Die Basis des Erfolgs - Wacker Chemie AG


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Die Basis des Erfolgs

Strom und Salz. Das sind die Grundbausteine des Arbeitslebens. Zumindest für den promovierten Chemiker Dr. Guido Kallinger, der bei WACKER in Burghausen den Bereich Basischemikalien mit insgesamt 86 Mitarbeitern fachlich verantwortet.

Dr. Guido Kallinger (ganz vorne) in der Mitte des Teams in der Membranelektrolyse.

Alles beginnt mit einem Ski-Ausflug. Guido Kallinger ist vielleicht 12 oder 13 Jahre alt, als seine Eltern mit ihm übers Wochenende in die Berge fahren. Die Familie wohnt in Straubing, und so führt ihr Weg an einem großen Industriekomplex in Burghausen vorbei. Guido ist fasziniert von den riesigen Chemieanlagen. „Das war der Auslöser“, sagt er heute, „von diesem Moment an habe ich begonnen, mich für Chemie zu interessieren.“ Später studiert er in München, schreibt nach erfolgreichem Abschluss mehrere Bewerbungen – und landet dann „durch Zufall“ tatsächlich in jenen Chemieanlagen, die ihn in seiner Jugend so neugierig gemacht haben.

Nach mehreren Jahren als Laborleiter ist Guido Kallinger heute mit seinem Team für die Produktion der Basischemikalien zuständig. „Wir versorgen fast alle Bereiche am Standort“, erklärt der 47-Jährige, „würden wir nicht produzieren, stünden alle Betriebe still. Sogar das Gas- und Dampfturbinenkraftwerk.“ Die Stoffe, die für WACKER so wichtig sind, entstehen durch die Verarbeitung von Steinsalz in der so genannten Membranelektrolyse. Dabei fließt elektrischer Strom durch eine Salzlösung und erzeugt in einer chemischen Reaktion die Grundchemikalien Chlor und Wasserstoff, aus denen wiederum Chlorwasserstoff gewonnen wird. Als Nebenprodukt fällt Natronlauge an.

„Mit Ausnahme der Polymere basieren fast alle WACKER-Produkte auf HCl, also auf Chlorwasserstoff“, sagt Guido Kallinger, „allerdings sind immer nur die Zwischenstufen chlorhaltig – die Endstufen sind fast immer chlorfrei. Jedes Chloratom wird in unserer Verbundproduktion bis zu sechzehn Mal eingesetzt, bevor es das Werk wieder verlässt, zumeist über das Abwasser als Salz.“ Verbundproduktion bedeutet: Neben- oder Abfallprodukte werden nicht einfach entsorgt, sondern für die Herstellung eines anderen Produktes verwendet. Dabei entstehen häufig Stoffkreisläufe, die den Energie- und Rohstoffverbrauch stark senken. Der Nachteil, so Guido Kallinger: „Wenn man am Produktionsverbund etwas Grundlegendes ändern will, wird es extrem kompliziert.“ Das Team muss deshalb nicht nur die eigenen Anlagen im Blick haben, sondern auch sonst über jede geplante Neuerung im Werk informiert sein.

Auf dem Dach der HCl-Synthese: Dr. Guido Kallinger – im Abendrot über dem Norden des WACKER-Werks Burghausen.

Guido Kallinger trifft sich jeden Morgen um 8 Uhr mit seinem Führungsteam und bespricht den Tagesablauf. Die entscheidenden Fragen dabei: „Haben wir genug Salz aus unserem Bergwerk in Stetten? Und haben wir genügend Strom? Wie ist die Situation bei unseren Abnehmern?“ An jedem Tag kommt ein Güterzug voller Steinsalz in Burghausen an. Das Schichtpersonal öffnet die Klappen der Waggons und lädt das Salz auf ein Förderband, mit dem es zur Vorreinigung transportiert wird. „Das Entleeren der Waggons ist die einzige anstrengende manuelle Arbeit“, erklärt Kallinger. Tatsächlich laufen die Anlagen der Chlorelektrolyse und HCl-Synthese vollautomatisch. Die Mitarbeiter in den Messwarten überwachen 24 Stunden am Tag immer die Anlagen und steuern am Computer alle Funktionen – so werden Ventile schon lange nicht mehr mit dem Handregler geöffnet, sondern per Mausklick am Computer. Auch die Aufgabe der Schichtmitarbeiter hat sich im Laufe der Jahre stark verändert: Sie machen regelmäßige Kontrollgänge durch die Anlagen und entnehmen Laborproben.

Besonders stolz ist Kallinger auf die Entwicklung des Reinst-HCl, das vor allem die Elektronikindustrie benötigt. „Das war lange ein Nischenprodukt“, erzählt er, „aber in den letzten Jahren hat die Nachfrage stark angezogen. Das Schöne dabei: Wir haben alles selber gemacht – Konzeption, Anlagentechnik, Marketing. Das ist sehr befriedigend.“

Besonderen Spaß macht Guido Kallinger, selbst Familienvater, übrigens die Arbeit mit Kindern. Im Kindergarten mischt er mit den Kleinen Lösungen zusammen, bei denen sich mit jedem neue Tropfen aus der Pipette die Farbe ändert. Für die Volkshochschule hält er Vorlesungen an der „Kinderuni“ mit seinem Freund und Kollegen Dr. Christian Finger, beim Kreativtag der Burghausener Grundschulen leitet er chemische Experimente, bei denen die Kinder zum Beispiel Eis mit Hilfe von flüssigem Stickstoff herstellen. „Diese kleinen Experimente sind wichtig“, sagt Kallinger, “denn Kinder müssen für Chemie begeistert werden“ – so, wie es bei ihm selbst der Fall war, als er vor vielen Jahren zum ersten Mal an dem Chemiewerk in Burghausen vorbeifuhr.