Siliconwürfel aus dem Drucker - Wacker Chemie AG


Siliconwürfel aus dem Drucker

Auch die Medizin interessiert sich für das neue Verfahren: „Wir können 3D-Modelle aus Silicon anhand von medizinischen Bilddaten drucken, die wir aus der Kernspin- oder Computertomografie erhalten“, berichtet die Ingenieurin Hannah Riedle von der Universität Erlangen, die dem Thema ihre Doktorarbeit widmet und dafür mit WACKER zusammenarbeitet. Es geht um die individuelle Nachbildung anatomischer Strukturen von Patienten, meist in Originalgröße. Blutgefäße, Herz, Milz und andere Organe – alles lässt sich plastisch und dreidimensional drucken.

Anhand eines solchen Modells kann ein Arzt dem Patienten veranschaulichen, wie es in dessen Inneren aussieht und warum zum Beispiel ein operativer Eingriff nötig ist. Diesen kann ein Chirurg auch direkt am gedruckten Objekt planen und sogar üben. „Silicon hat für uns den großen Vorteil, dass es elastisch ist und man es gut schneiden kann“, sagt Hannah Riedle. Beispielsweise hat die Ingenieurin bereits unterschiedliche Segmente von Blutgefäßen gedruckt.

Eigene Marke gegründet

In Zukunft sind noch viele weitere Anwendungen denkbar. So sollen individuell angepasste Atemmasken und Hörgeräte schon bald im 3D-Druck aus Silicon hergestellt werden.

Um den 3D-Druck in Silicon zu vermarkten, hat WACKER eigens die Marke ACEO® ins Leben gerufen. Das interdisziplinäre Team von ACEO® agiert als Keimzelle für Innovationen in Sachen Silicondruck. In einer „Print Fab“ werden Siliconformteile gedruckt und weltweit versandt. Zugleich möchte das Unternehmen eine traditionelle Stärke von WACKER – Kundennähe und die gemeinsame Anwendungsentwicklung mit Kunden – auf neuen Wegen fortführen.

So hat sich ACEO® auf die Fahne geschrieben, zusammen mit seinen Geschäftspartnern für deren Anforderungen maßgeschneiderte Lösungen zu finden. So bietet das interdisziplinäre Expertenteam Entwicklungsdienstleistungen zu Design und Material an. Wünscht ein Kunde etwa eine bestimmte Haptik, so lässt sich diese nicht nur durch unterschiedliche Härtegrade, sondern auch durch besondere Gitterstrukturen im Inneren der Körper verwirklichen – auch funktionelle Anforderungen lassen sich so realisieren.

Bei der Expertise in puncto Materialentwicklung knüpft das ACEO®-Team an die Kernkompetenzen von WACKER SILICONES an. Beispielsweise lassen sich gezielt Silicone für bestimmte Anwendungen wie Optik oder Elektronik entwickeln.

Vertriebliches Neuland betritt ACEO® mit seinem Open Print Lab und dem Webshop: Im Open Print Lab in Burghausen haben Kunden die Möglichkeit, ihre Objekte unter fachlicher Anleitung selbst zu drucken. Im Webshop wiederum können Kunden die Dateien für ihre Designs online hochladen, bestellen, bezahlen – und bekommen anschließend ihr Objekt weltweit zugeschickt.

Bernd Pachaly ist sich sicher, dass WACKER mit dem Geschäfts- und Vertriebsmodell von ACEO® neue vielversprechende Wege geht: „Bald wird es nicht mehr ausreichen, den Kunden Gebinde mit Chemikalien vor die Werkshalle zu stellen“, so die Einschätzung des Managers. Wertschöpfung werde zukünftig vor allem durch kundenorientierte Gesamtlösungen möglich – mit ACEO® geht WACKER auch einen Schritt in Richtung Industrie 4.0. Hersteller und Kunden vernetzten sich, um auf individuelle Anforderung und nach Bedarf zu produzieren. Mit Silicon und in 3D.