Unser System hat erkannt, dass Sie aus USA kommen aber die aktuelle Ländereinstellung Deutschland ist. Wollen Sie dennoch Ihr Land ändern?

In Form gegossen

Die Farben, Roh- und Inhaltsstoffe von Kaugummis haben sich stetig weiterentwickelt – nur die Form ist seit jeher begrenzt. CAPIVA® C 03 von WACKER schafft Abhilfe: Damit können Kaugummis künftig in unterschiedlichen Formen gegossen werden.

Rein statistisch gesehen schiebt sich jeder Mensch weltweit im Jahr 13,5 Kaugummis in den Mund. Diese Zahl ergibt sich, wenn man die laut der Marktdatenbank Euromonitor rund 700 Kilotonnen Kaugummi, die 2017 verkauft wurden, auf die Weltbevölkerung aufteilt. Das ist kein neues Phänomen: Menschen kauen schon seit Jahrtausenden auf gummiartigen Substanzen. Während dazu in Nordeuropa Birkenharze verwendet wurden, bevorzugten die Römer Mastix, das Gummiharz der Mastix-Pistazienbäume. Die Mayas und Azteken wiederum nahmen Chicle, den Latexsaft des Sapotill- oder Breiapfelbaumes. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte sich der Kaugummi immer weiter: Mittlerweile basieren Kaugummis in der Regel auf Kaugummirohmasse, die als Trägerstoff für Zucker oder Polyole, Süßstoffe und Aromen dient.

Über die Jahre kamen immer neue Geschmacksrichtungen dazu. Und auch der Verwendungszweck des Kaugummis änderte sich: Fernab des reinen Genussmittels wird er heute auch als Zahnpflegeinstrument und Trägermedium für Arzneimittel eingesetzt.

„Mit dieser Umrüstung können auf gewöhnlichen Zuckerwarenanlagen nun auch frei formbare Kaugummis produziert werden.“

Patrick Knoll, Bosch Makat Candy Technology GmbH

Limitiert in der Form

Die Rheologie und die Viskosität der Masse können so eingestellt werden, dass unerwünschte Phänomene wie Fadenbildung oder Lufteinschlüsse verhindert werden.

So vielfältig Kaugummis in Zusammensetzung und Geschmack auch sein mögen – die Auswahl der Form ist bislang begrenzt. Der Grund dafür liegt im Rohmaterial, das nicht wie bei frei formbaren Bonbons gekocht, sondern warm geknetet wird. Kaugummi besteht traditionell aus Kaugummirohmasse, fein vermahlenem Zucker sowie konzentrierten Aromen. Die Masse nimmt bei rund 60 Grad Celsius eine zähe und klebrige Konsistenz an, die mit leistungsstarken Spezialmaschinen verarbeitet werden muss und anschließend in einem Extruder unter Druck gepresst und so in Form gebracht wird. Aus dem extrudierten Strang können Streifen in verschiedene Größen und Kissen geschnitten oder Kugeln geformt werden.

WACKER, einer der führenden Herstel ler von Poly vinylacetat-Festharzen für Kaugummirohmassen, möchte nun völlig neue Formen möglich machen: mit dem auf einem Co-Polymerharz basierenden CAPIVA® C 03. Diese vorformulierte Mischung ist wasserunlöslich und lässt sich vollständig aufschmelzen und somit homogen in eine Zuckermasse einmischen. „Damit stellen wir einen Rohstoff her, der es ermöglicht, kaugummiartige Süßigkeiten zu kochen und beliebig zu formen, statt sie aufwendig zu kneten“, erklärt Dr. Thomas Wimmer, Leiter des Kaugummilabors der WACKER-BIOSOLUTIONS-Sparte.

Test in Pilotanlage

Im Labor arbeitet Dr. Thomas Wimmer an der perfekten Formulierung.

Dass dies auch in der industriellen Fertigung reibungslos gelingt, zeigt ein Pilotprojekt mit einem Team der Bosch Makat Candy Technology GmbH, einem Tochterunternehmen der Bosch Packaging Technology, die in Dierdorf bei Köln Spezialmaschinen für die Süßwarenindustrie herstellt. „Mit geringen Zusatzinvestitionen für Anlagenteile lässt sich dank CAPIVA® C 03 reibungslos in bestehenden Mogulanlagen Kaugummi in den verschiedensten Formen produzieren“, sagt Patrick Knoll von Bosch Makat Candy. Gemeinsam mit Dr. Alessandro Capuani, Business Development Manager im Bereich Gum bei WACKER BIOSOLUTIONS, hat er an der Prozessentwicklung gearbeitet.

