„Haustierchen“ für Heilmittel - Wacker Chemie AG


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„Haustierchen“ für Heilmittel

Die Biotechnologen am Consortium in München beschäftigen sich weder mit Polymeren noch mit Siliconen. Stattdessen begeistern sie sich für Bakterien. Unsere „Haustierchen“ nennen sie diese liebevoll.

Team Molekularbiologie und Laborfermentation des Consortiums: (von links) Markus Brunner, Silke Einzig, Alexander Leinauer, Jutta Waldherr, Dr. Marcel Thön, Katharina Wieshuber und Julia Halfar

Mit einem sanften, gleichmäßigen Schwung dreht sich die hellbraune Flüssigkeit langsam im Kreis. Sonden überwachen unter anderem Temperatur und Sauerstoffgehalt. Ein Rührstab hält das Gemisch in Bewegung. Was die Mikroorganismen in einem Zeitraum von zwei bis drei Tagen produzieren, könnte die Grundlage für ein Medikament gegen Krebs oder Multiple Sklerose sein.

30 Mitarbeiter arbeiten im Consortium, der zentralen Forschungseinrichtung von WACKER, im Fachbereich Biotechnologie. Einer von ihnen ist Markus Brunner. „Viele Produkte sind zu komplex, um sie mit chemischer Synthese herzustellen“, erklärt der Forscher. „Darum erkunden wir biotechnologische Prozesse.“

Seine beiden Mitarbeiter und er müssen die Bakterien im flüssigen Nährmedium dazu bringen, möglichst viel von den gewünschten Proteinen zu produzieren. Der junge Biotechnologe aus der Hallertau untersucht zum Beispiel, bei welcher Temperatur die Mikroorganismen kultiviert werden müssen, damit ein gutes Bakterienwachstum und hohe Proteinausbeuten erreicht werden.

Die Bakterien, die bei Brunner im Fermenter schwimmen, kommen aus dem Labor von Dr. Marcel Thön. Seine Aufgabe ist es, diese kleinsten Mikroorganismen umzuprogrammieren. „Ein wahnsinnig spannender Job“, erzählt der junge Forscher aus Thüringen begeistert. „Ich bringe die Bakterien dazu, dass sie etwas machen, was sie vorher nicht gemacht haben.“ Seit 2011 leitet der 34-Jährige eine Arbeitsgruppe am Consortium. Er hofft, dass in 100 Jahren kein Mensch mehr an Krebs sterben muss. Vielleicht können seine Bakterien einen Beitrag dazu leisten.

Weil nur wenige dieser „Haustierchen“ wirklich vielversprechend sind, setzt Thön in seinem Labor auf Masse. Tausende von Proteinproben untersucht der Forscher mit seinen fünf Laborantinnen. Den Löwenanteil der Arbeit erledigt allerdings ein Kollege, der nicht auf der Gehaltsliste steht. „Robbi“, so haben ihn Thöns Mitarbeiter getauft, ist ein so genanntes High-Throughput-System. Ein Roboter, der Tausende von Proteinproben in Reaktionsgefäße füllt, analysiert und die Ergebnisse erfasst.

Trotz Roboter bestimmen aber die Mikroorganismen den Arbeitsalltag der Biotechnologen. Markus Brunner und seine beiden Mitarbeiter müssen ihren Rhythmus ganz nach deren Wachstum richten. Weicht zum Beispiel deren Wachstumsgeschwindigkeit nur geringfügig vom Plan ab, muss die Mittagspause schon mal warten.

In der Freizeit hat Brunner eine klare Zeiteinteilung: Das Spiel dauert 90 Minuten, und der Naturwissenschaftler ist mit Leidenschaft dabei. Denn die Mitarbeiter des Consortiums treffen sich regelmäßig zum Feierabend-Kicken auf dem Fußballplatz nebenan. Brunner engagiert sich auch für die Matches gegen ein Fußballteam aus der WACKER-Hauptverwaltung. „Die letzten beiden Spiele haben wir trotz großem Einsatz verloren“, erzählt Markus Brunner. Doch im Grunde ist es beim Fußball wie bei der Bakterienforschung: Es kann immer ein überraschend großer Erfolg dabei sein.