Die allererste WACKER-Laborantin - Wacker Chemie AG


Wir sind WACKER

Die allererste WACKER-Laborantin

Petronella Pichler absolvierte als erste Frau bei WACKER eine Ausbildung zur Chemielaborantin. Das war im Jahre 1942. Und es war ziemlich mutig.

Petronella Pichler (Mitte) war einst die allererste Laborantin bei WACKER in Burghausen. Ihre Tochter Helga Titze und ihr Schwiegersohn Manfred Titze arbeiten heute auch im WACKER-Konzern.

Die alte Dame ist ganz aufgeregt: Mehr als 70 Jahre ist es jetzt her, seit Petronella Pichler als Laborhelferin zu WACKER kam. Und als sie jetzt an ihre alte Wirkungsstätte zurückkehrt, fallen ihr jede Menge Erlebnisse ein, die sie längst vergessen glaubte.

Eigentlich darf Petronella nur deshalb bei WACKER anfangen, weil 1942 viele junge Männer zum Kriegsdienst eingezogen sind. Darunter auch der Chemielaborant, dessen Ausbildungsplatz sie schon bald bekommt. Im Dezember 1946 legt sie ihre Laborantenprüfung ab und arbeitet danach unter anderem im Essigsäurebetrieb und in der Forschungsabteilung. „Dort haben wir alles erforscht und hergestellt“, erzählt sie, „sogar Skiwachs und Rattengift.“ Und verschmitzt fügt sie hinzu: „Und zu Weihnachten haben wir Sternewerfer gemacht, also Wunderkerzen, wie man heute sagt.“

In den Nachkriegswirren geschehen auch bei WACKER in Burghausen noch Dinge, die heute undenkbar wären. Zum Beispiel mit dem Ethanol: „Da haben wir den Alkohol rausdestilliert und daraus Eierlikör gemacht. Oder wir haben ihn ein paar Kilometer weiter in Österreich eingetauscht gegen Weihnachtskugeln.“ Einmal erwischt sie ihr Chef, „der Doktor“, beim Destillieren. Aber er schaut nur aufs Thermometer und sagt: „Aha, 78 Grad!“ – natürlich weiß er, dass sich bei dieser Temperatur der Alkohol abspaltet.

Eine teure Erfahrung macht Petronella 1947, nachdem sie sich zum ersten Mal in ihrem Leben Perlonstrümpfe gekauft hat – für 200 Mark. Sie trägt die Strümpfe im Labor, wo ein Kollege seinen Glaskolben auswäscht. An sich nichts Ungewöhnliches, aber: „Da war Aceton drin, und meine Strümpfe haben ein paar Spritzer abbekommen.“ Von da an weiß sie: „Aceton löst Perlon auf.“

1953 heiratet Petronella einen Automechaniker, der 220 Mark im Monat verdient. Sie selbst verdient bei WACKER mehr als doppelt so viel, nämlich 450 Mark – denn WACKER zahlt schon zu Beginn der Wirtschaftswunderjahre vergleichsweise hervorragende Löhne. Auch Petronellas Mann bewirbt sich bei WACKER und wird im Januar 1957 als Mess- und Regelmechaniker eingestellt. Aber jetzt hatte Petronella ein Problem: „Mein Mann und ich durften nicht gleichzeitig bei WACKER arbeiten“, sagt sie, „damals war es bei Ehepaaren noch üblich, dass nur der Mann arbeitete.“ Petronellas Chef besteht darauf, dass sie die Versuchsreihe zu Ende bringt, an der sie gerade mitarbeitet. Er erwirkt eine Ausnahmegenehmigung: Petronella Pichler darf noch bis März 1957 als Laborantin arbeiten. Danach kümmert sie sich daheim um den Haushalt und bringt 1959 ihre Tochter Helga zur Welt.

Immerhin: Auch Helga trägt das WACKER-Gen in sich und fängt 1976 als Kontoristin an. Später lernt sie an einem Badesee einen Mann kennen, der ebenfalls bei WACKER arbeitet. Die beiden heiraten, aber zum Glück haben sich die Zeiten geändert. Petronella Pichlers Tochter muss ihren Job nicht mehr für ihren Mann aufgeben – beide, Helga und Manfred Titze, arbeiten bis heute bei WACKER POLYMERS. Sie als Sachbearbeiterin für Arbeitssicherheit und Gesundheit, er als Meister in einem Produktionsbereich für Dispersionen.

Und Petronella Pichler? Die 87-Jährige genießt ihren Ruhestand, lebt in einer eigenen Zwei-Zimmer Wohnung und fährt ab und zu mit ihrem Auto spazieren, einem Mercedes. Auf Internet und Handy verzichtet sie, aber ansonsten probiert sie bis heute immer wieder gerne etwas Neues aus: „Zum Ausprobieren ist es nie zu spät“, sagt sie, „vor allem beim Essen.“ Demnächst will sie sich zum ersten Mal in ihrem Leben an der chinesischen Küche versuchen.