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Thermal Runaway begrenzen:
Testergebnisse für siliconharzbasiertes Hitzeschild

Wenn Lithium-Ionen-Batterien in E-Fahrzeugen versagen, zählt jede Sekunde: Siliconharze von WACKER helfen, Fahrzeuginsassen zu schützen. Sie setzen neue Maßstäbe für mehr Batteriesicherheit und sind auch für mica-freie Hitzeschilde geeignet.

Warum Siliconharze für Hitzeschilde?

  • Exzellente Wärmedämmung:
    Rückseitentemperatur < 140 °C im Thermal Propagation Test
  • Mechanische Barriere:
    Schützt vor Partikeln und heißen Gasen beim Thermal Runaway
  • Hervorragende Flamm- und Hitzebeständigkeit:
    Geringe Brandlast (hoher SiO2-Gehalt), Keramifizierung im Brandfall
  • Vernachlässigbare Rauchentwicklung:
    Sicher auch im Brandfall, vernachlässigbare Emissionen
  • Dünn und 3D-formbar:
    Ideal für Leichtbau und komplexe Geometrien
  • Elektrisch isolierend:
    Elektrische Schutzwirkung nach außen
  • Branchentests bestanden:
    In Kundenprojekten z.B. UL 94, UL 2596

Doppelte Schutzfunktion bei Thermal Runaway Events

Dr. Vera Seitz ist Expertin für siliconharzbasierte Faserverbundwerkstoffe als Hitzeschild für Batterien.

Es ist still in ihrem Büro. Nur das Summen der Lüfter begleitet Dr. Vera Seitz, als sie die Ergebnisse des letzten Thermal Propagation Tests prüft.

Trotz bewusst ausgelöstem Thermal Runway: Kein Durchschlagen der Flamme, keine Beschädigung der Platte, dafür eine hervorragende Wärmedämmung. Die Rückseitentemperatur hinter dem getesteten Siliconharzlaminat bleibt unter 140 °C.

Die Maximaltemperatur des Venting-Strahls, der direkt auf die getestete Platte über der gezündeten Batteriezelle trifft, steigt hingegen auf bis zu 1150 °C. Auch im Bereich der indirekten Venting-Pfade werden in der Spitze über 1.000 °C gemessen. Trotzdem bleibt die siliconharzbasierte Glasfaserverbundplatte intakt.

Warum das so ist, erklärt Dr. Seitz, Expertin für siliconharzbasierte Faserverbundwerkstoffe als Batterie-Hitzeschild in E-Fahrzeugen, so:

”Wir haben zwei Effekte:

  1. Elektrisch isolierende, thermische Barriere:
    Siliconharze bestehen aus einem engmaschigen Netzwerk aus Silicium und Sauerstoff, eine beinahe glasartige Struktur. Dadurch hat das Material eine sehr niedrige Brandlast und im Brandfall entstehen nahezu keine toxischen Gase. Es wirkt wärmedämmend und elektrisch isolierend.
  2. Mechanische Barriere:
    Das Siliconharz bindet das Fasermaterial zu einem resistenten, undurchlässigen Komposit und erhöht den mechanischen Widerstand. Partikel, die bei einem Thermal Runaway mit hohem Druck aus der Zelle austreten, werden abgeschirmt.”

Testorientierte Entwicklung

Jedes Bauteil muss für den Ernstfall gemacht sein. Deshalb setzt das Team auf intensive Thermal Propagation Tests mit aktuellen Zelltypen.

Dr. Daniel Becher, Experte für Batteriesicherheitstests bei PROTEBA, beschreibt es so:

”Wir gestalten die Tests so, dass wir in der post mortem Analyse erkennen, welche Lösungen funktionieren. Gemeinsam mit WACKER bewerten wir Zellreaktionen und Temperaturverläufe. Generell kann davon ausgegangen werden: Wenn sich ein Ergebnis bei diesen Tests mind. dreimal reproduzieren lässt, kann der Ansatz als verlässlich bewertet werden.”

Auch für Vera Seitz ist das kein einzelner Test. Es ist genau das, was Elektromobilität sicher macht: Testen, testen, testen.

