Solarstrom

Solarstrom auf der Überholspur

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Solarstrom auf der Überholspur

Die Photovoltaik-Industrie sucht nach Wegen, Solarstrom wirtschaftlich konkurrenzfähig zu machen. Eine Möglichkeit besteht darin, das Licht mit einem Linsensystem zu bündeln und in konzentrierter Form auf kleine, aber besonders leistungsfähige Solarzellen zu lenken.
Das Linsenparkett befindet sich auf der Unterseite der Glasscheibe. Jedes Feld enthält eine Fresnel-Linse.

Flache Bauweise, hohe Effizienz

Die in Aschheim bei München ansässige SolarTec International AG, ein weltweit agierender Hersteller von Photovoltaiksystemen, hat hocheffiziente und kostengünstige, flache Konzentratormodule zur Marktreife entwickelt.
Zur Konzentration des Sonnenlichts dient in diesen Modulen eine schachbrettartige Anordnung von Fresnel-Linsen aus Silicon, die sich auf der Rückseite der Glas-Frontabdeckung befinden. Das Bauprinzip entstand in enger Zusammenarbeit mit dem renommierten Ioffe Physico-Technical Institute im russischen Sankt Petersburg.
Das Linsensystem wird durch ein Gussverfahren direkt auf der Glasscheibe erzeugt, wobei Glas und Silicon einen Schichtverbund bilden. Jede einzelne Fresnel-Linse fokussiert Sonnenstrahlung auf eine Solarzelle, die jeweils exakt unter der Linse positioniert ist. Ein Konzentratormodul liefert generell nur dann Strom, wenn direktes Sonnenlicht senkrecht auf das Linsensystem einfällt.
Matthias Sturm, Entwicklungsleiter von Solartec International, prüft ein Konzentratormodul.

Serienproduktion in Vorbereitung

Um die flache und feingliedrige Fresnel-Linsenstruktur exakt und reproduzierbar zu erzeugen, ist großes Know-how erforderlich – und ein geeignetes gießfähiges Silicon.
SolarTec International hat sich für einen zweikomponentigen, flüssigen Siliconkautschuk von WACKER entschieden, der unter dem Namen ELASTOSIL® Solar 3214 zur Verfügung steht.
Die Fresnel-Linsenstruktur wird gegossen.
Matthias Sturm, Entwicklungsleiter von SolarTec International, erläutert seine Wahl: „Das Silicon lässt sich gut gießen und härtet zu einem glasklaren, elastischen und nachgiebigen Material aus. Die vom Gießwerkzeug vorgegebene Struktur wird gut reproduziert.“
Hinzu kommen Eigenschaften wie Beständigkeit gegen chemische und thermische Belastungen, die Silicone zum Einsatz in der Photovoltaik prädestinieren.
Derzeit bereitet das bayerische Photovoltaik-Unternehmen die Serienfertigung der Konzentratormodule vor. Die Produktionslinie ist aufgebaut, letzte Details in der Konstruktion der Module werden optimiert.
Weitere Informationen

Aufbau des Konzentratormoduls

Ein Konzentratormodul von SolarTec International hat eine quadratische Grundfläche von 50 mal 50 cm und ist rund 8 cm hoch. Die Glas-Frontabdeckscheibe lässt das schachbrettartige Parkett aus 144 Silicon-Fresnel-Linsen erkennen, das auf die Rückseite der Scheibe aufgegossen ist.

Diese Primäroptik konzentriert das einfallende Sonnenlicht 450-fach. In einem jeden Brennfleck befindet sich eine aus drei Schichten (Gallium-Indium-Phosphid und Gallium-Indium-Arsenid auf einem Germanium-Substrat) aufgebaute Stapelzelle. Um einen hohen Wirkungsgrad des Moduls zu erreichen, ist jede Solarzelle auf mindestens 20 μm genau mittig unter einer Linse positioniert.

Für die notwendige Wärmeabführung sorgen metallische Kühlkörper, auf welche die Solarzellen montiert sind. Direkt über einer jeden Solarzelle befindet sich eine Sekundäroptik, die das Modul gegenüber Nachführungsfehlern toleranter macht.

Von der dicken Linse zur Fresnel-Linse

Eine Fresnel-Linse ist eine besonders flache optische Linse, die in einer typischen Stufenstruktur gebaut ist. Die Stufenstruktur basiert auf dem Grundgedanken, dass die Lichtbrechung bei einem gegebenen Linsenmaterial vom Einfallswinkel abhängt, nicht jedoch von der Dicke der Schicht, die das Licht in der Linse durchläuft.

Um sich solch eine Stufenstruktur vorzustellen, zerlegt man die herkömmliche Linse gedanklich in konzentrische Ringe, nähert deren gekrümmte Kantenlinien durch geradlinige Kanten an, schneidet die darunter liegenden ringoder zylinderförmigen Bereiche heraus und schiebt die verbliebenen Strukturen auf die Grundfläche.

Besonders Linsen mit kurzer Brennweite werden durch die Stufenstruktur erheblich dünner und leichter als herkömmliche optische Linsen. In der Konzentrator-Photovoltaik ist eine starke Bündelung des Lichts gefordert. Der Brennfleck soll möglichst klein, die Strahlung möglichst homogen über die kleine Fläche verteilt sein.

Dies wird umso besser erreicht, je mehr Ringe die Stufenstruktur enthält und je schärfer die Kanten der Struktur ausgeprägt sind. Feingliedrige Strukturen, wie sie für das Fresnel-Linsensystem der Primäroptik notwendig sind, lassen sich in der benötigten Präzision nicht aus Glas, sondern nur aus Kunststoffen wie Acrylglas oder Polycarbonat oder aus einem flüssigen Siliconkautschuk herstellen.