Siliconkautschuk - Wacker Chemie AG


Siliconkautschuk

Produkttypen

Siliconkautschuke bestehen aus langkettigen Polysiloxanen und diversen Füllstoffen wie etwa pyrogener Kieselsäure. Durch Vulkanisation lassen sie sich in Siliconelastomere überführen. Je nach Art der Vulkanisation und der Viskosität des Basispolymers werden verschiedene Kautschukklassen sowie Heiß- und Kaltvulkanisation unterschieden:

  • Festsiliconkautschuk (HTV)
  • Flüssigsiliconkautschuk (LSR)
  • 2-Komponenten Siliconkautschuk (RTV-2)
  • Siliconkautschuk (RTV-1)
  • Silicongele

Festsiliconkautschuk (HTV) - Heißvulkanisierende Siliconkautschuke

Standardlieferform Festsiliconkautschuk

Festsiliconkautschuke werden bei erhöhter Temperatur vulkanisiert. Die Vulkanisation erfolgt entweder mit Hilfe organischer Peroxide oder platinkatalysiert. Die erforderliche mechanische Festigkeit der Vulkanisate wird mit verstärkenden Füllstoffen erreicht. Hierfür eignen sich vornehmlich pyrogene Kieselsäuren mit BET-Oberflächen >100 m2/g. Daneben besteht die Möglichkeit, gefällte Kieselsäuren, inaktive Füllstoffe (Quarz, Diatomeenerde) oder spezielle Rußsorten zuzumischen. Aufgrund ihrer herausragenden Eigenschaften erschließen sich für HTV Siliconkautschuke zahlreiche Einsatzgebiete. Dazu zählen insbesondere die Verwendbarkeit in einem weiten Temperaturbereich (–50 bis +200 °C mit speziellen Einstellungen von –90 bis +300 °C), ein physikalisch und physiologisch unbedenkliches Verhalten sowie eine ausgezeichnete Alterungsbeständigkeit.

Heißvulkanisierende Siliconkautschuke eignen sich für vielfältige Anwendungsbereiche: in der Automotive Industrie, Elektrotechnik, Mittel- und Hochspannungstechnik, im Segment Construction, Maschinen- und Anlagenbau sowie in den Bereichen Lebensmittel/Food, Health Care und Medizintechnik.

Flüssigsiliconkautschuk (LSR) – Heißvulkanisierende Siliconkautschuke

Standardlieferform Flüssigsiliconkautschuk A- und B-Komponente

Flüssigsiliconkautschuke gehören ebenfalls zur Gruppe der heißvulkanisierenden Kautschuke. Ihre Konsistenz und ihr Vernetzungsprinzip machen sie zu Werkstoffen mit außergewöhnlichen Verarbeitungsvorteilen. Charakteristisch für Flüssigsiliconkautschuke ist ihre im Vergleich zu Festsiliconkautschuken (HTV) niedrige Viskosität. Flüssigsiliconkautschuke sind pumpbare 2-Komponentenmischungen die verarbeitungsfertig angeliefert werden. Die Vulkanisation erfolgt durch Additionsvernetzung. Dabei enthält Komponente A einen Pt-Katalysator und Komponente B als Vernetzer ein SiH-funktionelles Polysiloxan. Im Gegensatz zur Peroxidvernetzung werden bei Flüssigsiliconkautschuken keinerlei Vernetzerspaltprodukte freigesetzt.

Flüssigsiliconkautschuke liefern ein weites Anwendungsspektrum: von der Automotive Industrie, Maschinen- und Anlagenbau über die Elektrotechnik, Mittel- und Hochspannungstechnik bis hin zu Construction, Lebensmittel/Food, Health Care und Medizintechnik. Insbesondere für Automotive Anwendungen bieten wir fluorierte Flüssigsiliconkautschuke an, die sich durch eine besonders hohe Stabilität gegenüber Benzin, Motor- und Getriebeölen auszeichnen.

2-Komponenten Siliconkautschuk (RTV-2)

RTV-2 Silicone werden unter anderem als Abformmassen für den Formenbau eingesetzt

Als RTV-2 Siliconkautschuke bezeichnet man zweikomponentige, gieß- und streich- oder knetbare Massen, die nach Zugabe der Härterkomponente zu hochelastischem Silicongummi vulkanisieren. Die Vernetzung erfolgt bei Raumtemperatur (RTV = Raum-Temperatur-Vernetzung). Hierfür stehen zwei Vulkanisationsarten zur Verfügung: Bei der Kondensationsvernetzung wird zumeist ein zinnorganischer Katalysator benutzt, Alkohol entsteht als Nebenprodukt. Die Additionsvernetzung hingegen bedient sich eines Platinkatalysators, ohne Spaltprodukte zu bilden. Für eine rasche Vulkanisation sorgt bei bestimmten Silikonkautschuktypen jetzt auch der Einsatz von UV-Licht. Hier lässt sich die Vulkanisationszeit durch Intensität und Bestrahlungszeit bestimmen. Die meisten Vulkanisate aus RTV-2 Siliconkautschuken behalten ihre volle Elastizität bis 200 °C. Einige Produkte sind sogar kurzzeitig bis 300 °C belastbar. Bei tiefen Temperaturen bleibt die Flexibilität durchwegs bis –50 °C, bei Spezialtypen sogar bis –100 °C erhalten.

