Glasklebetechnik
Poesie aus Licht und Farbe
Interview mit der Bremer Glaskünstlerin Tina Jacobs
Die Bremer Glaskünstlerin Tina Jacobs spricht über die Klebetechnik in der Glaskunst. Tina Jacobs hat Objekt-Design mit Schwerpunkt Glas an der Fachhochschule Dortmund studiert. Die Künstlerin gestaltet großformatige Fenster, aber auch Leuchten oder freistehende Objekte. Dabei kombiniert sie oft die Sandstrahl- mit der Bleirutentechnik, ist aber stets offen für neue Methoden. Vor kurzem hat sie an einer Aktion der Firma Lamberts teilgenommen und dabei zum ersten Mal die Klebetechnik ausprobiert.
Tina Jacobs
Tina Jacobs
Immer auch ein Stück von mir
Frau Jacobs, wie wird man Glaskünstlerin?
Mein Vater war an Kunst sehr interessiert. Als ich noch eine Schülerin war, ließ er eine Haustür schreinern und von einer Kunstglaserei gestalten. Das hat mir so gut gefallen, dass ich später ein Praktikum bei dieser Glaserei gemacht habe. Und seitdem lässt es mich nicht mehr los.
Worauf kommt es Ihnen bei der Gestaltung Ihrer Objekte an?
Neben meinem Design-Studium habe ich eine Ausbildung zur Bühnenbildnerin gemacht und dann neben der Glaswerkstatt eine Zeitlang auch im Theater gearbeitet. Als Bühnenbildnerin geht man mit Perspektive um, und noch heute beziehe ich die räumliche Wirkung bei meinen Glasobjekten ein.
An Glas inspiriert mich besonders die Transparenz: Der Raum hinter dem Glas wird sichtbar, diese Wirkung versuche ich auszunützen. Daneben fasziniert mich der Zusammenklang von Licht und Glas. Glas bricht das Licht und gibt es verändert wieder, Licht und Schatten spielen mit der Oberfläche.
Vor kurzem haben Sie zum ersten Mal mit der Klebetechnik gearbeitet. Wie sind Ihre Erfahrungen?
Für die Aktion der Firma Lamberts habe ich ein Oberlichtband gestaltet. Es ist für ein Gartenhaus aus Sichtbeton bestimmt; daneben soll es jedoch, wie alle meine Objekte, auch für sich alleine wirken – darauf lege ich immer Wert. Das Oberlichtband besteht aus vier Schichten: einem Trägerglas, darauf Crackled-Glas, auf das farbige Glasstücke geklebt sind.
Darauf wiederum stehen Bögen aus Opalglas. Die Bögen wirken in einem bestimmten Abstand räumlich. Damit die vielen kleinen Glasstücke nicht auf dem Kleber wegschwimmen, habe ich zuerst die kleinen Stücke fixiert, darauf das Crackled-Glas und darauf wiederum die Trägerschicht laminiert. Die Arbeit mit dem Kleber will sorgfältig vorbereitet sein.
Ein gewisses Problem sind Blasen, die sich jedoch gut im Vorfeld mit der Vakuumpumpe verhindern lassen. Später habe ich auch mit SilGel® gearbeitet, es ist einfacher und Bläschen sind kein Problem. Aber man muss sorgfältiger abkleben, weil das Gel sonst überall festklebt. Insgesamt war es eine spannende Erfahrung und hat gut funktioniert.
Werden Sie die Klebetechnik wieder anwenden?
Auf jeden Fall; das gibt mir auch in Zusammenarbeit mit Architekten zusätzliche Freiheiten. Gegenwärtig bin ich dabei, ein Fenster mit bunten Quadraten zu gestalten. Gerade habe ich einen Entwurf in kleinerem Format dazu gemacht.
Welche Projekte planen Sie in Zukunft?
Ich denke an eine Leuchte, bei der ich wieder Opal- und Crackled-Glas zusammenbringe. Auf das Opalglas möchte ich ein Fischmotiv als Siebdruck aufbringen; zusammen mit dem Craquelé-Effekt gibt das eine schöne Tiefenwirkung. Bei mir muss immer die Perspektive mitspielen! Denn auch wenn ich Aufträge übernehme und mich auf die Wünsche meiner Kunden einlassen muss: Letztendlich steckt immer ein Stück meiner Persönlichkeit in meiner Arbeit. Das ist mir besonders wichtig.