses praxisnahe Ausbildungsmodell würde Schule machen.“ Für seine herausragende Leistung wurde das WACKER INSTITUTE 2013 mit den Bellwether Award als das beste Programm zur Qualifizierung von Arbeitskräften in den gesamten USA ausgezeichnet.

„Ohne das Institut hätten wir es nicht geschafft, unseren Personalbedarf zu decken“, hebt Dr. Erika Burk hervor, Personalchefin von WACKER in Charleston. „Das Community College ist kein Dienstleister für uns, sondern ein ebenbürtiger Partner, dessen Input für uns sehr wertvoll ist.“ Dr. Burk war im Dezember 2010 die erste Angestellte des geplanten Werks. Anfangs trieb sie die Suche nach geeigneten Arbeitskräften per Handy aus ihrem Auto und in Cafés mit WLAN voran – Monate, bevor die ersten Bagger rollten. Im ersten Jahr ihrer Tätigkeit sichtete ihr Stab rund 10.000 Bewerbungen und wählte aus 4.200 Interessenten für die Stelle eines Chemical Operators die ersten 53 aus.