Der Schatzsucher - Wacker Chemie AG


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Der Schatzsucher

Er arbeitet nicht im Labor, sondern auf einer ehemaligen Kegelbahn. Und er schüttelt keine Reagenzgläser, sondern wälzt Aktenordner: Dr. Christian Finger hat eine Laufbahn eingeschlagen, die für einen Chemiker ungewöhnlich ist.

Im Historischen Archiv am Standort Burghausen bewahrt Dr. Christian Finger 1.000 Regalmeter voller Dokumente auf.

Der Leiter des historischen Unternehmensarchivs ist ein gefragter Mann: Wir treffen ihn, als er gerade vor 300 Gästen einen Vortrag beim WACKER-Lieferantentag gehalten hat. Natürlich ging es dabei wieder einmal um die Höhepunkte aus 100 Jahren WACKER-Geschichte, ein Thema, das den 51-Jährigen in diesen Wochen und Monaten nahezu rund um die Uhr beschäftigt.

Genau genommen hat Christian Finger zwei Arbeitsplätze: Ein ganz normales Büro und eben das Archiv, das in einem Kellerraum untergebracht ist, in dem früher einmal eine Kegelbahn stand. Das Schöne daran: „Hier gibt es keine Leitungen“, so Christian Finger, „Archivare hassen nämlich Leitungen, vor allem Wasserleitungen.“ Dafür gibt es hinter hellen Stahltüren auf Rollen rund 1.000 Regalmeter voller Dokumente. Angefangen von der Festschrift der Elektrizitätswerke Schuckert von 1893 über das Schulzeugnis des Firmengründers Alexander Wacker bis hin zu Verträgen und Laborberichten aus 100 WACKER-Jahren. Hier unten hat Finger die meisten der fotografischen Schätze zusammengetragen, die in der Chronik zu 100 Jahren WACKER zu sehen sind. „Diese Chronik ist ein wunderbares Medium, um die WACKER-Geschichte in die Welt zu tragen“, sagt Christian Finger, „es war für mich ein einmaliges Erlebnis, daran mit zu arbeiten.“ Die Chronik erscheint nicht nur als gedrucktes Buch, sondern mit verändertem Layout auch als E-Book. Finger bewirbt sich damit für den renommierten Preis als „Wirtschaftsarchiv des Jahres.“

Neben dem Archiv leitet Finger auch das GWIC, das „Global WACKER Information Center.“ Hier fragen Wackerianer aus aller Welt nach, wenn Sie Informationen für ihre tägliche Arbeit brauchen. Dann durchforsten Finger und seine Mitarbeiterinnen nicht nur das eigene Archiv und die eigene Fachbibliothek, sondern auch Spezialdatenbanken – meistens mit Erfolg. Christian Finger: „Wenn ich die benötigten Infos einmal nicht finde, weil sie vor Urzeiten in einem sibirischen Journal veröffentlicht wurden, dann empfinde ich das als persönliche Niederlage.“ Zum Glück passiert das nur selten. Anfangs kamen Anfragen ans GWIC vorwiegend aus Burghausen, aber inzwischen wissen nicht nur die deutschen Kollegen, sondern auch WACKER-Mitarbeiter in den USA und anderen WACKER-Ländern, dass sie von Christian Finger und seinen Mitarbeiterinnen Infos bekommen, die sie sonst nirgendwo finden.

Bevor Christian Finger zum „Leiter Information Management“ wurde, wie es offiziell heißt, hatte er mehrere Jahre in der chemischen Forschung hinter sich - als Laborleiter bei WACKER SILICONES. “Ich war damit glücklich und zufrieden“, sagt er heute. Dennoch reizte ihn zur Jahrtausendwende ein Wechsel innerhalb des Unternehmens – und er hat es bis heute nicht bereut.

Zweimal im Jahr jedoch kehrt er zu seinen Wurzeln zurück. Gemeinsam mit seinem Freund und Kollegen Dr. Guido Kallinger hält er seit fünf Jahren Experimentalvorträge an den „Kinderunis“ in Burghausen und Mühldorf, die von der Volkshochschule ins Leben gerufen wurden. Dort zeigen die beiden Wackerianer den Grundschulkindern, wie eine Wunderkerze auch unter Wasser weiterbrennt oder wie man Gummibärchen zum Leuchten bringt. Es ist den beiden dabei eine Herzensangelegenheit, den Kindern, entgegen dem aktuellen Trend in der Gesellschaft, eine Begeisterung für die Naturwissenschaften zu vermitteln. „Ich hab da mehr Lampenfieber als bei allen anderen Vorträgen“, erzählt Finger. Und davon gibt es nicht wenige: Finger referiert regelmäßig vor Kunden und Mitarbeitern. Ganz besonders freut er sich auf den Experimentalvortrag zur Geschichte der WACKER-Produkte, den er mit Guido Kallinger zum Tag der offenen Tür 2014 in Burghausen halten wird.

Christian Finger leitet auch den Arbeitskreis der Chemiearchivare, in dem die Archivare aller namhaften Chemie- und Pharmaunternehmen im deutschsprachigen Raum vertreten sind. Das Besondere daran: „Da gibt es außer mir nur noch einen Chemiker – alle anderen sind Historiker.“ Vermutlich wurde er genau deswegen für diese Aufgabe ausgewählt.