Kommunikation entscheidet - Wacker Chemie AG


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Kommunikation entscheidet

Fünf chinesische Kollegen hat Timo Hagemeister um den Essenstisch versammelt. Während der Deutsche heute einmal auf Salat und Sandwich setzt, gibt es bei Jessie, Jason, Tony, Kevin und Ryan Reis, Gemüse, Fleisch und Suppe zu Mittag. Essenszeiten sind seinen Mitarbeitern heilig. Das musste Timo Hagemeister schnell lernen, als er 2011 nach Shanghai kam, um die Forschung und Entwicklung der chinesischen Siliconsparte neu aufzubauen. Ein Meeting in der Mittagszeit? – Geht gar nicht.

Dr. Hagemeister (zweiter von links) und sein Shanghaier Team fördern aktiv den interkulturellen Dialog zwischen Deutschland und China.

„Auch sonst war es ein Aufbruch ins Abenteuer“, erinnert Hagemeister sich. Forschung in China – dagegen gab es zuweilen historische Vorbehalte und der Anfang war nicht immer leicht. Mittlerweile hat Hagemeister aber in seinem Labor ein Team versammelt, mit dem er sehr zufrieden ist. Die ersten speziell für chinesische Bedürfnisse maßgeschneiderten Produkte sind auf dem Markt. „Wir merken, dass wir auch von den Kollegen in Deutschland voll akzeptiert werden", erzählt der gebürtige Westfale. Es hat sich ein Vertrauensverhältnis entwickelt, sagt Hagemeister. „Weil wir ehrlich und pragmatisch sind und auch mal zugeben, wenn etwas nicht perfekt gelaufen ist.“

„Kommunikation ist absolut entscheidend“, sagt Timo Hagemeister, „vor allem, wenn das Wissen über Silicone und die Erfahrung noch eher ungleich über die Regionen verteilt sind.“ Der promovierte Chemiker hat gleich die naturwissenschaftliche Erklärung parat: „Wenn diese Kompetenz diffundieren soll, etwa von Deutschland nach China, dürfen keine Barrieren im Weg sein“, sagt er. Schließlich soll es in Zukunft in Shanghai noch mehr um eigene Forschung gehen, die neue Produkte für den chinesischen Markt entwickelt.

Also hat Hagemeister an einem Programm mitgewirkt, das den Wissenstransfer systematisch verbessern soll. Sein R&D-Team war als erstes an der Reihe, andere folgen aktuell. Auf dem Plan für die nächsten Monate stehen interkulturelle Trainings für deutsche und chinesische Kollegen sowie eine ganze Reihe gegenseitiger Besuche mit mehrwöchigen Arbeitsaufenthalten.

Das Tagesgeschäft leidet darunter nicht. Im Gegenteil, Forscher wie Dr. Jessie Lin können in Burghausen im Labor ihres Mentors weiter an den chinesischen Projekten arbeiten. Die Expertin für Emulsionen freut sich auf den Austausch. „Ich habe bei meinen bisherigen Besuchen in Deutschland schon so viel gelernt, über die Produkte, über das Unternehmen, aber auch über die Kommunikation mit den deutschen Kollegen“, schwärmt Jessie Lin. „Es wird jedes Mal besser.“ Im Herbst ist sie sogar im 30 Jahre alten Dirndl mit ihren deutschen Kollegen auf die Wies'n gegangen. Die Tracht hatte ihr die Frau eines Burghauser Kollegen geliehen.

Auch Jessies Kollege Jason Jin ist überzeugt, dass der internationale Austausch von zentraler Bedeutung ist. Gleich nach dem Interview hat er ein Treffen mit japanischen Kollegen. Auch mit Anwendungstechnikern in Indien, Korea oder den USA steht er kontinuierlich in Kontakt. Besonders freuen sich die chinesischen Entwickler, wenn sie ihre internationalen Kollegen durch die neuen Shanghaier Labors führen dürfen.