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#GreenRecovery
Jetzt die Weichen für eine nachhaltige Produktion in Europa stellen!

Solarzellen im Grünen bei Sonnenuntergang

Warum es gerade jetzt darauf ankommt, wettbewerbsfähig zu bleiben - mit einem fairen Strompreis für die europäische Industrie, zur Sicherung von Arbeitsplätzen für eine grüne Zukunft.

Zur Überwindung der Corona-Krise bietet ein Industriestrompreis die Chance, den Weg zur Klimaneutralität politisch zu ebnen. Im Instrumentenkasten eines Green-Recovery-Programms darf ein Industriestrompreis nicht fehlen.

Dr. Rudolf Staudigl | Vorstandsvorsitzender | Wacker Chemie AG

Es geht um mehr.

Globus in Nahaufnahme

Förderung einer industriefreundlichen, nachhaltigen Politik bedeutet nicht nur Wettbewerbsvorteile.
Es geht um mehr: Die Zukunft unserer Welt entscheidet sich heute.

Die Corona-Krise wird ihre Spuren hinterlassen

Der Shutdown der europäischen Wirtschaft zum Schutz der Bevölkerung wird weitreichende ökonomische Folgen mit sich bringen. Jetzt kommt es darauf an, mit klarem Kopf durch diese herausfordernde Zeit zu gehen.

Vernunft und Zusammenarbeit sind in Krisenzeiten mehr denn je gefragt

Die Corona-Pandemie führt vielen Menschen vor Augen, dass die Weltbevölkerung nicht nur ökonomisch, sondern auf vielfältigen Wegen verbunden ist. Die Krise birgt die Chance, dass aus dieser Erkenntnis nun auch politische Verbundenheit auf globaler Ebene erwächst. Denn internationale Zusammenarbeit ist nationalen Alleingängen deutlich überlegen. Das gilt auch für das, was neben der Krisenbewältigung jetzt ansteht, nämlich: die Vorbeugung gegenüber neuen Krisen – seien es neuartige Viren oder die bereits seit Jahrzehnten drohende Klimakrise. Es ist 5 vor 12, um die Herausforderungen der Klimakrise heute entschlossen anzupacken.

Die Corona-Krise verändert die Welt

Wir wünschen uns, dass wir alle – wenn wir als Gesellschaft die jetzige Krise überstanden haben – noch rechtzeitig alles Nötige in die Wege leiten können, um die nächste Krise abzuwenden. Die Krisenresilienz mit Blick auf den Klimawandel bedeutet: Alle Konjunkturprogramme, die jetzt aufgelegt werden, sollen dazu beitragen, die Klimaziele zu erreichen. Die EU-Kommission und zahlreiche EU-Mitgliedstaaten – darunter auch Deutschland – haben entsprechende Konjunkturprogramme für den Klimaschutz angekündigt. Deutschland wird im Rahmen der EU-Ratspräsidentschaft seinen Beitrag leisten müssen, damit die EU-weite Umsetzung dieser Klimakonjunkturprogramme in die richtigen Bahnen kommt. Deutschland kann dabei zum Motor einer #GreenRecovery werden und zeigen, dass der European Green Deal die europäische Wertschöpfung branchenübergreifend stärken kann. Ökologie und Ökonomie sind dabei keine Gegensätze, sondern müssen unter einen Hut gebracht werden.

Die Europäische Union braucht einen konstruktiven Green Deal

Kernelement der deutschen Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2020 muss es sein, einen konstruktiven Green Deal auf den Weg zu bringen. Sowohl in Deutschland als auch in Europa drängen wichtige Akteure der Wirtschaft, Wissenschaft und aus Verbänden auf einen ambitionierten Klimaschutz. Er soll einen Innovationsschub auslösen und die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Europäischen Union sichern und stärken. Erneuerbare Energien spielen dabei die zentrale Rolle, da sie Klimaschutz und einen wirtschaftlichen Neustart ermöglichen.

Die Krise ist ein produktiver Zustand. Man muss ihr nur den Beigeschmack der Katastrophe nehmen.

Max Frisch

Klima-Konjunkturprogramm für die Industrie – Krisenbewältigung als Katalysator für die klimaneutrale Transformation

Die Industrie – und speziell die energieintensiven Unternehmen steht angesichts der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie vor besonders großen Herausforderungen. Gleichzeitig kann sie wesentlich dazu beitragen, die Klimaziele zu erreichen.

Dazu braucht es jetzt neue Politikinstrumente, damit die Transformation der Industrie in Richtung Klimaneutralität gelingen und gleichzeitig ihre Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit in der aktuell schwierigen wirtschaftlichen Lage gestärkt werden kann. #GreenRecovery-Maßnahmen müssen die Industrie krisenfest machen und sie bei der Transformation zum Erreichen der Klimaschutzziele unterstützen.

