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Nürnbergs neue Kaiserbüsten

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Nürnbergs neue Kaiserbüsten

Ohne die Kaisergalerie wäre der berühmte Hirsvogelsaal in Nürnberg nicht komplett. Deshalb wurden nun die Büsten römischer Caesaren, die in den Nachkriegswirren verloren gegangen waren, neu angefertigt – Siliconabformmassen von WACKER bildeten die Vorlage für die Repliken.
Bildhauerin Anke Oltscher trägt die Feinschicht aus Siliconkautschuk auf.
„Kunst hat manchmal viel mit Muskelkraft zu tun“, scherzt die Bildhauerin Anke Oltscher. Die hat sie tatsächlich für die Arbeit an den zwölf Büsten römischer Kaiser gebraucht, mit denen sie und ihr Kollege Olaf Bieber geraume Zeit beschäftigt waren. Die Büsten sind für den Hirsvogelsaal in Nürnberg bestimmt, ein kunsthistorisches Kleinod ersten Ranges.
Erbaut wurde dieses Kleinod im Jahr 1534 von Lienhart III. Hirsvogel, einem angesehenen Nürnberger Kaufmann. Der Saal war sein Brautgeschenk für die Augsburger Kaufmannstochter Sabine Welser, die er im gleichen Jahr heiratete. Der jungen Ehe war jedoch kein Glück beschieden: Schon 18 Monate später kehrte Sabine nach Augsburg zurück. Nach jahrelangem Scheidungskrieg musste Lienhart, mittlerweile bankrott, die Stadt verlassen.
Vorder- und Rückseite jeder Büste werden getrennt abgeformt und mit Stützhälften umgeben.
Sein Anwesen ging danach in andere Hände. Später wurde die Inneneinrichtung nochmals ergänzt: Oberhalb der reich geschnitzten Holzvertäfelung wurde eine Galerie mit Brustbildern römischer Kaiser angebracht, die den Raumeindruck von nun an entscheidend mitbestimmten.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erwarb schließlich die Stadt Nürnberg den Hirsvogelsaal. In der Bombennacht des 2. Januar 1945 wurde das vielbesuchte Touristenziel zerstört, zusammen mit zahllosen anderen Kunstdenkmälern der Altstadt. „Glücklicherweise wurde jedoch die kostbare Einrichtung zuvor ausgelagert und gerettet“, erzählt die Museumsleiterin Ulrike Berninger. Die Kaiserbüsten aber blieben verschollen – bis heute.
Der neue Hirsvogelsaal – bevor die rekonstruierten Kaiserbüsten aufgestellt wurden.

Neuer Glanz im Hirsvogelsaal

Dr. Franz Sonnenberger, von 1994 bis 2008 Direktor der städtischen Museen in Nürnberg, hatte schließlich die Idee für einen Neubau des Hirsvogelsaals, nahe des Tucherschlosses, mit einem Renaissance-Garten zwischen beiden Gebäuden.
Im Jahr 2000, zum 950-jährigen Stadtjubiläum, wurde der neue Hirsvogelsaal eröffnet. Um den ursprünglichen Eindruck des Saals zu vervollständigen, wurden nun auch die fehlenden Kaiserbüsten rekonstruiert.
Fast drei Jahre lang haben die Bildhauer Anke Oltscher und Olaf Bieber an den Kaiserbüsten gearbeitet.
Die beiden mit den Plastiken beauftragten Bildhauer haben sich bei der Arbeit an gesicherten antiken Vorbildern orientiert. Als Material verwendeten sie Gips, aus dem auch die Originalbüsten gefertigt waren, und das zudem gut für die Herstellung von Repliken geeignet ist, denn aus Sicherheitsgründen wurden zwei Kopien von jedem Kaiserkopf angefertigt. Dazu wurden die Büsten mit Silicon abgeformt.
„Die Siliconform bildet dann die Vorlage für jeweils zwei neue Gipsrepliken“, erläutert die Künstlerin Anke Oltscher. Sie bevorzugt ELASTOSIL®-Abformmassen von WACKER, die gut zu verarbeiten und strapazierfähig sind.
Nach fast drei Jahren ist die Arbeit der beiden Bildhauer nun abgeschlossen. Im Mai 2009 wurden die Büsten im neuen Hirsvogelsaal in einem feierlichen Festakt aufgestellt.
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Silliconabformung: Berühmte Beispiele

„Abformmassen von WACKER waren an der Replikation und Restaurierung großer Kunst beteiligt“, berichtet Dr. Thomas Gröer, Anwendungstechniker im Burghausener Werk.

Prominente Beispiele:
die Restaurierung von Michelangelos berühmter Pietà, die nach einem Attentat 1972 schwer beschädigt wurde; die Abformung eines Moai – einer jener rätselhaften, riesigen Steinstatuen auf der Osterinsel – für den Frankfurter Flughafen; die Kopie eines Teils der Höhlendecke von Altamira in Spanien, der berühmten Steinzeithöhle, die nun im Deutschen Museum in München ausgestellt ist.

Nürnberg und WACKER

Nach Nürnberg reichen auch die Wurzeln der Wacker Chemie AG: Hier richtete Alexander Wacker (1846–1922), damals Direktor der Elektrizitäts AG, vormals Schuckert & Co., im Jahr 1896 ein elektrochemisches Labor ein, das er 1903 als „Consortium für elektrochemische Industrie GmbH“ selbstständig machte.

Es war ein Grundstein der „Dr. Alexander Wacker, Gesellschaft für elektrochemische Industrie, KG“, die der 68-Jährige im Jahr 1914 gründete. Sitz des jungen Unternehmens war zunächst Traunstein, seit 1916 München.

1918 zog auch das Consortium von Nürnberg in die Münchner Zielstattstraße um. Noch heute ist es die zentrale Forschungseinrichtung von WACKER; wichtige Erfindungen und Patente haben hier ihren Ursprung.