Fliese wird an Wand befestigt

Um großformatige Fliesen optimal zu fixieren, benötigen Fliesenleger auch den richtigen Kleber.

01.03.2019 Lesezeit: ca. MinutenMinute

Haftkraft trifft Flexibilität

Großformatige Fliesen im Bad sind angesagt. Doch um sie optimal an Wand oder Boden zu fixieren, benötigen Fliesenleger nicht nur Geschick, sondern auch den richtigen Kleber. Mit seinen polymeren Bindemitteln ermöglicht WACKER den Klebstoffherstellern und Anwendern, diese Herausforderung zu meistern.

Badezimmer sind heute viel mehr als nüchterne Nasszellen. Der Trend geht zum „Wohlfühlbad“, zum „privaten Spa“, wie es die Zeitschrift „Schöner Wohnen“ nennt. Jedenfalls dort, wo sich die Bauherren den modern-edlen Look leisten können und wollen. „Nach der Küche ist das Badezimmer sogar der Raum, für den am meisten Geld ausgegeben wird“, sagt Dr. Tobias Halbach, Director Technology Management Construction Polymers bei WACKER. „Durchschnittlich verbringen wir täglich 45 Minuten im Bad, deswegen sollte es ein gut ausgestatteter, angenehmer Ort sein. Zweckmäßigkeit sowie Design- und Wellnessaspekte spielen eine zunehmend wichtigere Rolle.“

Ob Neubau oder Sanierung, ob modern, klassisch oder mediterran – der Fantasie für die Ausstattung sind kaum Grenzen gesetzt. Den Stil prägt maßgeblich die Wahl des Wand- und Bodenbelags. „Die Mode der Fliesen bestimmen weltweit die großen Hersteller“, sagt Halbach. „Diese setzen globale Trends – tatsächlich sind die Geschmäcker nur selten regional geprägt.“ Der WACKER-Experte kennt auch den Favoriten, den der Verbraucher in den entwickelten Industrienationen seit Jahren bevorzugt: große Fliesen, also Formate ab 60 mal 60 Zentimetern. „Diese wirken besonders edel, lassen Räume größer wirken und sind auch für die Füße angenehm, weil es weniger Fugen gibt.“

Badezimmer

Gleichzeitig sind großflächige Platten wegen des geringeren Fugenanteils auch leichter zu reinigen. Nicht nur in Europa, sondern nahezu auf der ganzen Welt verlieben sich die Menschen in XXL-Fliesen. Das war nicht immer so: Während in den 1970er-Jahren dunkle Platten mit Blumenmuster die Badezimmer zierten, dominierten in den 1990ern helle Fliesen und bunte Bordüren den Raum. In den vergangenen 15 Jahren setzten sich schließlich immer größer werdende Porzellanfliesen durch. Seit ein paar Jahren erobern ausgefallene Motive wie Holz- oder Betonoptik den Markt. Eine Vielfalt an Dekoren und Strukturen kann direkt mittels hochauflösendem Digitaldruck auf das Porzellan gedruckt werden.

Badezimmer

Anspruchsvoller Trend

Form, Größe und Material der Fliesen geben vor, wie Fliesenleger damit umgehen müssen, welche Voraussetzungen der Untergrund braucht und welche Kleber sich eignen.

„Großformate sind generell schwieriger in der Handhabung“, sagt Armin Hoffmann, Senior Technical Manager bei WACKER. „Sie sind schwerer und lassen sich ab einer gewissen Größe nur zu zweit tragen. Das macht das Verlegen deutlich aufwendiger.“ Im Vorfeld müssen Wände oder Böden besonders sorgfältig vorbereitet und eben sein. „Jede noch so kleine Unebenheit im Untergrund kann später zu Spannungen in der Fliese führen. Das Risiko steigt mit der Größe – und damit die Gefahr, dass die Platten brechen“, erklärt Hoffmann. Reparaturkosten sind bei den Großformaten entsprechend höher als bei kleineren Fliesen.

Daher ist ein fachmännischer Umgang ebenso wichtig wie der richtige Fliesenkleber. Bindemittel nehmen in diesen Rezepturen eine Schlüsselrolle ein: Sie verbessern die Haftung der Fliese am Untergrund und erhöhen gleichzeitig die Flexibilität im Kleber. Letzteres ist gerade bei sehr dünnen Fliesen von bis zu drei Millimetern wichtig. Als Großformat wiegen sie zwar weniger, aber ihre Handhabung ist ebenfalls schwierig. „Dünne Fliesen brechen einfach leichter und müssen sehr vorsichtig transportiert werden“, erklärt Halbach.

„Fliesentrends entstehen global bei den großen Herstellern.“

Dr. Tobias Halbach, Director Technology Management

Menschen laufen auf Fliesen

Raum für Kreativität und Wohlbefinden: Großformatige Fliesen sehen edel aus und lassen Räume größer wirken.