Drei Herausforderungen für die europäische Grundstoff-Industrie

  • Klimaneutralität bis 2050
  • Systemwettbewerb mit China
  • Bewältigung der Auswirkungen von Corona

Grundstoffindustrien in Europa stehen im Wettbewerb mit vielen Wirtschaftsregionen, in denen Energiepreise industriepolitisch reguliert sind. So liegt etwa in West-China der staatlich geförderte Industriestrompreis für energieintensive Abnehmer bei weit weniger als der Hälfte des Preises, den energieintensive Unternehmen wie WACKER in Deutschland bezahlen müssen. Nicht nur langfristig angelegte Innovationsverfahren sowie Investitionen in neue klimaneutrale Anlagen erhöhen die Kosten für heimische Produzenten im Vergleich mit internationalen Wettbewerbern. Genauso führen der wachsende Strombedarf sowie mittelfristig steigende Stromkosten zu einem weiteren Anstieg der Produktionskosten in der EU. Deshalb gibt es den Vorschlag, den Schutz vor der Verlagerung von CO2-Emissionen (Carbon Leakage) auf diese strombedingten Kostensteigerungen innerhalb der EU zu fokussieren. Grenzausgleich hinter der Grenze statt an der Grenze. (vgl. zu indirekten Grenzausgleichsmaßnahmen, Gutachten des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen 2011, Seite 192 ff. PDF https://www.bundestag.de/resource/blob/434158/6fbf11d713565fa35d4387383389407d/adrs-18-228-data.pdf)

Industriestrompreis als Türöffner für die Dekarbonisierung der Grundstoffindustrie

Die etablierten Carbon-Leakage-Schutzinstrumente wie etwa die kostenlose Zuteilung von Emissionsrechten im europäischen Emissionshandel (ETS), die Besondere Ausgleichsregelung (BesAR) oder die Strompreiskompensation reichen heute allein nicht mehr aus, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit europäischer energieintensiver Industrieunternehmen zu sichern. Notwendig ist eine Weiterentwicklung dieser Schutzinstrumente hin zu einem stabilen, europäisch angelegten Industriestrompreis (vgl. auch WirtschaftsVereinigungMetalle, PM vom 2.6.2020, „WVMetalle legt Konzept für europäischen Industriestrompreis vor“).

Anders als bei Einführung des ETS befindet sich die energieintensive Industrie der EU heute in einem strukturellen Systemwettbewerb mit China. Die Nachteile der energieintensiven Unternehmen lassen sich durch eine Weiterentwicklung des heutigen Carbon-Leakage-Schutzes hin zu einem europäisch angelegten Industriestrompreis lösen.

Blick nach Frankreich

Ein solcher Industriestrompreis könnte Elemente des französischen ARENH-Mechanismus (l’accès régulé à l’électricité nucléaire historique) übernehmen. Dieser gibt „neuen“ Stromversorgern das Recht, Strom zu finanziellen Konditionen zu beziehen, die den Erzeugungskosten der historischen Kernenergie entsprechen. Der Wert liegt aktuell bei 42 Euro/MWh (PDF https://www.cre.fr/content/download/21649/275455). Zu diesen neuen Stromversorgern mit Industriebezug gehören Tochterunternehmen der französischen Schwerindustrie. Die jährliche Stromabrufmenge im Rahmen des ARENH-Mechanismus ist auf 100 TWh begrenzt, was etwa 25 Prozent der gesamten nuklearen Stromerzeugung entspricht. Der ARENH-Mechanismus läuft bis 2025 und ist konform mit dem EU-Beihilferecht.

Energieintensive Grundstoffindustrie unterstützt ambitionierten Ausbau der erneuerbaren Energien

Ein an dieses Modell angelehnter Industriestrompreis sollte zum Ziel haben, bei den Stromkosten ausgeglichene Wettbewerbsbedingungen im Vergleich zu den Regionen zu erreichen, die international mit Europa konkurrieren. Im verpflichtenden Gegenzug unterstützt die energieintensive Grundstoffindustrie einen ambitionierten Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland. Der Vorschlag von WACKER sieht vor: Jährlich werden etwa 120 TWh jährlich für die deutsche energieintensive Industrie zu einem atmenden Preis von heute maximal 40 Euro/MWh zur Verfügung gestellt. Atmend, weil die Referenz für effektiven Carbon Leakage-Schutz nie der absolute Strompreis, sondern immer der relative Abstand zum internationalen Wettbewerber ist. Als Index könnten etwa die international üblichen Stromerzeugungskosten mit Steinkohle oder ein internationaler Preismix der industriellen Strompreise in den relevanten Wettbewerbsregionen dienen.

