Das Grundrezept für Glas ist denkbar einfach: Fein vermahlener Quarzsand (Siliciumdioxid), Soda (Natriumcarbonat) und Kalk (Calciumcarbonat) werden vermischt und bei über 1.400 Grad Celsius geschmolzen. In der Hitze wandeln sich die Carbonate chemisch zu Oxiden um, dabei entweicht Kohlendioxid. Beim Abkühlen wird die Schmelze zunehmend zähflüssiger; die Mischung erstarrt schließlich, ohne jedoch zu kristallisieren.
Fachleute sprechen auch von einer unterkühlten Schmelze. Spezialgläser haben eine besondere Rezeptur und können auch andere Stoffe enthalten, etwa Pottasche (Kaliumcarbonat, das früher aus Pflanzenasche gewonnen wurde), Uran- oder Bleioxid.
Das besonders hitzebeständige Quarzglas zum Beispiel besteht aus reinem Siliciumdioxid. Bleiglas hat einen besonders hohen Anteil an Bleioxid. Seine Leuchtkraft beruht auf der starken Lichtbrechung, die durch einen speziellen Schliff noch stärker zur Geltung kommt. Besonders bleireich ist Strass, der – kunstvoll geschliffen – fast wie ein Diamant funkelt. Es wird deshalb in der Schmuckindustrie verwendet. Farbiges Glas entsteht durch Zugabe geringer Mengen von Metalloxiden zur Schmelze.
So färbt Kobalt blau, Nickel violett, Chrom und Uran färben grün, Kupfer rot oder grün, Eisen grün oder braunrot – abhängig von der chemischen Wertigkeit des Metalls. Durch kolloidales, also feinst verteiltes Gold entsteht das leuchtend rote Goldrubinglas. Kolloidales Silber färbt gelb.
Gläser wurden schon vor 4.000 Jahren im Vorderen Orient benutzt; die Römer übernahmen die Technik und brachten sie nach Europa. Bis in die Neuzeit blieb das Herstellungsverfahren praktisch unverändert. Glashütten siedelten sich vor allem in waldreichen Gegenden an, wo Holz als Brennstoff für die Glasschmelze reichlich vorhanden war, so in der Oberpfalz und in Niederbayern, im Schwarzwald oder im Spessart.