Auf zu neuen Ufern - Wacker Chemie AG


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Auf zu neuen Ufern

Sven Vetters, 44, blickt in lauter betretene Gesichter, als er sich am Morgen des 3. Juni 2013 mit einigen Kollegen vor dem Siltronic-Werktor in Freiberg trifft. Ja, sicher, sie hatten ausgemacht, gemeinsam rund 500 Kilometer von Freiberg nach Burghausen zu radeln. Aber auf dem Landweg, nicht im Wasser. Es regnet in Strömen, nicht nur an diesem Morgen, sondern seit Wochen – und die geplante Route führt mitten durchs Hochwassergebiet.

Sven Vetters trotzt beim Radfahren Wind und Wetter. Zusammen mit Freiberger Kollegen radelte er schon zu den WACKER-Werken in Nünchritz und Burghausen.

Sven Vetters stört das nicht weiter. „Ich kann auch beißen“, sagt er. 1995 fing er damit an, größere Radtouren zu unternehmen. Seitdem hat er rund 100.000 Kilometer zurückgelegt, ist also rund zweieinhalb Mal um die Erde geradelt.

Anfangs unternahm er kleinere Touren mit den Freiberger Radfreunden, aber er ist auch schon von der französischen Normandie aus entlang der Atlantikküste bis nach Spanien zum Wallfahrtsort Santiago de Compostela geradelt. 2010 nahm er sich ein halbes Jahr Auszeit bei der Siltronic AG, wo er als Anlagentechniker in der Leitstelle die zentrale Ver- und Entsorgung steuert und überwacht. Er fuhr mit seinem Trekking-Rad über Österreich, die Ukraine und Russland bis ans Kaspische Meer. „Ich bin WACKER noch heute dankbar, dass mir das ermöglicht wurde“, sagt er.

Jetzt also soll es im Hochwasser-Sommer nach Burghausen gehen. Vetters redet seinen Teamkollegen gut zu: „Laut Wetterbericht scheint bald wieder die Sonne. Ehrlich.“ Na schön, dann also los. Immerhin geht es darum, Kilometer für das Stadtradeln zu sammeln.

Im Jahr 2012 gab es bereits einen Radausflug mit 21 Kollegen zu WACKER nach Nünchritz. Letztes Jahr, 2013, beteiligten sich 24 Siltronic-Mitarbeiter an der bundesweiten Aktion – von der Labormitarbeiterin, die 60 Kilometer in drei Wochen betrug, bis hin zu Sven Vetters vierköpfigem Sportlerteam.

Schon nach wenigen Kilometern passiert an jenem Junitag genau das, was außer Vetters alle anderen befürchtet hatten: Die Mulde ist über die Ufer getreten, eine Polizeisperre hindert die Männer an der Weiterfahrt. Allerdings nicht lange. Der Radweg steht höchstens einen halben Meter unter Wasser, da kann man doch locker durchfahren. Hinterher haben alle nasse Füße, aber das macht nichts, es regnet ja sowieso.

Am zweiten Tag, kurz vor Waldsassen, kommt tatsächlich die Sonne raus. Trotzdem beschließt das Siltronic-Team beim Frühstück am dritten Morgen, besser nicht an der Donau entlang bis nach Passau zu radeln. Sie nehmen lieber die Strecke an der B15 über Landshut. Auch hier müssen sie einmal durch einen überfluteten Bach waten, aber der Rest der Strecke ist halbwegs trocken. Und unterwegs finden sich Gasthäuser mit warmen Heizkörpern, an denen feuchte Klamotten ganz schnell wieder trocknen.

Nach fünf Tagen und 530 Kilometern Fahrstrecke erreichen die Männer das WACKER-Werktor in Burghausen. Dort wird für sie zur Belohnung eine Werkrundfahrt organisiert – nicht mit dem Fahrrad, sondern im VW-Bus. Die Sonne strahlt an diesem Morgen. Sven Vetters und sein Team sind froh, dass sie all die Strapazen auf sich genommen haben. Auch, weil sie einen guten Teil zu den insgesamt 9.639 Kilometern beitragen konnten, die das gesamte Siltronic-Team beim Stadtradeln 2013 erradelt hat. Damit belegten sie in Freiberg einen respektablen 4. Platz unter 32 Teams.