Unser System hat erkannt, dass Sie aus USA kommen aber die aktuelle Ländereinstellung Deutschland ist. Wollen Sie dennoch Ihr Land ändern?

Schutz vorm Überschäumen

Nichts assoziieren Menschen auf der ganzen Welt so sehr mit Sauberkeit und Hygiene wie dichten, weißen Schaum. Schäumt ein Waschmittel allerdings zu viel, braucht man unnötig viel Wasser, um ihn auszuspülen. Speziell für Handwäsche hat WACKER nun den Entschäumer SILFOAM® SD 9019 entwickelt, der das ideale Mittelmaß zwischen fluffigen weißen Luftblasen und ressourcenschonender Sauberkeit ermöglicht.

Schutz vor dem Überschäumen Podcast | 29.08.2018 | 05:50 Min

Die Waschmaschine ist aus Haushalten in Industrieländern nicht mehr wegzudenken; allein in Deutschland besitzen laut statistischem Bundesamt über 96 Prozent der Bevölkerung solch ein Gerät. In Entwicklungsländern ist die Verbreitung dagegen deutlicher geringer. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Oft fehlt die technische Infrastruktur oder schlichtweg das Geld dafür. Deshalb wäscht rund die Hälfte der Weltbevölkerung ihre Wäsche noch immer in schweißtreibender Handarbeit. Dienstmädchen und Hausfrauen weichen die Kleidung ein, scheuern sie zwischen ihren Knöcheln, waschen den Schaum aus und wringen die Wäsche schließlich unter großem Kraftaufwand aus.

Schaum ohne Funktion

Schaum-Mittelmaß

Die SILFOAM®-Marke vereint ein breites Portfolio an hochwirksamen Antischaummitteln. SILFOAM®-Produkte kontrollieren die Schaumbildung und sorgen für einen störungsfreien und somit effizienteren Produktionsablauf. In modernen Waschmitteln kontrollieren sie die Schaumbildung, um ein Überschäumen der Waschmaschine zu verhindern. In der Textilindustrie müssen SILFOAM®-Schaumkontrollsysteme Temperaturen von bis zu 130 Grad Celsius trotzen sowie sauren und alkalischen Milieus.

Dabei ist die Handwäsche nicht gerade ressourcenschonend: Sie verbraucht in etwa die doppelte bis dreifache Wassermenge im Vergleich zur Maschinenwäsche. Dies ist gerade in den Teilen der Welt ein Problem, in denen Wasser sowieso eine knappe Ressource ist. Vor allem das Auswaschen des Schaums am Ende des Waschvorgangs verbraucht eine große Menge sauberes Wasser. Eine mühsame und auch zeitraubende Arbeit.

„Schaum hat beim Wäschewaschen keine reinigende Eigenschaft, sondern ist vielmehr eine vom Verbraucher erwünschte Nebenerscheinung. Denn Schaum verbinden wir automatisch mit Sauberkeit“, sagt Dr. Klaus Pohmer, der bei WACKER das Business Development im Bereich Performance Silicones betreut. Studien zeigen: Seife, die gut schäumt, bewerten Verbraucher automatisch als effektiver. Dabei ist Schaum nichts anderes als eine Reihe von Luftblasen, die sich bilden, wenn tensidhaltiges Waschmittel mit Wasser gemischt wird. Die Tenside bilden eine dünne Schicht an der Wasseroberfläche und verringern so die Oberflächenspannung des Wassers.

Der enorm hohe Wasserverbrauch, der bei der Handwäsche nötig ist, um den Schaum aus der Wäsche zu entfernen, ist ein großes Umweltproblem.

Die hydrophilen Enden der Tensidmoleküle ragen dabei in das Wasser, die hydrophoben Enden hingegen in die Luft, wodurch ein Lufteinschluss entsteht. Im Wasser ordnen sich die einzelnen Tensidmoleküle in kleine kugelförmige Aggregate, also Blasen, an, mit dem polaren, hydrophilen Ende nach außen und dem hydrophoben Ende nach innen. Dies kennen wir als Schaum.

Auch wenn Verbraucher Schaum gemeinhin mit Sauberkeit verbinden, so hat er dennoch einige Nachteile: Zu viel Schaum kann die Waschmaschine zum Überlaufen bringen.

Unerlässliches Additiv

Wirkweise von Siliconentschäumern: Der Entschäumer spreitet über die gesamte Oberfläche der Schaumlamelle, dadurch sinkt die Oberflächenspannung und die Schaumblase platzt.

Deshalb werden Waschmitteln Entschäumer zugesetzt, die ein übermäßiges Schäumen verhindern. Antischaummittel sind als Prozesshilfe in Maschinenwaschpulver unverzichtbar. 2016 setzte die Entschäumerindustrie weltweit drei Milliarden US-Dollar um, Tendenz steigend. Die größten Zuwächse verzeichnen aufstrebende Regionen wie China, Indien, aber auch Japan und Lateinamerika. Neben wasser- und ölbasierten Produkten sowie Polyethylen-Oxid- und Polypropylen- Oxid-Copolymeren zählen Silicone mit einem Marktanteil von rund 40 Prozent zu den wichtigsten Entschäumertechnologien.