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Flexibler Halt gegen Risse und Abplatzungen – Verformungsverhalten und Scherkraft zwischen Fliesen und Untergrund für flexible und starre Fliesenkleber

Selbst dann, wenn sie bereits fest an der Wand oder auf dem Boden angebracht sind, kann es bei den großformatigen, dünnen Fliesen von heute noch zu Brüchen kommen. Eine mögliche Ursache: Untergrund und Fliese dehnen sich bei Wärme unterschiedlich stark aus.

Beim längeren Lüften eines Bads ist die Fliesenoberfläche im Winter durchaus einmal mit Temperaturen um die null Grad konfrontiert, während beim Duschen das Wasser bis zu 45 Grad heiß werden kann. Diese Temperaturdifferenzen sollte das System aus Fliese, Kleber und Wand aushalten können. Die Schicht dazwischen – also die des Fliesenklebers – muss daher nicht nur eine feste Verbindung herstellen, sondern gleichzeitig flexibel sein. So werden entstehende Spannungen ausgeglichen. Wäre diese Schicht starr, würde die Fliese herunterfallen oder reißen. Dass sowohl dünne als auch dicke Großformate anfällig für Brüche sind, liegt auch an dem geringeren Fugenanteil, der ebenfalls Spannungen auszugleichen vermag: Bei kleinen Fliesen nimmt dieser prozentual eine viel größere Fläche ein als bei den großen Formaten – und beugt so Rissen vor.

Ganz gleich, ob dick oder dünn: Die großen Fliesen wiegen mehr – und sind deswegen schwieriger an der Wand anzubringen. Auch in dieser Hinsicht müssen die Kleber besonders hohe Anforderungen erfüllen: „Sie benötigen eine sehr hohe Standfestigkeit, damit mit ihnen großformatige Fliesen verlegt werden können. Nur so lassen sich die Platten an der gewünschten Stelle auf dem Klebebett fixieren“, sagt der WACKER-Anwendungstechniker Armin Hoffmann. „Wir können den Kleberherstellern jetzt ein neues Bindemittel anbieten, das diese Eigenschaft mitbringt und gleichzeitig die notwendige Flexibilität und Haftung mitbringt. Das ergänzt unser Produktportfolio optimal.“

Hohe Wasserresistenz

Das Dispersionspulver VINNAPAS® 8812 T basiert auf einem Terpolymer aus Vinylacetat, Vinylchlorid sowie Ethylen und verleiht den Klebern neben einer hohen Standfestigkeit auch eine hohe Wasserresistenz und eine sehr gute Verarbeitbarkeit. Dadurch halten die Fliesen bereits auf der Wand, wenn der Kleber noch feucht ist, und lassen sich leicht nachjustieren. Viele Fliesenkleber und Spachtelmassen benötigten Additive, um eine hohe Haftung oder Standfestigkeit zu erreichen. Diese Zusatzstoffe entfallen beim Einsatz von VINNAPAS® 8812 T.

Weil bei der Herstellung weder Weichmacher noch Lösemittel oder Filmbildner eingesetzt werden, eignet sich das Dispersionspulver ebenfalls zur Formulierung von emissionsarmen Fliesenklebern für das Dünnbettverfahren. Mit diesem Verfahren benötigen die Handwerker weniger Fliesenkleber – also auch weniger Rohstoffe – und können sparsamer und nachhaltiger arbeiten. Im Vergleich zu Fliesen, die im traditionellen Dickbettverfahren fixiert werden, können die Wand- und Bodenbeläge mit Dünnbettsystemen bis zu viermal schneller verlegt werden. Bei einem Einsatz von rund drei Prozent des Dispersionspulvers lassen sich zudem bis zu 90 Prozent der Rohstoffe Sand und Zement einsparen.

Dünnbetttechnik

Vor dem Verlegen großformatiger Fliesen müssen Wände oder Böden besonders sorgfältig vorbereitet und eben sein.

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Haftung auf schwierigen Untergründen Schematische Darstellung der Haftzugfestigkeit von unterschiedlich modifizierten Fliesenklebern auf schwierigen Untergründen. Höhere Haftzugfestigkeit mit steigendem Polymergehalt (Test nach EN 12004-2).

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Einfluss von VINNAPAS® Dispersionspulver auf die Verformungsfähigkeit (Flexibilität) Verformungsfähigkeit von mineralischem Fliesenkleber (35 % Portlandzement). Test erfolgt gemäß dem Verformungstest nach EN 12004-2. Lagerungsbedingungen: 7 Tage Normklima + 14 Tage Wasserlagerung + 21 Tage Normklima (Normklima = 23 °C/50 % relative Luftfeuchtigkeit).

