Ein genialer Wurf - Wacker Chemie AG


Wir sind WACKER

Ein genialer Wurf

100 Jahre WACKER sind auch 100 Jahre technischer Fortschritt. Neue Verfahren und bessere Prozesse haben den Wandel vom kleinen Familienunternehmen zum weltweit agierenden Konzern vorangetrieben. Hinter diesem ständigen Wandel stehen Menschen wie der ehemalige Forschungsleiter Dr. Reinhard Jira (85) und die Betriebsleiterin Dr. Brigitte Patsch (36).

Dr. Brigitte Patsch und Dr. Reinhard Jira im Werk Burghausen an der Gedenktafel für das „2. WACKER-Verfahren“, das Chemiegeschichte schrieb.

Neben dem Schreibtisch von Dr. Brigitte Patsch hängt ein meterhoher Zeitplan an der Wand. Stolz zeigt die Betriebsleiterin auf einen Eintrag ganz unten auf dem Papier. „Hier, im zweiten Quartal 2015, geht unsere neue Anlage in Betrieb “, erzählt die junge Frau mit dem rötlichen Pagenschnitt. In einem der ältesten Gebäude auf dem Werkgelände in Burghausen, dem LP1, wird das Team von Brigitte Patsch dann eine neue Anlage für die Produktion von Sondermonomeren betreiben. Bis dahin ist noch viel zu tun. Die Chemikerin tauscht ihre schwarzen Stiefeletten gegen Arbeitssicherheitsschuhe und macht sich auf den Weg zu ihrem Betrieb.

Auch für das Wirken von Dr. Reinhard Jira hat das gelbe Gebäude LP1 eine Bedeutung. Genau hier hat WACKER vor fast 100 Jahren mit der Herstellung von Essigsäure begonnen. Und für eben dieses Verfahren hat Jira mit seinen Forscherkollegen in den 1950er-Jahren für das Ausgangsmaterial Acetaldehyd ein Herstellungsverfahren auf der Basis von Ethylen, einem petrochemischen Rohstoff, entwickelt.

Als der junge Chemiker 1955 zu WACKER ins Consortium kam, stand die chemische Industrie gerade vor dem Umbruch, nämlich Kohle durch petrochemische Rohstoffe zu ersetzen. Das bisherige Herstellungsverfahren für den Ausgangsstoff der Essigsäure war nicht mehr rentabel. „Wir hatten nach der Entdeckung durch Walter Hafner nur ein paar Monate Zeit, das neue Verfahren zu erforschen und umzusetzen. Gemütliches Forschen war das damals nicht“, sagt der Mann mit dem dichten, schlohweißen Haar.

Was er und seine Kollegen um Dr. Walter Hafner damals entdeckten, sollte Geschichte schreiben: Das Verfahren zur Produktion von Acetaldehyd auf petrochemischer Basis war ein genialer Wurf und schrieb als „2. WACKER-Verfahren“ Chemiegeschichte. Es wurde zu einem Grundstein für die Jahre des Wirtschaftswunders.

„Die Chance, an so einem neuen Verfahren mitzuarbeiten, kriegt man nicht oft“, sagt Brigitte Patsch heute. Für sie ist es eine Ehre, im historischen Gebäude LP1 eine Hightech-Anlage aufbauen zu dürfen. Im Lauf der Jahrzehnte wurden ringsherum viele neue und höhere Lagerhallen und Büros gebaut. Im ersten Stockwerk zeigt die Österreicherin eine leere, abgesperrte Fläche. Hier wird bald die neue Produktionsanlage stehen. Ihr Team betreibt das neue Verfahren schon in einer Pilotanlage. Lange Jahre an Forschung und Planung stecken dahinter.

Den Blick aus dem Fenster ihres Büros auf die dicken und dünnen Rohrleitungen hat Brigitte Patsch lieb gewonnen. Die Chemikerin kann sich gut vorstellen, noch eine ganze Weile in der Produktion zu bleiben. Auch Reinhard Jira hat die Kontinuität bei WACKER immer geschätzt. Er hilft heute noch ab und zu im historischen Firmenarchiv. 37 Jahre lang hat der ehemalige Forschungsleiter bei WACKER gearbeitet. „Warum hätte ich weggehen sollen?“, sagt er. „Ich war ja immer anerkannt.“