In großen Teilen Afrikas und Asiens kommt Wasser nicht aus dem Hausanschluss, sondern muss an zentralen Brunnen oder Wasserläufen mit Eimern geholt werden.

WACKER hat nun einen Entschäumer entwickelt, der das Ausspülen der Wäsche per Hand wesentlich erleichtert und den Wasserverbrauch deutlich reduziert. SILFOAM® SD 9019 ist ein Antischaumpulver, das in Wasser beziehungsweise stark polaren Systemen feinteilig dispergiert. Das Besondere an dem neuen Entschäumer ist seine Delayed-Defoamer-Technologie, deren schaumhemmende Wirkung erst verzögert eintritt. Denn im Gegensatz zur Maschinenwäsche, wo der Entschäumer von Anfang ein Überschäumen der Waschlauge verhindert, wirkt SILFOAM® SD 9019 erst, wenn der pH-Wert in der Waschlauge sinkt. Dies ist bei der Handwäsche typischerweise dann der Fall, wenn die Waschlauge verdünnt, also gespült wird. Mit der einsetzenden Wirkung des Entschäumers fällt der Schaum sofort in sich zusammen.

„50 % der Weltbevölkerung wäscht ihre Wäsche noch immer in schweißtreibender Handarbeit.“

Weniger Arbeitsaufwand

Im WACKER-Labor in Burghausen werden die Siliconentschäumer auf Herz und Nieren getestet: Hier wird der Schaumzerfall photoelektronisch registriert und analysiert.

Das Ergebnis ist verblüffend: Statt drei- bis viermal muss die Wäsche jetzt nur noch ein bis zweimal gespült werden. Dadurch sinkt der Wasserbedarf um 50 Prozent. Pro Waschladung ist eine Wasserersparnis von bis zu 20 Litern möglich. „So können wir einen Kompromiss zwischen Sauberkeitsgefühl und umweltschonendem Verhalten schaffen“, erklärt Amit Paul, der das Produkt für die indische Wacker Metroark Chemicals, ein Joint Venture des Konzerns mit Sitz in Kalkutta, entwickelt hat.

Silicone gegen Schaum

SILICON ALS WELTWEIT BELIEBTER ENTSCHÄUMER

Siliconentschäumer werden in den unterschiedlichsten Industriebereichen eingesetzt: in der Haushalts- und Körperpflegemittelindustrie, bei der Zellstoff- und Textilherstellung, in der Agrochemie, im Life-Science-Bereich, in Farben, Lacken und Druckfarben sowie in Bau- und Klebstoffen und in der industriellen und kommunalen Abwasseraufbereitung. Auch die Pharmaindustrie setzt Entschäumer ein, etwa bei der Herstellung von Medikamenten oder als Wirkstoff (z. B. in Anti-Flatulenzen). Etwa 40 Prozent aller Siliconentschäumer werden auf dem amerikanischen Kontinent verkauft, gefolgt von Europa einschließlich des Mittleren und Nahen Ostens sowie der Region Asien-Pazifik. WACKER besitzt ein umfassendes Entschäumerportfolio, um den unterschiedlichsten Industrieanforderungen gerecht zu werden. Entschäumer der Marke PULPSIL® werden beispielsweise speziell für die Zellstoffindustrie hergestellt. Für die Pharmaindustrie und für medizinische Anwendungen sind SILFAR® Entschäumer als besonders reine und physiologisch unbedenkliche Anti-Schaummittel geeignet.

Silicone sind aufgrund ihrer guten Benetzungseigenschaften äußerst wirksame Entschäumer. Durch ihre extrem niedrige Oberflächenspannung – sie ist noch geringer als die der Tensidmoleküle – breiten sie sich an der Grenzfläche der Flüssigkeit zur Luft aus und verdrängen so die schaumstabilisierenden Tensidmoleküle. Dies bewirkt eine lokale Schwächung der Schaumlamelle – der Chemiker spricht hier von einer stabilisierenden, tensidhaltigen Flüssigkeitsschicht –, was schließlich zum Bruch der Lamelle und damit zum Schaumzerfall führt. SILFOAM® SD 9019 ist chemisch stabil und mit vielen nicht siliconhaltigen Entschäumern kombinierbar. Dank ihrer hohen Temperaturstabilität eignen sie sich auch für kritische Temperaturverläufe.

263 Millionen Menschen benötigen über 30 Minuten hin und zurück, um Wasser von einer sicheren Trinkwasserquelle zu holen. Quelle: WHO/UNICEF Joint Monitoring Programme for Water Supply, Sanitation and Hygiene (JMP) 2017

„In Ländern, in denen überwiegend mit Hand gewaschen wird und Wasser eine knappe Ressource ist, ist die Delayed-Defoamer-Technologie ein echter Fortschritt“, ist Dr. Klaus Pohmer überzeugt. Sie erleichtert die Handwäsche und leistet zugleich einen aktiven Beitrag zur Schonung der immer wichtiger werdenden Ressource Wasser. Delayed-Defoamer-Handwaschmittel sind bereits seit 2016 in Afrika auf dem Markt und werden derzeit sukzessive in ausgewählten Ländern Asiens eingeführt.