Klimakrise darf nicht missachtet werden – jetzt die richtigen Weichen stellen

Wir haben uns in den letzten Jahren vieles auf der politischen und technologischen Ebene erarbeitet – von Energiespeichern über Elektromobilität bis hin zu globalen Klimaschutzabkommen. Die Corona-Pandemie ist kein Grund, um beim Thema Klimaschutz nachzulassen. Vielmehr gilt es jetzt die richtigen Weichen zu stellen. Jeder muss seinen Teil dazu beitragen, damit beide Krisen in Chancen umgewandelt werden. Als Politiker, als Unternehmer, als Arbeitnehmer, als Mensch.

Unsere MitarbeiterInnen trimmen unsere energieintensive Produktion auf Effizienz und tragen mit ihrer Forschung dazu bei, Strom nachhaltig zu produzieren und zu speichern. Die Politik fördert die Produktion von erneuerbaren Energien im Rahmen ihrer Klimaschutz- und Energiepolitik. Um europäische, erneuerbare Energien mit europäischer energieeffizienter Produktion zusammenzubringen, benötigen wir jetzt einen Industriestrompreis, der uns im globalen Umfeld handlungsfähig hält.

Die aktuelle Situation führt uns klar vor Augen: Ohne Produkte der chemischen Industrie lassen sich die Herausforderungen unserer Zeit nicht lösen. Nicht beim Kampf gegen Corona, nicht beim Klimaschutz, nicht bei der Digitalisierung.

Kurz und knapp

Fokus EU-Industriestrompreis

  • Die energieintensive Grundstoffindustrie in Europa braucht einen stabilen, europäisch angelegten Industriestrompreis. Nur damit kann die europäische Grundstoffindustrie im Systemwettbewerb mit China bestehen. Nur so ist die Treibhausgasneutralität bis 2050 bei der Energiebeschaffung und in den Prozessen zu erreichen. Damit sich die Industrie umgehend auf diesen Weg macht, benötigen wir schnellstmöglich große Mengen erneuerbaren Stroms zu einem international wettbewerbsfähigen Gesamtpreis.
  • Bis 2030 muss sich die heimisch erneuerbar erzeugte Strommenge mindestens verdoppeln. Ein ambitionierter Ausbau erneuerbarer Energien in Deutschland bis 2030 ist deshalb ein essenzieller Standortfaktor für die energieintensive Industrie in Deutschland. Erneuerbare Energien bilden das Rückgrat für Klimaschutz und den Industriestandort Deutschland.
  • Ohne die notwendige Planungs- und Investitionssicherheit durch einen weltweit wettbewerbsfähigen Industriestrompreis können systemrelevante Rohstoffe wie etwa das Polysilicium für die Zukunftstechnologien Photovoltaik und Digitalisierung nicht mehr in Europa konkurrenzfähig produziert werden. Das führt zu Arbeitsplatz- und Wohlstandsverlusten und schadet zusätzlich dem Klima, da die globalen Wettbewerbsregionen beispielsweise in Westchina mit deutlich höherem CO2-Ausstoß produzieren.
  • Klimaschutz und Systemwettbewerb mit China müssen von der EU-Kommission gemeinsam industriestrategisch gedacht und umgesetzt werden. Wir brauchen einen konstruktiven Green Deal, der Klimaneutralität bis 2050 und internationale Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Grundstoffindustrie garantiert. Zentrale Säule einer EU-Industriestrategie ist ein weltweit wettbewerbsfähiger Industriestrompreis für die europäische Grundstoffindustrie.

Fokus EU-Industriestrategie

  • Die EU braucht eine integrierte Industriestrategie, die die erneuerbaren Erzeugungstechnologien Wind- und Solarenergie mit den Speichertechnologien Batteriezellen und grüner Wasserstoff zusammenführt und im Paket eine europäische strategische Wertschöpfungskette bildet. Diese kann dazu einen großen Beitrag leisten, das EU-Ziel von 20 Prozent Industrieanteil an der Bruttowertschöpfung der EU zu erreichen.
  • Es ist wichtig, europäische Allianzen zur Produktion von Batteriezellen und zur großvolumigen Herstellung von grünem Wasserstoff in Europa auf den Weg zu bringen. Das Gleiche gilt für eine EU-weite industrielle Kompetenz der erneuerbaren Erzeugungstechnologien Wind- und Solarenergie. Im Rahmen der EU-Industriestrategie ist eine solche Allianz fest zu verankern und zu stärken.
  • Ziel sollte es sein, kurz- bis mittelfristig einen jährlichen Solarenergiezubau von mindestens 30 Gigawatt in Europa mit industriellen Fertigungskapazitäten aus der EU zu weltweit wettbewerbsfähigen Kosten zu garantieren.