Test auf Verformbarkeit von Fliesenkleber

In den anwendungstechnischen Laboren von WACKER wird die Verformbarkeit der Fliesenkleber nach EN 12004-2 getestet.

Eine weitere Herausforderung, mit der sich Fliesenleger auseinandersetzen müssen, ist die offene Zeit eines Klebers. Damit ist die Phase gemeint, in welcher der Kleber sich verarbeiten lässt, bevor er abbindet. Die Angabe der offenen Zeit in Minuten definiert sich über die Zeit, nach der eine Fliese in das Klebebett eingelegt und eine Haftzugfestigkeit ≥ 0,5 MPa erreicht wird. 30 Minuten sind die Mindestanforderung nach EN 12004-2 für Fliesenkleber. Über alles, was darüber hinausgeht, freut sich der Verleger: Er kann dann auf eine größere Fläche Kleber auftragen und die Fliesen verteilen, ohne dass die Masse bereits aushärtet.

VINNAPAS® 8812 T in Kombination mit anderen Zusätzen, zum Beispiel Methylcellulose, verlängert die offene Zeit des Klebers erheblich und erleichtert so die Arbeit der Fliesenleger“, erklärt Hoffmann. Bei großen Fliesen sei das genauso wichtig wie bei kleinen Formaten. Vergleichsprüfungen im anwendungstechnischen Labor von WACKER zeigen, dass sich – abhängig von der jeweiligen Rezeptur – die offene Zeit um bis zu 50 Prozent verlängern lässt.

Egal welche Trends die Fliesenbranche in Zukunft entwickelt, Bindemittel spielen aufgrund ihrer vielfältigen Talente in den Rezepturen der Klebstoffhersteller eine Schlüsselrolle. Schon heute lässt sich absehen, dass die Anforderungen an Fliesenkleber weiter steigen: Beispielsweise kommen nun vermehrt Megaformate auf den Markt, also Fliesen mit einer Kantenlänge ab 1,20 Metern. „Auch das Thema Nachhaltigkeit beschäftigt die Branche“, sagt Halbach. „Wir als Rohstoffhersteller arbeiten ebenfalls daran, unsere Produktionsprozesse in dieser Hinsicht zu optimieren und beispielsweise Emissionen zu vermeiden und die Effizienz der Produktion zu verbessern.“

Damit die Trockenmörtelhersteller den Verlegern auch künftig optimale Rezepturen für die Fülle an Fliesen anbieten können, stehen ihnen die WACKER-Experten zur Verfügung – mit Know-how und einer Vielfalt an Dispersionspulvern, die kontinuierlich verbessert werden. Denn am Kleber hängt nicht nur die Fliese, sondern auch die Funktion, Ästhetik und Langlebigkeit des Badezimmers – und damit die Zufriedenheit des Verbrauchers.

"Mehr handwerkliche Fertigkeit nötig"

Fliesenleger-Meister Markus Ramrath über die Herausforderungen beim Verlegen von Großformaten

Welche Herausforderungen bringt das Verlegen von Großformaten mit sich?

Markus Ramrath: Von Großformaten spricht man bei Kantenlängen von 60 bis 120 Zentimetern. Wer sich dafür entscheidet, muss mit längeren Bauzeiten rechnen. Das fängt schon bei der Vorbereitungszeit an, denn große Fliesen benötigen einen sehr ebenen Untergrund. Ansonsten treten später leichter Spannungen auf, die zu Rissen und Brüchen in der Fliese führen können. Aus optischen Gründen werden sie meist mit schmalen Fugen verlegt, die kaum Fehler und nachträgliches Korrigieren zulassen. Ein Fliesenleger muss also sehr präzise arbeiten. Die Trocknungszeiten sind zudem länger, weil das Wasser aus dem Fliesenkleber beim Abbinden schlechter herausdiffundieren kann. Es gibt eben nur wenige und dann meist schmale Fugen. Es ist wichtig, spezielle Fliesenkleber mit kristalliner Wasserbindung und erhöhtem Kunststoffanteil zu verwenden, um eine bessere Aushärtung zu ermöglichen. Sonst steigt das Risiko von Spannungen und Brüchen, sollten z. B. Gegenstände auf den gefliesten Boden fallen. Zudem benötigen Fliesenleger mehr Zeit, um die Fliesen optimal für den Raum vorzubereiten, also diese passend zu schneiden sowie Löcher für Armaturen und Anschlüsse vorzusehen.

Markus Ramrath

Markus Ramrath, Fliesenleger- und Steinmetz-Meister aus Korschenbroich in Nordrhein-Westfalen, ist Sachverständiger und engagiert sich im Fachverband Fliesen und Naturstein.