Bosch Confectionery Technology ist Spezialist in der Entwicklung und im Bau sogenannter Mogulanlagen, in denen im großtechnischen Maßstab Gummibärchen, Geleemassen und Co. hergestellt werden. Eine diesen Anlagen vorgeschaltete kontinuierliche Kochanlage erzeugt unter Wärmezufuhr eine homogene, kristallfreie Masse, die anschließend unter Vakuum auf die erforderliche Gießtemperatur erhitzt wird. Dadurch reduziert sich der Wassergehalt der Masse auf ein Minimum. Anschließend werden weitere Zutaten wie Farbstoffe, Aroma oder Säure zugefügt.

Geringer Investitionsaufwand

Dr. Alessandro Capuani gießt die warme Kaugummimasse in Mogulformen. Dank CAPIVA® C 03 kann die Masse beliebig geformt werden.

Im nächsten Schritt kommt nun auch CAPIVA® C 03 ins Spiel. Mit einem Fassschmelzer kann CAPIVA® C 03 bei 100–115 Grad Celsius geschmolzen und über eine spezielle Dosierund Mischanlage in die heiße Zuckerlösung gepumpt werden. „Mit dieser Umrüstung können auf gewöhnlichen Zuckerwarenanlagen nun auch frei formbare Kaugummis produziert werden“, erklärt Patrick Knoll. Unter Rühren entsteht eine homogene Masse, die gleich im Anschluss im sogenannten Mogulverfahren geformt werden kann. Dabei gießt man die Masse in vorbereitete Stärkeformen.

„Der Vorteil der Verwendung von Stärkeformen liegt darin, dass zum einen alle erdenklichen Formen damit möglich sind und sich zum anderen die Formen schnell umrüsten lassen“, sagt Patrick Knoll von Bosch Makat. Das Mogulverfahren eignet sich für ein breites Spektrum an Zuckerwaren aus Gelee-, Gummi- und Schaumzuckermasse, Weichkaramell, Fondant und jetzt auch für Kaugummis. Aber auch in Siliconformen lassen sich die Kaugummis aus CAPIVA® C 03 ohne Weiteres gießen, formen und trocknen.

Die Techniker von Bosch haben die neue Formulierung von WACKER in ihren Maschinen getestet. Das Ergebnis: Die Masse lässt sich einwandfrei in gängigen industriellen Süßwarenproduktionsanlagen einsetzen.

„Die Rezeptur wird je nach den technischen Voraussetzungen des Kunden angepasst und optimiert, damit die Produktionsanlagen möglichst reibungsfrei laufen“, erklärt Dr. Alessandro Capuani. Im Labor bei Dr. Thomas Wimmer tüftelt er gemeinsam mit Kunden die für sie am besten passende Rezeptur aus. Je nach Zusammensetzung können die Rheologie und die Viskosität der Masse verändert werden, um eine sowohl gut formbare als auch eine gut verarbeitbare Gießmasse hinzubekommen. So lassen sich unerwünschte Phänomene wie Fadenbildung oder Lufteinschlüsse verhindern. „Mit CAPIVA® C 03 können wir Formulierungen anbieten, die keine Fäden bilden oder die Anlage verkleben, wodurch der Reinigungsund Materialaufwand gering gehalten wird“, berichtet Dr. Alessandro Capuani weiter. Mit heißem Wasser oder industrieüblichen Reinigungsmitteln ist die auf Basis von CAPIVA® C 03 formulierte Rohmasse leicht von den Anlagen zu entfernen.

Flexibilität dank Formulierung

Mit der gießbaren Kaugummimasse auf Basis von CAPIVA® C 03 können Kaugummis in allen erdenklichen Formen gegossen werden.

Wie bei anderen Süßwaren hängt die Formstabilität der gegossenen Gummibonbons von der genauen Rezeptur und den verwendeten Inhaltsstoffen ab. „Je nach Formulierung und Prozessparameter kann die Rezeptur härter oder weicher eingestellt werden. Aber mit CAPIVA® C 03 sind wir flexibel in der Formulierung“, sagt Dr. Thomas Wimmer. Ein weiterer Vorteil: Durch den Kochprozess lassen sich zahlreiche flüssige Inhaltsstoffe einsetzen, die im konventionellen Verfahren nicht möglich sind.

Die Entwickler von WACKER sind überzeugt, dass sich viele neue Möglichkeiten durch CAPIVA® C 03 ergeben. „Mit den neuen gießbaren Kaugummis möchten wir unsere Kunden ermutigen, künftig für mehr Abwechslung im Süßwarenregal zu sorgen, ohne den klassischen Kaugummi zu verdrängen“, erklärt Dr. Alessandro Capuani.