α-Silane sind eine spezielle Klasse organofunktioneller Silane mit einer besonderen Molekülstruktur. Die bisher verwendeten und lange bekannten Silane sind γ-Silane. In γ-Silanen ist die reaktive Gruppe X durch eine Brücke aus drei CH2-Gruppen, eine so genannte Propylengruppe, vom Siliciumatom getrennt; bei α-Silanen steht zwischen X und Silicium nur eine einzige CH2-Gruppe, eine Methylengruppe.
Fortsetzung
Siliciumatom und X sind hier also an dasselbe Kohlenstoffatom C gebunden, das in der Fachsprache auch α-Kohlenstoffatom genannt wird. Damit aber rücken die chemisch aktiven Alkoxygruppen OR, die ebenfalls an das Siliciumatom gebunden sind, in enge Nachbarschaft zur reaktiven Gruppe X. Sie werden dadurch aktiviert und können sehr viel rascher reagieren. Dies ist die Grundlage des α-Effekts.
Durch Luftfeuchtigkeit etwa werden die OR-Gruppen gespalten – hydrolysiert, wie der Chemiker sagt. Sie können nun untereinander reagieren und eine stabile Silicium-Sauerstoff-Bindung (Siloxanbindung) eingehen: Dies ist die Basis der Vernetzungsreaktion, wie sie in Klebern und Schäumen mit α-Silan-Bindemitteln stattfindet. Da α-Silane so reaktiv sind, geschieht diese Vernetzung sehr rasch; zinnorganische Katalysatoren, die diese Reaktion bei γ-Silanen beschleunigen, sind bei α-Silanen nicht nötig.
Mittlerweile gibt es ein breites Spektrum an α-silanterminierten Polymeren (STP), unter denen α-silanterminierte Polyether (STP-E) besonders interessant sind. Durch Variationen in der Gruppe X, in der Natur des Polymers, an das X gebunden ist, sowie in der Anzahl und chemischen Natur der Alkoxygruppe OR können die Eigenschaften des Endprodukts breit moduliert werden.