Für welche Räume eignen sich solche großen Fliesen?

M.R.: Es lassen sich sehr gut Wände damit ausstatten. Hier sind die Belastungen für Fliesen deutlich geringer. Das erleichtert die Arbeit für Fliesenleger. Für Böden im privaten Bereich sind die Großformate ebenfalls gut geeignet, weil sich die Belastungen im Rahmen halten. Anders sieht das aus, wenn man beispielsweise Autohäuser oder große Kantinen damit ausstatten möchte. Hier ist für die Ausführung der Arbeiten eine besondere Erfahrung und Eignung des Verlegers gefordert. Das gilt ebenfalls für auftretende Schäden und deren Beseitigung, denn die Fliesen lassen sich aufgrund ihrer Größe und der schmalen Fugen nur sehr schwer entfernen und austauschen. Hinzu kommt, dass die Fliesen nicht nur größer, sondern auch immer dünner werden.

Wie beurteilen Sie diesen Trend?

M.R.: Bei den sogenannten Megaformaten, das sind Fliesen ab einer Kantenlänge von 1,20 Metern, sammeln wir als Sachverständige im Fliesenfachverband derzeit noch Erfahrungen. Das geht letztlich nur über Schäden, die in der Praxis auftreten. Daraus erarbeiten wir Fachinformationen, in denen wir Risiken thematisieren und Hinweise fürs Verlegen der XXL-Fliesen geben. Diese Arbeit wird sich aber noch einige Jahre hinziehen. Bei den Riesen-Fliesen braucht es beispielsweise drei bis vier Personen zum Anpressen der Fliese und Tragegestelle, damit die Keramik nicht schon beim Transport bricht. Letztlich müssen wir als Fliesenleger versuchen, unsere Arbeitstechniken anzupassen. Man muss immer im Hinterkopf behalten: In den Räumen, in denen gearbeitet wird, herrschen keine Laborstandards. Wir müssen aus den vorliegenden Gegebenheiten das Bestmögliche herausholen. Auch die Hersteller der Fliesenkleber adaptieren ihre Rezepturen auf das, was Fliesenproduzenten auf den Markt bringen. Das sind immer wieder neue Herausforderungen, von denen wir als Gutachter eine Menge mitbekommen.

Können Sie interessante Beispiele nennen?

M.R.: Wir hatten einen Fall, bei dem Fliesen mit keinem üblichen Kleber zu verlegen waren. Auf der Rückseite der Keramik blieb einfach nichts haften – selbst Epoxidharz versagte. Bei einem anderen Fall wurden in einem Restaurant drei Millimeter dünne Keramikfliesen verlegt, sodass bereits ein heruntergefallenes Messer dazu führte, dass diese kreuz und quer einrissen. Solche Schadensfälle helfen uns im Fachverband, die optimalen Rahmenbedingungen für das Verlegen von großen Fliesen zusammenzufassen – damit solche Mängel künftig nicht mehr auftreten.

Fliesen

VINNAPAS®-Kategorien

Um die Auswahl zu erleichtern, haben wir unsere VINNAPAS®-Typen in sechs Produktklassen zusammengefasst:

L
VINNAPAS® L-Klasse – optimierte Verlaufseigenschaften
Für glatte Oberflächen mit ausgezeichneten verlaufsunterstützenden Eigenschaften, zum Beispiel für Selbstverlaufsmassen.

T
VINNAPAS® T-Klasse – hohe Thixotropie
Für eine hohe Thixotropie, wie sie in thixotropen Fliesenklebern und Spachtelmassen erwünscht ist.

E
VINNAPAS® E-Klasse – verbesserte Eigenschaften
Für verbesserte Eigenschaften bei vielen Anwendungen. Dadurch ergeben sich eine bessere Verarbeitbarkeit, Haftung und Wasserbeständigkeit.

N
VINNAPAS® N-Klasse – neutrale Rheologie
Für ein hohes Maß an Formulierungsfreiheit und eine Vielzahl von Anwendungen.

H
VINNAPAS® H-Klasse – ausgezeichnete Hydrophobie
Für bemerkenswerte hydrophobe Eigenschaften in allen Arten von Putzen, Fugenmörteln und Wärmedämmverbundsystemen
(WDVS).

F
VINNAPAS® F-Klasse – überlegene Fließeigenschaften
Für hervorragende Fließeigenschaften ohne Zugabe von synthetischen Fließmitteln oder Kasein. Geeignet für Selbstverlaufsmassen, die eine sofortige Verflüssigung und eine besondere Rheologie brauchen.

Kontakt

Mehr Informationen zum Thema erhalten Sie von

Herr Armin Hoffmann
Senior Technical Service Manager
Construction Polymers
+49 8677 83-4820
armin.hoffmann@wacker.com