Für heute klickt Dr. Seitz auf „Bericht speichern“. Ihr Blick verweilt einen Moment auf dem Bildschirm. Sie lehnt sich zurück. Draußen fahren Millionen E-Autos. Hier entsteht Sicherheit, die Leben schützt und die Elektromobilität voranbringt.

Testergebnisse Thermal Propagation Test

Schutz im Fall eines Thermal Runaway:

  • Das siliconharzbasierte Hitzeschild hält extremen thermischen und mechanischen Belastungen stand.
  • Temperatur im Bereich des Venting-Strahls: ca. 1.150 °C
  • Rückseitentemperatur: < 140 °C
  • Kein Durchschlagen von Flammen oder Partikeln
  • Hitzeschild bleibt intakt

Das Siliconharz-Glasfaser-Komposit schützt den Batteriedeckel vor Venting-Schäden und KTL-Bränden. So schützt es die Fahrgastzelle: Es erhöht die Zeit, die im Ernstfall für die sichere Evakuierung der Fahrzeuginsassen zur Verfügung steht.

Anwendungen: Schutz vor Venting-Schäden und KTL-Bränden

  • Hitzeschilde im Batteriedeckel
  • Schutz exponierter Gehäuseteile (Batterie- oder Moduldeckel)
  • Barriere im Bereich von Venting-Kanälen
1.

Temperaturen

  • Rückseitentemperatur hinter dem getesteten Siliconharzlaminat: < 140 °C
  • Maximaltemperatur im Bereich des Venting-Strahls: ca. 1.150 °C
2.

Post mortem: Vorderseite

  • Hitzeschild intakt
  • Starke Ansammlung schwarzer Partikel durch das Venting der getriggerten Zelle
3.

Post mortem: Rückseite

  • Hitzeschild intakt
  • Kein Durchschlagen der Flamme
  • Nur Klebestellen der Temperaturfühler sichtbar

Download: Testergebnisse Thermal Propagation Test

Ergebnisse des Tests mit Rundzellen im 46xxx-Format
(NMC, sehr hohem Nickelanteil, ca. 35 Ah Kapazität)

Testergebnisse: Thermal Runaway begrenzen

  • Temperaturverlauf während des Tests (Vorder- und Rückseitentemperaturen des Hitzeschilds)
  • Post mortem Analyse
  • Herstellprozess (Siliconharz-Prepregs und Laminate)
  • Übertragbarkeit der Ergebnisse
  • Siliconharzbasierte Verbundwerkstoffe für Batterieanwendungen

Video: Thermal Propagation Test

  • Getestetes Hitzeschild
  • Testaufbau
  • Testablauf
  • Testergebnisse

Fragen & Antworten

Ein Thermal Propagation Test (auch „Thermal Runaway Propagation Test“) ist ein zentraler Bestandteil der Batteriesicherheitsprüfung im Automotive-Bereich. Ziel ist es, zu untersuchen, wie sich ein thermisches Durchgehen (Thermal Runaway) einer einzelnen Zelle auf benachbarte Zellen auswirkt. Der Test liefert Antworten auf die Frage, ob und wie sich die Wärme und die Reaktion ausbreiten.

Der Thermal Propagation Test läuft typischerweise in folgenden Schritten ab:

  1. Initiale Induktion des Thermal Runaway:
    • Eine einzelne Zelle im Batteriepack wird gezielt in den Thermal Runaway-Zustand versetzt.
    • Der Thermal Runaway wird dabei durch eine dieser Methoden ausgelöst:
      • Heizelement: gezielte externe Erwärmung bis zur kritischen Temperatur
      • Nadelpenetration: mechanische Beschädigung
      • Überladung: elektrische Überlastung
      • Crush-Test: physisches Zusammendrücken.
  2. Beobachtung des Tests über Sensoren (z.B. Temperatur) und Kameras

Der Test gilt allgemein als bestanden, wenn das Hitzeschild intakt bleibt und kein Durchschlagen von Flamme oder heißen Partikeln beobachtet werden kann.

