Von Höhen und Tiefen - Wacker Chemie AG


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Von Höhen und Tiefen

In einem Team arbeiten, das nie zum Einsatz kommt? Für andere WACKER-Mitarbeiter wäre das furchtbar. Aber Dietmar Sickinger freut sich, sagen zu können: „Wir haben bisher noch keinen Rettungseinsatz in Stetten gehabt.“ Er leitet das Team Höhenrettung, das aus fünf Männern besteht und ein Spezialteam der Grubenwehr ist.

Topfit: Das Höhenrettungsteam vom Dietmar Sickinger (rechts außen) übt im Salzbergwerk Stetten für den Ernstfall.

„Eigentlich“, fügt der 50-Jährige hinzu, „sind wir das Team Spezialrettung aus Höhen und Tiefen. Die Bezeichnung Höhenrettung ist an die Bergwacht angelehnt – aber es kommt ja auch auf den Standpunkt an.“

Kein einziger Rettungseinsatz – das spricht für die Sicherheit im Salzbergwerk Stetten. Aber so ganz stimmt es dann doch nicht, dass Dietmar Sickinger und seine Kollegen nie zum Einsatz kämen.

Denn außer Rettungseinsätzen gibt es ja noch die Arbeitseinsätze. Im Februar 2011 zum Beispiel platzt im Luftschacht des Bergwerks ein Wasserschlauch. Bei minus zehn Grad verteilt sich Sprühnebel im Schacht und bildet nach einiger Zeit einen dicken Eispanzer: Kein Förderkorb kann mehr nach oben oder unten fahren. Zwei Männer vom Team Höhenrettung seilen sich bis zu dem Eispanzer ab und bohren mit einem Dampfstrahler ein Loch ins Eis. Die andren Männer sichern die bis zu 200 Meter langen Seile. Nach wenigen Stunden ist der Wasserschlauch repariert und der Luftschacht wieder frei.

Im Jahr 2013 gibt es dann einen Arbeitseinsatz ganz anderer Art im 1.000-Tonnen-Salzsilo: Eine Edelstahlverkleidung hat sich gelöst und verstopft jetzt den Auswurf des Silos. Wieder gehen die Männer von der Höhenrettung „mit dem Seil rein“, wie Dietmar Sickinger es nennt. 30 Meter seilen sie sich ab, falten die Edelstahlblende zusammen und räumen den Auswurf frei. Nach sechs Stunden ist der Einsatz beendet und das Salz läuft wieder durchs Silo.

Die Männer vom Team Höhenrettung sind ehrenamtlich im Einsatz. An Tagen ohne Zwischenfälle arbeiten sie als ganz normale Bergleute. Pro Jahr absolvieren sie 72 Übungsstunden, um für den Ernstfall gewappnet zu sein. Zur Grundausbildung gehört ein einwöchiger Lehrgang bei der Werkfeuerwehr in Burghausen. Alle drei Jahre gibt es Wiederholungslehrgänge, dazwischen Sonderlehrgänge bei der Bergbau-Berufsgenossenschaft, bei denen etwa das Arbeiten im Seil geübt wird.

Zu den spannendsten und wichtigsten Übungen gehören jene, bei denen ein Absturz simuliert wird. „Es gibt ja viele Arbeitsbühnen“, erzählt Dietmar Sickinger, „dort sind die Leute zwar durch Gurte gesichert, aber wenn sie abstürzen, müssen sie schnell befreit werden. Denn die Gurte können die Blutversorgung wichtiger Organe abschnüren und es kann innerhalb von 20 Minuten zu einem Nieren- oder Leberversagen kommen.“

Bei der Simulation seilen sich die Retter zu einer aufblasbaren Puppe ab, die nach einem tiefen Sturz in den Gurten hängt. Sie verfrachten die Puppe in den Schleifkorb, eine wannenförmige Krankentrage, und transportieren sie nach unten oder ziehen sie nach oben.

Bevor jemand als Höhenretter aktiv werden kann, muss er sich auf seine Höhentauglichkeit untersuchen lassen. „Man muss schwindelfrei und körperlich topfit sein“, so Dietmar Sickinger, „und man braucht noch zwei weitere wichtige Eigenschaften: Zuverlässigkeit und Teamgeist – denn jeder, der im Seil hängt, muss sich absolut auf seine Kameraden verlassen können.“

Nicht nur die Übungen fördern dabei den Zusammenhalt, sondern auch das gemeinsame Feiern am Ende einer ganztägigen Übung. Und in diesem Jahr haben Sickinger und seine Männer noch etwas ganz Besonderes vor: Sie wollen die Übungsstrecke für Höhenretter in Singen besuchen – einen Parcours, auf dem verschiedene Rettungsaktionen geübt werden können, auf Plattformen, Hochregallagern oder in einem eingestürzten Gerüst.