Unter Druck und Dampf - Wacker Chemie AG


Unter Druck und Dampf

Werden Formteile aus ELASTOSIL® LR 3020/60 thermisch nachbehandelt, dürfen sie zudem mit Lebensmitteln und Trinkwasser, auch mit Warmwasser in Trinkwasseranwendungen, in Kontakt kommen. Das ergaben Prüfungen nach den Bestimmungen des Bundesamts für Risikoforschung (BfR), der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) und der in der Fachwelt als KTW-Leitlinie bekannten „Leitlinie zur hygienischen Beurteilung von organischen Materialien im Kontakt mit Trinkwasser“ des Bundesumweltamts (UBA).

Kostengünstige Produktion

Mit diesem Eigenschaftsprofil eröffnet ELASTOSIL® LR 3020/60 den Weg zur kostengünstigen Massenproduktion von hydrolysestabilen Elastomer-Artikeln für Anwendungen in nahezu allen Industriebranchen. Bei Anwendungen in der Lebensmittel- und pharmazeutischen Industrie sowie in der Medizintechnik ist von Vorteil, dass die Formteile auf die üblichen Weisen gereinigt, desinfiziert und sterilisiert werden können. Sie verkraften nicht nur die Dampfsterilisation im Autoklaven bei 121 oder 134 Grad Celsius, wie sie derzeit praktiziert wird, sondern auch höhere Dampftemperaturen, die sich in Zukunft als Standard durchsetzen könnten.

Andere Anwendungsmöglichkeiten sind Armaturen und Ausrüstungsgegenstände in der Sanitär-, Heizungs- und Anlagentechnik. Und natürlich Dichtungen für Weiße Ware wie Kaffeeautomaten, Schnellkochtöpfe oder Wasserkocher. ELASTOSIL® LR 3020/60 könnte demnächst also dazu beitragen, dass Espressomaschinen weiterhin unermüdlich ihren Dienst verrichten – trotz allen Drucks, dem sie während ihres langen Lebens ausgesetzt sind.

Druckverformungsrest

Verformt man eine Elastomerdichtung über eine längere Zeitspanne, so nimmt sie nach der Entspannung nicht mehr exakt ihre ursprüngliche Form an, sondern bleibt mehr oder weniger verformt. Das Ausmaß dieser bleibenden Verformung hängt davon ab, wie stark das elastische Rückstellvermögen des Materials unter den herrschenden Lagerbedingungen – verformende Kräfte, einwirkendes Medium und Temperatur – abnimmt. Auskunft darüber gibt der Druckverformungsrest, eine in genormten Prüfverfahren ermittelte Größe. Zur Bestimmung des Druckverformungsrestes wird ein Elastomerprüfkörper, dessen Form und Abmessungen in den Prüfnormen festgelegt sind, in eine Pressvorrichtung eingesetzt, auf ein vorher festgelegtes Ausmaß zusammengedrückt und in diesem Zustand eine bestimmte Zeit lang unter den Prüfbedingungen – etwa unter heißem Wasserdampf – gelagert. Wenn der Prüfkörper anschließend wieder entspannt wird, erreicht er nicht mehr seine ursprüngliche Höhe. Gemessen wird die Höhe des Prüfkörpers vor und nach dem Verpressen sowie nach der Entspannung.

Der Druckverformungsrest ist das in Prozent ausgedrückte Verhältnis aus der Höhenverringerung, die nach der Entspannung verbleibt, und der Höhe, um die der Prüfkörper verpresst wurde. Günstig ist ein niedriger Druckverformungsrest – dann hat das Material ein hohes elastisches Rückstellvermögen. Ein völlig inelastisches Material weist dagegen einen Druckverformungsrest von 100 Prozent auf. Im Falle von ELASTOSIL® LR 3020/60 wurden sechs Millimeter hohe Prüfkörper eingesetzt, auf drei Viertel ihrer Höhe, also um 1,5 Millimeter auf 4,5 Millimeter zusammengedrückt und 21 Tage lang im Autoklaven unter 150 Grad Celsius heißem Dampf gelagert. Nach der Entlastung nahmen die Prüfkörper eine Höhe von 5,07 Millimetern ein – es blieb also eine Höhenverringerung von 0,93 Millimetern zurück. Somit hat ELASTOSIL® LR 3020/60 einen Druckverformungsrest von 0,93 Millimetern, dividiert durch 1,5 Millimeter. Dies ergibt 0,62 oder 62 Prozent – angesichts der starken Medienbelastung ein guter Wert.