Die große Flut - Wacker Chemie AG


Wir sind WACKER

Die große Flut

Am Tag, bevor das Hochwasser kommt, ist Jürgen Schmidt noch guter Dinge. Elbaufwärts in Dresden wird ein Höchststand von 8,80 Metern prognostiziert, das sind 60 Zentimeter weniger als beim Jahrhunderthochwasser 2002.

Jürgen Schmidt war im Jahr 2013 auch privat vom Hochwasser betroffen.

Also beruhigt Schmidt seine Frau, die an Multipler Sklerose leidet und deswegen gehbehindert ist: „Uns hier in Nünchritz wird schon nichts passieren – wir sind ja auch 2002 mit einem blauen Auge davon gekommen.“ Sicherheitshalber hat er trotzdem Wohnzimmertisch und Stühle auf den Dachboden gebracht und einige andere Möbel in der Garage von Freunden untergestellt. Auch ein paar Sandsäcke hat er aufgetürmt, obwohl sie „nur fürs Gemüt sind, um sich zu beruhigen, denn das Wasser geht trotzdem durch.“

In Dresden wurde nach 2002 der Hochwasserschutz deutlich verbessert. Das führt dazu, dass die Elbe im Jahr 2013 wesentlich schneller fließen kann und die Pegel bei gleicher Wassermenge nicht so stark steigen. Für Nünchritz gilt das allerdings nicht, denn hier dauert im Juni 2013 die Planungsphase noch an. Die alten Dämme werden überflutet. 300 Meter entfernt steht innerhalb weniger Stunden die Siedlung von Jürgen Schmidt unter Wasser.

Wie durch ein Wunder läuft bei den Schmidts kein Wasser in das Einfamilienhaus, in das sie im Dezember 2001 eingezogen sind. Der Schrecken folgt erst in den nächsten Tagen: Das Wasser bahnt sich den Weg durch die Bodenplatte und zieht langsam die Wände hinauf. Drei Wochen dauert es, bis ein Gutachter kommt.

Im WACKER-Werk Nünchritz schützt eine Hochwassermauer die Kläranlage.

Danach steht fest: Die Dämmung ist vollgesogen mit Elbwasser, der Estrich ist hinüber, die Böden müssen raus. Jürgen Schmidt: „Das Haus war unbewohnbar und wir mussten wieder mit dem Trockenbau anfangen.“

Bei WACKER in Nünchritz gibt es fünf Tage Sonderurlaub für alle, die vom Hochwasser betroffen sind – auch für Jürgen Schmidt, der als Umweltmanager für die Abfall-Entsorgung verantwortlich ist. Wer möchte, bekommt vom Unternehmen Schaufel, Eimer, Handschuhe, Putzmittel und andere Utensilien für die Aufräumarbeiten. Wieder einmal zeigt sich, was Jürgen Schmidt so formuliert: „WACKER ist ein Glücksfall für die Region.“

WACKER HILFSFONDS

Im Juni 2013 hatte Deutschland ein weiteres schlimmes Hochwasser erlebt. Leider waren auch einige WACKER-Mitarbeiter in Sachsen, Bayern und Österreich betroffen. Zahlreiche Mitarbeiter folgten dem Aufruf des WACKER HILFSFONDS und spendeten über 52.000 Euro an die gemeinnützige Stiftung. Mit der Spende des Unternehmens kamen dann insgesamt Spendengelder in Höhe von über 156.500 € zusammen. Die Stiftung hat diesen Betrag an insgesamt 20 Betroffene ausgezahlt.

Das Werk selbst bleibt vom Hochwasser verschont. Im gefährdeten Bereich liegt nur die Kläranlage. Dort wurde jedoch vor einigen Jahren eine solide Schutzmauer gebaut. Und bei den Pumpenhäusern am Elbufer wurde die Elektronik so hoch installiert, dass keine Gefahr bestand.

Jürgen Schmidt und seine Frau ziehen nach der Katastrophe für fast fünf Monate in ein Ferienhaus. Beim Verlegen des Fußbodens helfen ihm seine Freunde vom Spielmannszug in Nünchritz. Der 47-Jährige tritt einer Bürgerinitiative bei, die sich dafür einsetzt, den Hochwasserschutz in Nünchritz zu verbessern. Trotzdem wird es nach den derzeitigen Planungen noch bis 2018 oder 2019 dauern, bis die Dämme deutlich höher und fester gebaut sind.