Durch Auswahl speziell phlegmatisierter Pt-Katalysatoren bietet Ihnen WACKER auch eine Reihe von lagerstabilen, vorgemischten 1-Komponenten Systemen, die erst bei erhöhter Temperatur vulkanisieren. Aufgrund ihres, den additionsvernetzenden RTV-2 Siliconkautschuken analogen Polymeraufbaus, wird auch diese Stoffgruppe unter RTV-2 klassifiziert. Im Allgemeinen erlaubt die Wärmeleitfähigkeit von RTV-2 Siliconkautschuk die Isolierung elektrischer Betriebsmittel ohne Wärmestau. Spezifische Vorteile bieten die elektrischen Eigenschaften, insbesondere der Isolationswiderstand, die Durchschlagfestigkeit und der dielektrische Verlustfaktor. RTV-2 Siliconkautschuke liefern einen zehnmal höheren Wert als Naturkautschuk, wenn es um die Gasdurchlässigkeit bei Raumtemperatur geht. Für viele Anwendungen ist zudem die ausgeprägte Trennwirkung der Vulkanisatoberflächen gegenüber organischen und anorganischen Materialien vorteilhaft.

Die umfangreiche Produktpalette verschiedener RTV-2 Siliconkautschuktypen ermöglicht die Herstellung von Vulkanisaten mit sehr vielseitigen, hochspezialisierten Eigenschaften. Daraus ergibt sich ein vielseitiges erfolgreiches Lösungsportfolio für individuelle Problemstellungen in verschiedensten Industriebereichen wie etwa Formenbau, Elektronik und Optoelektronik, Haushaltsgeräte, Maschinen- und Industrieanlagenbau, Health Care Anwendungen und Solar/Photovoltaik.

Siliconkautschuk (RTV-1)

Raumtemperaturvernetzende Siliconkautschuke dienen unter anderem als Kleb- und Dichtmaterial

RTV-1 Siliconkautschuke sind einkomponentige, anwendungsfertige RTV-Systeme. Sie bestehen aus Polydimethylsiloxan, Vernetzer, Füllstoff und Hilfsstoffen. Nach der Applikation setzt bei Zutritt von Luftfeuchtigkeit die Vernetzung unter Abgabe von Spaltprodukten ein. Sie beginnt an der Oberfläche des aufgetragenen Siliconkautschuks, bildet eine Haut und setzt sich ins Innere der Masse fort. Je nach Vernetzertyp werden bei der Vulkanisation geringe Mengen eines Amins an Essigsäure oder einer neutralen Verbindung, z. B. Alkohol, freigesetzt. Mit ihren herausragenden Eigenschaften lösen RTV-1 Siliconkautschuke vielfältige Abdichtungs-, Verklebungs- und Beschichtungsprobleme. Ihre hervorragende Witterungs- und Alterungsbeständigkeit resultiert aus den besonderen chemischen Eigenschaften.

RTV-1 Siliconkautschuke eignen sich ideal für nahezu alle Anwendungen zur Abdichtung, Verklebung und Beschichtung. Entsprechend umfangreich und vielfältig sind die Einsatzbereiche dieses Werkstoffs in unterschiedlichen Industrien wie z.B. Automotive, Construction, Haushaltsgeräte, Elektro und Elektronik, Health Care, Medizintechnik und Textil.

Silicongele

Silicongele härten zu sehr weichen Vulkanisaten aus

Als Silicongele wird eine spezielle Gruppe der RTV-2 Siliconkautschuke bezeichnet, die sich durch eine besonders niedrige Vernetzungsdichte auszeichnet und somit zu sehr weichen Vulkanisaten unterhalb des Shore-A-Härtebereichs führt. Silicongele werden häufig als dämpfende Materialien bei medizinischen Anwendungen eingesetzt oder auch als Vergussmassen bei elektrischen und elektronischen Anwendungen. Hier wird vor allem geschätzt, dass sie bei Temperaturschwankungen einen nur minimalen thermischen Stress auf die eingeschlossenen Bestandteile ausüben. Silicongele sind stets additionsvernetzende Siliconkautschuke.

Silicongele eignen sich für verschieden industrielle Anwendungen: etwa im Bereich Automotive, der Mittel- und Hochspannungstechnik sowie in der Health Care und Medizintechnik. Insbesondere für die Automotive Industrie bieten wir Tieftemperaturgele und fluorierte Materialien an.