Ein Generalist feiert Geburtstag - Wacker Chemie AG


Ein Generalist feiert Geburtstag

Hydrophil und hydrophob

WACKER bietet pyrogene Kieselsäure, je nach Anwendung, in einer hydrophilen und einer hydrophoben Variante an: Hydrophile HDK® ist das Produkt der Hydrolyse von Chlorsilanen in einer Knallgasflamme. Hydrophobe HDK® dagegen entsteht durch chemische Modifizierung von hydrophiler HDK® mit reaktiven Silanen beziehungsweise Siloxanen. Dadurch hat die hydrophobe Kieselsäure wasserabstoßende Eigenschaften und ist nicht mehr in Wasser dispergierbar.

Einen Teil der in Burghausen, Nünchritz und Zhangjiagang produzierten pyrogenen Kieselsäuren verarbeitet WACKER selbst weiter – als Füllstoff in Siliconelastomeren und Fugendichtmassen des Konzerns. In Siliconkautschuken verbessert HDK® signifikant deren Reißfestigkeit. Auch die Viskosität von Siliconölen lässt sich mit HDK® einstellen.

„Pyrogene Kieselsäure ist in vielen Produkten und industriellen Produktionsprozessen unverzichtbar.“

Maria-Anna Biebl Leiterin des HDK®-Geschäfts in EMEA/Indien bei WACKER
Maria-Anna Biebl in der HDK®-Abfüllung in Burghausen: Die Anlage ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Verbundproduktion am Standort, verarbeitet sie doch überschüssige Silane aus der Silicon- und Polysiliciumproduktion.

Für WACKER selbst hat HDK® aber noch eine ganz andere Bedeutung: Es spielt eine entscheidende Rolle in der Verbundproduktion, genauer gesagt bei der Optimierung der Rohstoffausbeute. Bei der Herstellung von hochreinem, polykristallinem Silicium, dem Grundstoff für Solarzellen und Computerchips, fällt Tetrachlorsilan als Nebenprodukt in großen Mengen an. Es kann entweder direkt in den Produktionsprozess zurückgeführt werden oder es wird zu pyrogener Kieselsäure weiterverarbeitet. Der im Prozess frei werdende Chlorwasserstoff (HCl) geht ebenfalls zurück in den Verbundkreislauf, das heißt, er wird wieder mit rohem Silicium zu Chlorsilanen umgesetzt. Diese Chlorsilane werden anschließend durch Destillation gereinigt, um daraus hochreines, polykristallines Silicium herzustellen.

Da HCl-Moleküle bei der Herstellung von Siliconen und Polysilicium fast nur als Hilfsstoff benötigt werden, lassen sie sich mit einem gewissen Aufwand ohne Qualitätsverluste zurück in den Produktionsprozess spielen. Die HDK®-Anlage schlägt damit drei Fliegen mit einer Klappe: Sie erhöht die Wertschöpfung am Standort, reduziert die Abfälle und dient dem HCl-Recycling.

Und natürlich stellt die Anlage ein Produkt her, das auf den ersten Blick unspektakulär wirken mag: HDK®. Auf den zweiten Blick aber offenbart pyrogene Kieselsäure vielfältigste Einsatzmöglichkeiten. Und deshalb sind Maria-Anna Biebl und ihr Team ständig auf der Suche nach neuen Anwendungen für das so unscheinbar wirkende weiße Pulver.