Energiespeicher von morgen - Wacker Chemie AG


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Energiespeicher von morgen

Dr. Stefan Haufe fährt jeden Morgen mit dem E-Bike zur Arbeit. Noch ist er damit ein Exot. Doch der Chemiker arbeitet an neuen Batterien aus Silicium, mit denen die Elektromobilität ihren Siegeszug antreten soll.

Im Prüflabor für hochleistungsfähige Lithium-Ionen-Batterien (von links): Brigitte Kunath, Stefan Beiergrößlein, Monika Schröttle, Frauke Kirschbaum, Simone Gerstmeier, Dr. Stefan Haufe und Julia Henker.

Stefan Haufe hat eine klare Vorstellung von der Zukunft: In einigen Jahren sollen die Akkus, an denen er forscht, Elektroautos oder kleineren elektronischen Geräten Energie geben. „Ich will unser Material in der Batterie sehen“, sagt der Forscher. „Wissenschaftlicher Erkenntnisgewinn ist erstrebenswert, aber am Ende möchte ich ein Produkt in den Händen halten“, sagt der 43-Jährige.

Der gebürtige Westfale, der in München promoviert hat, arbeitet seit gut fünf Jahren im Consortium für elektrochemische Industrie. Hier, in der zentralen Forschungsstätte von WACKER, traut man den Lithium-Ionen-Batterien auf Siliciumbasis viel zu. 20 bis 30 Prozent mehr Energie könnten sie speichern und so die Reichweite von Elektroautos oder die Laufzeit von Consumer-Geräten wie Notebooks und Handys deutlich vergrößern.

Im Rahmen von öffentlich geförderten Projekten, die durch die „Nationale Plattform Elektromobilität“ initiiert wurden, arbeitet WACKER unter anderem eng mit Zellherstellern und der Automobilbranche zusammen. Neben Stefan Haufe kümmern sich etwa 30 Mitarbeiter bei WACKER um das Thema Energiespeicher der Zukunft. Sie wollen Lithium-Ionen-Batterien mit Silicium leistungsfähiger machen. Dabei soll Silicium teilweise das Graphit ersetzen, das bisher für die Anode der Batterie verwendet wird. Doch bis es so weit ist, haben Stefan Haufe und seine Kollegen noch einige Herausforderungen zu meistern. Denn bisher verlieren die Silicium-Akkus noch zu schnell ihre Energiespeicherfähigkeit.

Stefan Haufes Aufgabe ist es, mit den im Consortium synthetisierten Materialien Test-Batterien aufzubauen und diese im Detail zu prüfen. Das passiert im Herzstück seines Labors, dem Batterieprüflabor. „Bei meinen Mitarbeitern ist das hier im Sommer ein beliebter Arbeitsplatz“, sagt der Mann mit den vielen Sommersprossen verschmitzt. Kühl ist es im Messlabor, Dioden blinken. 350 verkabelte Batterien, auf Steckkarten in einem großen Regal aufgereiht, werden hier gleichzeitig getestet. Die Batterien werden immer wieder ge- und entladen. Auch nach Hunderten von Lade- und Entladezyklen sollen sie einen großen Teil ihrer Kapazität behalten.

Mit seiner Begeisterung für die nachhaltige Energieerzeugung steckt Stefan Haufe auch seine sechs Mitarbeiter im Labor an. „Für unsere Chemielaboranten war es anfangs eine ganz neue Herausforderung, Batterien zu bauen und zu testen. Das hohe Maß an Reproduzierbarkeit zeigt, wie versiert sie jetzt darin sind“, sagt Haufe. „In unserem Team arbeiten wir alle voller Überzeugung an diesem Projekt.“

Vieles ist noch Zukunftsmusik im Bereich der Elektromobilität. Bei Stefan Haufe aber ist die neue Technologie schon im Alltag angekommen. Die heutigen Elektroautos überzeugen ihn zwar noch nicht, sagt der Forscher. Aber die 15 Kilometer von seinem Zuhause in einem Vorort von München bis ins Consortium legt der Vater von drei Kindern bereits auf dem E-Bike zurück.