High-Tech zwischen grünen Hügeln - Wacker Chemie AG


High-Tech zwischen grünen Hügeln

„Ein solches Werk mit all seiner technischen Komplexität auf der grünen Wiese in Betrieb zu nehmen ist eine gewaltige Leistung.“

Dr. Rudolf Staudigl Vorstandsvorsitzender der Wacker Chemie AG

Fünf intensive Jahre

Mit 650 Mitarbeitern gehört das Werk Charleston zu den großen industriellen Arbeitgebern in Tennessee.

Charleston ist auch der erste siliciumbasierte Großstandort von WACKER in Nordamerika, wo die Rahmenbedingungen in vielerlei Hinsicht anders sind als in Deutschland. Angefangen bei unterschiedlichen Bau- und Genehmigungsvorschriften über die Suche nach qualifizierten Arbeitnehmern bis hin zu kulturellen Gepflogenheiten wie dem Umgangston am Arbeitsplatz. „Es waren fünf intensive Jahre in Tennessee, in denen beide Seiten viel dazugelernt haben“, resümiert Bachhuber. „Wir konnten Dinge aus Deutschland nicht einfach eins zu eins übertragen, sondern mussten uns neue Partner suchen, die unsere Anforderungen verstehen und erfüllen.“

Herausgekommen ist ein Werk, das seinesgleichen sucht, wenn es um die effiziente Herstellung von Polysilicium in höchster Qualität geht. „In unserem Werk in Charleston stecken das Wissen und die Erfahrung aus über 60 Jahren Polysiliciumproduktion, die uns den Bau einer derart hochmodernen Anlage erst ermöglichten“, hebt Rudolf Staudigl hervor. In Charleston wird, wie in den bestehenden Werken im bayerischen Burghausen und im sächsischen Nünchritz, Siliciummetall mithilfe von Chlorwasserstoff zu Trichlorsilan umgesetzt und anschließend in Destillationskolonnen gereinigt, bevor sich das hochreine Polysilicium an Stäben in den Abscheidereaktoren ablagert. Zerkleinert und verpackt wird es an die Solar- und Halbleiterwaferhersteller geliefert. „Unser Produkt ist so perfekt, dass wir Verunreinigungen nur noch in ‚Parts per Trillion‘ messen“, erklärt Bachhuber. „Das entspricht einem einzigen Tippfehler in 1.000.000 Büchern mit je 1.000 Seiten.“


Globaler Megatrend

In fünf Jahren hat WACKER auf dem 220 Hektar großen Gelände in den Hügeln von Tennessee das weltweit modernste Werk zur Herstellung von Polysilicium geschaffen.

Charleston ist darauf ausgelegt, im Spitzenbetrieb jährlich über 20.000 Tonnen Polysilicium herzustellen. Nach den Planungen des Konzerns ist das etwa ein Viertel der Gesamtproduktion von WACKER im Jahr 2017. „Solar und Halbleiter sind Megatrends. Wir denken langfristig und bauen Kapazitäten auf, um diese weltweiten Märkte zu bedienen“, sagt Konzernchef Rudolf Staudigl.

Die neu installierten Photovoltaikkapazitäten wuchsen allein im vergangenen Jahr erneut um gut 20 Prozent auf etwa 55 Gigawatt. Für 2016 rechnen Experten mit einer weiteren Zunahme auf etwa 65 Gigawatt. Dank dieses massiven Zubaus sinken die Systemkosten für Solaranlagen immer weiter. Inzwischen hat die Photovoltaik in vielen Ländern Kostenparität mit Gaskraftwerken erreicht, der Siegeszug von Solarstrom globalisiert sich. Die USA, China, Japan und Indien haben Europa als Hauptmarkt für Solaranlagen abgelöst. Aber auch in vielen anderen Ländern schießen Projekte buchstäblich wie Pilze aus dem Boden, um den Fusionsreaktor Sonne als kostengünstige, umweltfreundliche und quasi unbegrenzt verfügbare Energiequelle zu erschließen. Das bedeutet: Auch der Bedarf an Polysilicium wird aller Voraussicht nach weiter stark wachsen. Da ist es gut, dass Charleston so wie Nünchritz und Burghausen ausreichend Platz bietet, um im Bedarfsfall die Polysiliciumkapazitäten zu erweitern und langfristig zu einem voll integrierten Siliciumstandort auszubauen. Dazu gehören hochdisperse Kieselsäure, mit der zum Beispiel die Viskosität von Farben und Klebstoffen eingestellt wird, und in einem weiteren Schritt dann später eventuell auch Silicone. „Mit der Inbetriebnahme von Charleston verfügen wir über die Grundlage für einen voll integrierten Produktionsstandort im zweitgrößten Chemiemarkt der Welt“, betont Konzernchef Rudolf Staudigl. „Für unsere globale Präsenz und unser weiteres Wachstum ist das von großer Bedeutung.“