In der Unterwelt - Wacker Chemie AG


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In der Unterwelt

Vor fast 100 Jahren wurden die ersten Kanalmeter unter dem Werkgelände in Burghausen gegraben. Daraus ist ein weit verzweigtes Netz von 166 Kilometern Kanälen entstanden. Das Team der Bauwerkstatt ist heute vor allem mit der Wartung und der Dichtheitsprüfung der unterirdischen Rohrleitungen beschäftigt.

Anton Hennersberger (rechts), Roland Winzl (dritter von rechts) und Rupert Leipold (sechster von rechts) mit dem Team der Burghauer Bauwerkstatt.

Von unten steigt leichter Dampf herauf, es riecht nach Kunststoff. „Das hier ist ein PVC-Kanal, zu erkennen am lilafarbenen Kanaldeckel“ erklärt der Meister der Bauwerkstatt Roland Winzl. Seine Leute haben schon ein Dreibein mit einem Seilzug über den geöffneten Schacht gestellt. Damit wird der Kollege gesichert, der mit Klettergurt, Atemschutzgerät und orangefarbenem Säureschutzanzug in die Tiefe steigt.

Die Kanalbauer prüfen, ob die teilweise bis zu 80 Jahre alten Rohre noch dicht sind. Sie beseitigen kleinere Risse und reinigen die Schächte. „Recht empfindlich muss man da nicht sein“, erzählt Vorarbeiter Rupert Leipold und leuchtet mit der Taschenlampe in den Schacht. Ratten gebe es kaum, erzählt er. Dafür habe einer der Kollegen in einem Regenwasserschacht schon ein ganzes Knäuel Schlangen gesichtet.

Auf einem großen Plan an der Wand von Roland Winzls Büro sind alle Kanäle eingezeichnet. In den letzten Jahren sind jeweils zwei bis drei Kilometer neue Kanäle hinzugekommen. Alleine mit den gesetzlich vorgeschriebenen Dichtheitsprüfungen sind sieben von Winzls Mitarbeiten gut beschäftigt. Rupert Leipold und seine beiden Kollegen haben heute mit dem LKW der Bauwerkstatt schon 13 Schächte abgeklappert. Insgesamt führen 3.600 dieser Zustiege auf dem Werkgelände hinab in die Unterwelt. Teilweise reichen die Eisentritte in den engen Schächten bis zu 15 Meter unter die Erde.

Die andere Mitarbeiter von Roland Winzl sind in der Holzbearbeitung und im Säurebau beschäftigt. Zwei Maurer erledigen kleine Reparaturen an chemikalienbeständigen Böden oder an den Beschichtungen von Behältern. Die Zimmerer kümmern sich in der Bauwerkstatt um kleine und größere Holzarbeiten. In dem historischen Werkstattgebäude von 1935 werden fast täglich neue Bretter und Platten angeliefert. Das Team baut daraus zum Beispiel Transportkisten für große Anlagenteile, die zu anderen Standorten oder zur Reparatur versandt werden. Aber sie stellen auch filigrane Probekörper für die Labore her oder kümmern sich um eilige Reparaturen in den Betrieben.

Winzls Vorgesetzter Anton Hennersberger schwärmt vor allem von der Flexibilität seiner Mitarbeiter. „Die unterstützen sich gegenseitig, wo es geht“, sagt er. „Außerdem haben die Leute über lange Jahre betriebsspezifisches Fachwissen über die Besonderheiten eines Chemiewerks aufgebaut. Dieses Wissen kann man von außen nicht zukaufen.“

Teambuilding-Seminare bräuchten sie jedenfalls keine, meint Roland Winzl. Seine Leute halten zusammen, erzählt der sportliche 36-Jährige. Egal, ob im Kanalbau oder beim Fußballturnier in der Freizeit. Gegeneinander gehe es nur in der Mittagspause – beim Kartenspielen.