Außerdem ist eine gute Isolationswirkung des Hitzeschilds notwendig. D.h. während des Tests sind möglichst niedrige Temperaturen auf der Rückseite der Testplatte gefordert, beispielsweise < 200 °C.

Im Test wurde ein leistungsstarkes, realitätsnahes System getestet:

  • Einbau der Kompositplatte im Metalldeckel des Testaufbaus (im Abstand von ca. 9 mm über den Zellen)
  • 9 zylindrische Zellen 46xxx-Format (NMC) als Mini-Modul (sehr hoher Nickelanteil, ca. 35 Ah Kapazität, 100 % geladen/SOC)
  • Verguss aller Zellen mit Side-Potting (PU-Material) und Top-Potting (ELASTOSIL® CM 185)
  • Triggern einer einzelnen, mittigen Batteriezelle durch Hochleistungsheizer
  • Venting der Zelle im Abstand von ca. 9 – 11 mm in Richtung der Kompositplatte
  • Kamera zur visuellen Beurteilung (Zündvorgang, Flammausbreitung, Partikelaustritt)
  • Temperaturmessung an unterschiedlichen Positionen

Das Siliconharz-Glasfaser-Laminat wurde als Hitzeschild oberhalb der Batteriezellen eingesetzt. Im Fall eines Thermal Runaways schirmt dieses Hitzeschild insbesondere austretende Partikel und Flammen effektiv nach außen ab. Es wird daher häufig im Bereich von Ventingkanälen oder zum Schutz von Batterie- oder Moduldeckel eingesetzt. Die umliegenden Zellen wurden durch geeignete Potting-Materialien geschützt.

Testaufbau des Batteriemoduls

  • 3 x 3er-Reihe
  • 46xxx-Rundzellen
  • Side-Potting
  • Top-Potting
  • Venting erst nach oben Richtung Platte, Gasauslass nach rechts

Aufbau des Batteriedeckels

  • Siliconharzlaminat als Hitzeschild
  • in Deckel montiert
  • Temperaturfühler

Hitzeschild im Test

  • Bindemittel: SILRES® MK
  • Glasfasergewebe, 296 g/m2
  • Gesamtstärke: 2 mm
  • Harzgehalt im Faserverbund: 30 wt%

Fertiges Batterie-Testmodul

  • Drei Temperaturfühler hinter dem Hitzeschild

Getestet wurde ein Siliconharz-Glasfaser-Komposit. So wurde die Platte gefertigt:

  • Herstellung von Siliconharz-Glasfaser-Prepregs (laborbasierter, lösemittelhaltiger Prozess)
  • Verwendete Materialien:
    • Siliconharz SILRES® MK
    • Verstärkungsfaser: Glasfasergewebe (satin), 296 g/m2
  • Fertigung einer 2 mm dicken Testplatte (Stapeln und Heißpressen der Siliconharz-Prepregs bei 200 °C)
  • anschließendes Nachtempern bei 200 °C
  • Siliconharzanteil im Faserverbund: 30 wt%

Siliconharze verfügen über eine außergewöhnlich hohe Flamm- und Hitzebeständigkeit. Sie zeichnen sich durch eine geringe Brandlast aus und können mit Füllstoffen und Fasern interagieren. Im Brandfall bilden sie eine keramische Schutzschicht aus.

Auch unter Brandbedingungen bleibt die Funktion eines siliconharzgebundenen Laminats deshalb erhalten.

Faserverbundwerkstoffe auf Siliconharzbasis eignen sich daher als z.B. als Hitzeschild. So lässt sich die Passagierkabine im Fall eines Thermal Runaway gezielt schützen.

Für Siliconharz-Komposite im Bereich Brandschutz/Batteriesicherheit geeignete Produkte:

  • SILRES® MK
  • SILRES® K
  • SILRES® REN 168
  • SILRES® H44

Glas-, Carbon- oder mineralische Fasern weisen zwar hohe Temperaturbeständigkeiten auf. Sie sind aber je nach eingesetztem Textil durchlässig für Flammen und Partikel, die im Falle eines Thermal Runaways austreten.

Darüber hinaus ist ein reines Fasermaterial biegeweich und einzelne Fasern können verschoben werden. In der Summe ist der mechanische Widerstand häufig zu gering, um dem hohen Druck der auftreffenden Partikel entgegenzuwirken.

Durch die Kombination eines Siliconharzbindemittels mit einer temperaturbeständigen Verstärkungsfaser entstehen feste Kompositplatten. Diese schirmen sowohl Flammen als auch Partikel, die mit hohem Druck aus der Zelle austreten, über Stunden hinweg ab.

Auf jeden Fall. Wir haben Standardlaminate aus unserem Labor getestet. Hersteller von Faserverbundwerkstoffen können gezielt andere Fasern auswählen oder den Lagenaufbau mit ihrem Knowhow optimieren. So können sie die Performance der Laminate maßschneidern und verbessern. In jedem Fall sind neue Tests mit dem konkreten Material erforderlich.

Siliconharzbasierte Komposite werden über einen zweistufigen Prozess aus Prepregs gefertigt. In einem ersten Schritt werden mit dem gewünschten Fasermaterial Siliconharz-Prepregs hergestellt. Im zweiten Schritt werden die Prepregs bei erhöhten Temperaturen unter Druck gehärtet. Generell sind auch andere in der Faserverbundindustrie gängige Verarbeitungsverfahren denkbar.

Zum Einsatz kommen derzeit vor allem feste Silikonharze (wie z.B. SILRES® MK). Diese werden über lösemittelbasierte Prozesse zur Herstellung von sogenannten Prepregs eingesetzt. Alternativ eignen sich hierfür auch Harzlösungen wie beispielsweise SILRES® K.

1.

Imprägnierung

Fasermaterialien werden mit einer Siliconharzlösung und einem Katalysator vorimprägniert.

2.

Trocknen

Die imprägnierten Fasern werden bei 100 – 150 °C (je nach Lösemittel) getrocknet.

Die Prepregs aus Siliconharz und Faser lassen sich bei hohen Temperaturen zu dreidimensionalen Formteilen verpressen. So können in automatisierbaren Prozessen großflächige Hitzeschilde gefertigt werden.

Dreidimensionale Formteile durch Heißpressen

1.

Vorbereitung

Das Prepreg wird geschnitten und gestapelt.

2.

Heißpressen/3D-Formgebung

Bei 160 – 200 °C werden die Prepregs zu dreidimensionalen Formteilen verpresst.

3.

Tempern

Zusätzlich kann das Laminat getempert werden. (z.B. 200 °C).

Dreidimensionales Bauteil aus siliconharzgebundenem Glasfaserlaminat (links) und Carbonfaserlaminat (rechts)

Auch eine endkonturnahe Geometrie (mit Absätzen, Nuten, etc.), die mit dem gesamten Batteriedesign abgestimmt ist, ist möglich.

Die Dicke des Hitzeschilds variiert je nach Kundenanforderungen, Fasermaterial und Lagenaufbau von < 1 mm bis üblicherweise 2 mm. Auch das Nachbearbeiten in Form von Fräsen oder Ausstanzen ist möglich.

Nein, wir liefern keine fertigen Verbundwerkstoffe, sondern Siliconharze als Bindemittel.

Unsere Siliconharze haben wir intensiv mit folgenden Materialien getestet:

  • Carbonfasern (links)
  • Glasfasern (Mitte)
  • Basaltfasern (rechts)
  • weitere mineralische oder keramische Fasern

Unsere technischen Expertinnen und Experten beraten Sie gern bei der Formulierung Ihrer Rezeptur.

Gerne verweisen wir Sie an unsere Partner. Diese unterstützen Sie bei der Verarbeitung von Siliconharzen zu Prepregs oder fertigen Hitzeschilden.

Wie können wir Ihr Projekt voranbringen?

Christoph Popp, Global Segment Manager E-Mobility

Als führender Siliconhersteller verfügen wir über vier Exzellenzzentren rund um E-Mobility. Unsere globalen Teams begleiten OEMs und Tier1-Lieferanten von der Idee bis zur Serienfertigung.

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